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Coronavirus Impfstoff Forschung (Symbolbild)

Bild: Shutterstock

«Potentiell extrem gute Nachrichten»: Was Experten über die neuen Impf-Resultate sagen

Hoffnung bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19: Die Testresultate der Biotechunternehmen Pfizer und Biontech zeigen eine 90-prozentige Wirksamkeit ihres Impfstoffes gegen das Coronavirus. Nebenwirkungen sind bislang keine bekannt. Ist das der Durchbruch?



Wie wurde der Impfstoff getestet?

Seit Mitte Januar entwickelte Biontech unter dem Projektnamen «Lightspeed» (Lichtgeschwindigkeit) den Impfstoff BNT162b2. Die entscheidende Phase 3 der Studie, die über eine Zulassung des Imfpstoffes bestimmt, wurde Ende Juli in verschiedenen Ländern eingeleitet. So haben bisher mehr als 43'500 Menschen mindestens eine der beiden Impfungen erhalten, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Nach Angaben der Hersteller wird der Impfschutz eine Woche nach der zweiten Injektion erreicht.

Entwicklung Impfstoff Phasen

Die Phasen der Impfstoffentwicklung Bild: watson

Wie funktioniert der Impfstoff?

Beim Biontech-Präparat handelt es sich um einen sogenannten RNA-Impfstoff. Es enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiss herstellt – in diesem Fall das Oberflächenprotein, mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren.

epa08376915 (FILE) - A view of signage of German biopharmaceutical company BionTech in Mainz, Germany, 18 March 2020 (reissued 22 April 2020). Reports on 22 April 2020 state the German regulatory body Paul-Ehrlich-Institute in a statement said they have authorized the first clinical trial of a vaccine against COVID-19 in Germany, developed by Biontech and US-based Pfizer. The Paul-Ehrlich-Institute also said 'it is a result of a careful assessment of the potential risk/benefit profile of the vaccine candidate.'  EPA/RONALD WITTEK

Das Biotechnologie-Unternehmen mit Sitz in Mainz, Deutschland. Bild: EPA

Bisher seien noch keine schweren Nebenwirkungen festgestellt worden. Allerdings werden sowohl die Schutzwirkung als auch mögliche Nebenwirkungen im Verlauf der nächsten zwei Jahre weiter beobachtet werden.

Was sagen die Experten dazu?

«Ehrlich gesagt ist das die beste Nachricht, die ich seit dem 10. Januar erhalten habe», erklärte der Virologe Florian Krammer von der Icahn School of Medicine in New York. Auch der Infektiologe Gerd Fätkenheuer von der Uniklinik Köln sprach von «grossartigen und vielversprechenden Daten». Einige Experten geben aber zu bedenken, dass die Daten bisher nur aus einer Pressemitteilung stammen und nicht aus einer wissenschaftlichen Publikation. So sei beispielsweise der Schutzeffekt in bestimmten Altersgruppen unklar.

Albert Bourla, CEO und Vorsitzender von Pfizer, zeigt sich optimistisch:

«Heute ist ein grossartiger Tag sowohl für die Wissenschaft als auch für die Menschheit, nachdem die ersten Resultate der Phase 3 der Covid-19-Impfstudie überzeugend bewiesen haben, dass unser Impfstoff dabei helfen kann, COVID-19 zu verhindern.»

Albert Bourla, CEO von Pfizer

Vorerst eher vorsichtig freut sich der Schweizer Epidemiologe Marcel Salathé. Die Daten müssten erst noch publiziert und geprüft werden, twittert er. Trotzdem könnten dies «potentiell extrem gute Neuigkeiten» sein.

Für den Fall der Zulassung macht Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing Hoffnung auf einen raschen Impfstart: «Wenn dieser Schritt erfolgen wird, könnte in der Tat bereits Ende 2020 eine Impfwelle anrollen.» Die vorgestellten Ergebnisse seien ein «Silberstreifen an dem sonst so düsteren Horizont».

Wann ist der Impfstoff erhältlich?

Noch benötigen die Hersteller weitere Daten, welche bis zur kommenden Woche erhoben werden. Direkt im Anschluss sollen die Unterlagen der Aufsichtsbehörde vorgelegt werden. Aufgrund der Dringlichkeit gilt für den Corona-Impfstoff ein beschleunigter Zulassungsprozess, was bedeuten könnte, dass die ersten Impfdosen bereits Ende dieses Jahres verabreicht werden können.

Bis dahin möchten Pfizer und Biontech weltweit 50 Millionen Impfstoff-Dosen bereitstellen – im kommenden Jahr rechnen sie mit 1,3 Milliarden Dosen.

In Ländern wie Russland, China und Bahrain wurden bereits Impfstoffe freigegeben und Teile der Bevölkerung geimpft. Allerdings ist noch weitgehend offen, wie gut diese Impfungen tatsächlich schützen und welche Nebenwirkungen sie haben können.

Hat die Schweiz den Pfizer-Impfstoff reserviert?

Nein. Der Bund hat zwar mit mehreren Impfstoff-Herstellern einen Vertrag abgeschlossen (Moderna, AstraZeneca). Nicht aber mit Pfizer. Das BAG sagt auf Anfrage von watson dazu: Man arbeite intensiv daran, der Schweizer Bevölkerung möglichst schnell einen Zugang zu sicheren und wirksamen SARS-CoV-2-Impfstoffen zu ermöglichen. «Wir stehen mit weiteren, vielversprechenden Herstellern von Impfstoffen in Verhandlung.»

(saw)

(Mit Material der Nachrichtenagentur sda).

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