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Da konnte er noch lachen: André Borschberg wartet im Cockpit auf den Start in Nagoya. Bild: THOMAS PETER/REUTERS

Bertrand Piccard hat sich verrannt: Solar Impulse zeigt, wie man es nicht machen soll

Erneut musste der Flug von Solar Impulse über den Pazifik wegen schlechtem Wetter verschoben werden. Es lässt sich nicht mehr schönreden: Das vermeintliche Wunderflugzeug ist ein Flop.



Diesmal schien es zu klappen, endlich. In der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) sollte Solar Impulse 2 zur 7900 Kilometer langen «Königsetappe» vom japanischen Nagoya über den Pazifik nach Hawaii abheben. Pilot André Borschberg sass im Cockpit, der Solarflieger wurde zum Startplatz gerollt. Fünf Minuten vor dem Take-off kam die Hiobsbotschaft: Eine Regenfront bewegte sich weiter in Richtung Osten als erwartet. Einmal mehr hatte das Wetter einen Start verhindert.

Projektleiter Bertrand Piccard war der Frust im Videointerview anzusehen. «Das ist ein schlechter Moment für uns», meinte der Waadtländer. Er wusste, dass der neuste Fehlschlag ein Desaster ist für die mit enormem PR-Einsatz gehypte erste Weltumrundung mit einem Solarflugzeug. Doch eine Alternative gab es nicht: «Es ist besser, André verlässt das Cockpit in Nagoya, als in drei Tagen über dem Pazifik mit einem Fallschirm.»

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Bertrand Piccard und André Borschberg zum misslungenen Start in Nagoya. YouTube/SOLAR IMPULSE

Seit dem Start in Abu Dhabi am 9. März ist Solar Impulse nur wenige Tage in der Luft gewesen. Die meiste Zeit sass das Flugzeug am Boden fest, denn das Wetter erlaubte keinen Weiterflug. Geschlagene zwei Monate verbrachte die Crew in China. Am 31. Mai erfolgte in Nanjing der erste Start zum Pazifik-Flug, doch das Wetter zwang Borschberg zur ungeplanten Landung in Nagoya. 44 Stunden hatte er in der Luft verbracht, ein Rekord, doch das zählte wenig.

Die ständige Warterei scheint an den Nerven der Crew zu zerren, denn ihr läuft die Zeit davon. Eigentlich sollte die Weltumrundung bis Ende Juli oder Anfang August beendet sein, doch das wirkt illusorisch. Nach der Landung in Hawaii folgt ein weiterer Pazifik-Flug in die USA, dann die Überquerung des amerikanischen Kontinents und schliesslich der Flug über den Atlantik Richtung Nordafrika. Und das bei möglichst idealen Wetterbedingungen.

Flugroute von Solar Impulse

Die (ursprüngliche) Flugroute erstreckt sich über eine Länge von 35'000 Kilometer. bild: Solar impulse

«Wir können es schaffen, aber es besteht das Risiko, dass wir es nicht rechtzeitig schaffen», sagte André Borschberg letzte Woche in einem Interview mit CNN. Mit dem Aufenthalt in China habe man die gesamte Zeitreserve aufgebraucht. Und nun werden die Tage wieder kürzer. Es komme der Zeitpunkt, an dem es nicht mehr genug Sonnenlicht gebe, um weiterfliegen zu können, räumte Borschberg ein. Bertrand Piccard bezeichnete in einem Interview mit den Zeitungen «24 Heures» und «Tribune de Genève» den 5. August als Stichtag. Danach sei kein Pazifik- oder Atlantiküberflug mehr möglich.

Was Kritiker seit langem behaupten, bewahrheitet sich nun: Solar Impulse 2 ist ein Wunderwerk der Technik, aber zu anfällig für den praktischen Gebrauch. Und als Konzept für die Zukunft taugt ein ausschliesslich mit Solarzellen betriebenes Flugzeug nicht. Solar Impulse demonstriere «die Grenzen der Photovoltaik so drastisch, wie es nur geht», schrieb Simon Aegerter, ehemaliger Direktor des Technorama Winterthur, in der «NZZ am Sonntag».

Solar Impulse

Aegerter ist ein Verfechter der Atomenergie, mit seiner Frau betreibt er den Blog KaltDuschenmitDoris, der die Energiewende von Bundesrätin Doris Leuthard aufs Korn nimmt. In der Sache aber hat er recht. Für die 17'000 Solarzellen braucht Solar Impulse eine grosse Tragfläche. Gleichzeitig musste das Flugzeug in Ultraleichtbauweise erstellt werden, um überhaupt in die Luft gehen zu können. Deshalb kann es nur von einer Person geflogen werden. 

Ein sehr grosses und gleichzeitig sehr leichtes Flugzeug aber ist den Launen des Wetters ausgeliefert. Überspitzt gesagt kann es nur bei Windstille und wolkenlosem Himmel fliegen. Deshalb die Wartezeiten. Man muss sich fragen, ob der lange Flug nach Hawaii überhaupt möglich ist. Eine sechstägige Schönwetterperiode über dem Pazifik ist sehr viel verlangt. Auf Twitter machen bereits böse Kommentare die Runde.

Bertrand Piccard hat sich verrannt. Sein Projekt Solar Impulse weist nicht den Weg in eine saubere Energiezukunft, sondern in eine Sackgasse – auch weil die Infrastruktur mit konventionellen Mitteln, also «normalen» Flugzeugen, transportiert werden muss. Piccard hätte besser auf ein weniger spektakuläres, dafür realistisches Konzept gesetzt, etwa ein Hybridflugzeug. Doch das liess der Stolz dieses Abkömmlings einer Erfinder- und Abenteurerdynastie wohl nicht zu. 

Vielleicht klappt es am Ende doch, nicht nur mit dem Pazifik-Flug, sondern der gesamten Weltumrundung. Aber das kann dauern. André Borschberg deutete dies im CNN-Interview an: «Wenn wir dieses Jahr nicht ans Ziel kommen, dann nächstes Jahr. Das steht fest.»

Fragt sich nur, ob sich dann noch jemand dafür interessiert.

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44 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Tom Garret
25.06.2015 11:53registriert July 2014
Ich finde Herr Blunschi geht hier zu Hart ins Gericht mit Piccard. Piccard ist ein Visionär, er macht Dinge die man eigentlich noch nicht machen kann. Eben halt den Versuch mit einem nur mit Solar betriebenen Flugzeug die Erde zu umrunden. Die Photovoltaik war noch vor nicht all zu langer Zeit völliger Schwachsinn (da die Herstellung mehr Energie benötigte als die Zellen danach zur Lebzeiten herstellten). Es gab hier also einen enormen Sprung und niemand weiss wie es in 10 Jahren aussieht. Ich finde wir brauchen mehr Visionäre die was wagen und weniger Kritiker die das dann schlecht reden...
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P hilip
25.06.2015 11:35registriert August 2014
Ohhh, Blunschi Sie müssen wohl alles schlecht machen. Zuerst die SRG und jetzt noch Solar Impuls.
Klar kann es sein, dass Solar Impuls es dieses Jahr nicht schafft. Aber ein Projekt mit Erfolgsgarantie gibt es nicht oder lohnt sich nicht.
Und überhaupt die Erdumrundung mit dem Ballon klappte auch erst mit dem dritten versuch.
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7immi
25.06.2015 14:22registriert April 2014
nun, in einigen punkten haben sie sicher recht, jedoch finde ich es vermessen, so schlecht über piccard herzuziehen. mit sponsoren und herzblut trieb er ein projekt voran, welches wohl die spitzenleistungen aller technologien vereint.
die erkenntnisse, die man aus diesem projekt mitnimmt, gehen weit über die möglichkeiten der solarenergie hinaus. u.a. wurden neue wege im strukturbau und in der regelungstechnik gegangen.
aus meiner sicht ist ihr bericht eher besserwisserisch und allwissend, als kritisch, und scheint die tragweiten dieses projektes nicht zu erfassen.
übrigens, herr blunschi, die maschine, auf der sie diesen artikel schrieben, wurde anfangs auch belächelt und als unnütz abgetan...
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