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Warum resistente Bakterien in der Schweiz auf dem Vormarsch sind – und was dagegen hilft



FILE - This illustration released by the Centers for Disease Control and Prevention shows a group of carbapenem-resistant Enterobacteriaceae bacteria. The image was based on scanning electron micrographic imagery. In 2016, for only the fourth time in its 70 year history, the United Nations is holding a special meeting devoted to a health issue: This time, on the rise of untreatable infections that is being propelled by the way we over-use and misuse drugs in both people and animals. (Melissa Brower/Centers for Disease Control and Prevention via AP)

Bild: AP/Centers for Disease Control and Prevention

Die Zahl von Infektionen mit resistenten Bakterien nimmt global wie auch in der Schweiz zu. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kämpft mit einer Kampagne dagegen an. Es vermeldet erste Erfolge. Trotzdem bleibt noch viel zu tun.

«Antibiotika sind ein grosser Segen», sagte Daniel Koch vom BAG am Freitag vor den Medien in Bern. «Dank ihnen konnten viele Krankheiten bei Mensch und Tier ausgemerzt werden.» Allerdings sei der korrekte Einsatz der Mittel das Wichtigste.

Denn Bakterien, die wegen eines übermässigen oder unsachgemässen Einsatzes von Antibiotika gegen ebendiese resistent sind, gehören zu den schwerwiegendsten Gesundheitsproblemen. Sie können nur noch schwer oder manchmal gar nicht mehr behandelt werden.

Der Bundesrat hat daher im Jahr 2016 die nationale Strategie Antibiotikaresistenzen (Star) gestartet. In diesem Rahmen laufen zahlreiche Massnahmen in der Human- und der Tiermedizin.

Mehr Erreger von Durchfallkrankheiten

Toilette mit Skelett

Bild: Shutterstock

Gemäss BAG sind erste Erfolge erzielt worden. So gehe im Humanbereich die Anwendung von Antibiotika in der Tendenz weiterhin zurück, insbesondere im ambulanten Bereich. Genaue Daten würden aber erst nächstes Jahr veröffentlicht, da dieser Bericht nur alle zwei Jahre durchgeführt werde.

Andererseits sind ambivalente Resultate erzielt worden. Gemäss den Trends gehen einige Erreger zurück, während andere - etwa bei den Erregern für Durchfallkrankheiten - weiterhin ansteigen würden. «Das ist der Grund, wieso das Thema weiterhin wichtig ist», sagte Koch.

Neu gibt es etwa Guidelines dafür, wann Antibiotika eingesetzt werden sollen, in welcher Dosierung und über welche Dauer. Auf einer Online-Plattform können sich Ärztinnen und Ärzte über die aktuellsten regionalen Resistenzdaten informieren.

Bessere Abwasserreinigung nötig

ZUR KLAERANLAGE WERDHOELZLI STELLEN WIR IHNEN HEUTE, DONNERSTAG, 20. SEPTEMBER 2017, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Biological treatment at the wastewater treatment plant Werdhoelzli in Zurich, Switzerland, on July 5, 2017, where ERZ Disposal and Recycling Zurich purifies the wastewater of the city of Zurich and the six adjoining communities Adliswil, Kilchberg, Opfikon, Ruemlang, Wallisellen and Zollikon in four stages: mechanically, biologically, chemically and through filtration. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Die biologische Reinigung, aufgenommen am 5. Juli 2017 im Klaerwerk Werdhoelzli in Zuerich, wo ERZ Entsorgung und Recycling Zuerich das Abwasser aus der Stadt Zuerich und den sechs Anschlussgemeinden Adliswil, Kilchberg, Opfikon, Ruemlang, Wallisellen und Zollikon vierfach reinigt: mechanisch, biologisch, chemisch und durch Filtration. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Bild: KEYSTONE

Problematisch bei den Antibiotika und antibiotikaresistenten Bakterien ist, dass sie durch Ausscheidungen von Mensch und Tier in die Umwelt gelangen. Rund die Hälfte der resistenten Bakterien gelangten über eine «menschliche Aktivität» in Seen und Flüsse, wie Michael Schärer vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) sagte.

Die Kläranlagen in der Schweiz halten gemäss Schärer zwar 99 Prozent der resistenten Bakterien zurück. Die Kanalisationen würden aber bei starkem Regen überlastet, wodurch ungefiltertes Wasser in die Gewässer gelange. Ob die Antibiotika bei den Bakterien in den Gewässern Resistenzen entwickeln, sei noch unklar.

Derzeit werden gemäss Bafu einige Abwasserreinigungsanlagen verbessert, so dass sie auch Mikroverunreinigungen, einschliesslich der resistenten Bakterien, aus dem Wasser entfernen können. Bis 2040 sollen rund 70 Prozent der Kläranlagen mit zusätzlichen Reinigungsstufen ausgerüstet sein. Dadurch wird gemäss Schärer der Eintrag von Antibiotika «sehr stark» reduziert werden.

«Meilenstein» im Veterinärwesen

Als «grosser Meilenstein» im Rahmen der Strategie gegen Antibiotikaresistenzen wurde die neue Datenbank bezeichnet, in welcher Tierärzte die Antibiotikaanwendungen erfassen. Bislang konnte anhand der verkauften Antibiotika noch keine Aussage darüber gemacht werden, wie diese angewendet werden.

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«Trotz des Mehraufwandes funktioniert das neue System gut», zeigte sich Dagmar Heim von Bundesamt für Veterinärwesen (BLV) zufrieden. Im Verlauf des nächsten Jahres könne man eine erste Auswertung vornehmen. Die Menge der verkauften Antibiotika ist gemäss den Unterlagen in den vergangenen zehn Jahre im Veterinärbereich um über die Hälfte reduziert worden.

Zudem sind gemäss Heim zahlreiche Werkzeuge für einen sachgemässen Umgang mit Antibiotika entwickelt worden. So gebe es etwa einen Impfleitfaden für Schweine. Ein solcher für Rinder und einer für Schafe und Ziegen ist in Erarbeitung respektive soll folgen. Zudem wurde ein Therapieleitfaden für Kleintiere - also auch Hunde und Katzen - für Tierärzte und Tierhalter erarbeitet.

Antibiotika sollen zurückgebracht werden

Bei Antibiotika ist nicht nur die korrekte Anwendung wichtig, sondern auch deren Entsorgung. Der Bund startet daher am Montag eine Rückgabeaktion. Die Schweizer Bevölkerung wird aufgerufen, nicht verwendete Antibiotika dorthin zurückzubringen, wo sie ausgegeben wurden. Die Kampagne wird mit TV-Spots, Plakaten, Online- und Screen-Werbung und Giveaways geführt.

Die Kampagne wird parallel zur World Antibiotic Awareness-Week gestartet. Dieser Event zeige, «dass es sich bei der Problematik der resistenten Antibiotika um ein globales Problem handelt, das noch lange nicht gelöst ist», sagte Daniel Koch. (aeg/sda)

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nuscheltier 17.11.2019 06:00
    Highlight Highlight Zum Thema Prophylaxe/Spitalhygiene könnte man auch vermert auf Kupferoberflächen in Spitälern setzen, z.b. Kupfertürfallen. Es gibt fast nichts das Bakterien besser tötet als Kupfer.
  • PurpleWasabi 16.11.2019 11:09
    Highlight Highlight Mir hat ein wirklich kluger Arzt gesagt, nach profilaktischer Darmspiegelung.
    "So, wir überschwemmen jetzt ihre Darmflora mit 15 versch. guten Bakterienstämmen. Wir bringen da wieder Leben hinein und nicht den Tod (Antibio ... tika)."
    Seither mache ich pro Jahr 3 Monate lang eine Probiotika-Kur. Seit 10 Jahren 1 x beim Arzt (Darmspiegelung profilaktisch). Nie Grippe und voller Energie. Kostet mich für die 3 Monate etwa 75 Euro - weil in der CH gib nur die Mimimimi-Version Bioflorin mit 2 Stämmen. Wegen der Pharma-Mafia darf man die Probiotika im Ausland bestellen. Lohnt sich auf alle Fälle!
  • Chrisbe 16.11.2019 08:11
    Highlight Highlight Schaut in die Niederlande und lernt von deren Erfahrungen, die haben das Problem weitestgehend in den Griff bekommen.
    • PurpleWasabi 16.11.2019 11:14
      Highlight Highlight Und das waren die Hauptpunkte:
      die Belieferung der Mastbetriebe von möglichst nur einem Ferkelerzeuger
      die Aufstallung im Rein-Raus-Verfahren
      sorgfältige Reinigung mit Desinfektion
      genügend Leerzeit vor dem Einstallen
      nicht zu kalte Ställe
      saubere Wasserquellen
      genügend Futter beim Einstallen
      eine einwandfreie Hygiene mit stalleigenen Kleidern, Stiefeln, Handwaschgelegenheiten usw.
  • Satan Claws 16.11.2019 00:44
    Highlight Highlight Es gibt einen Grund weshalb die Welt nicht von einem Schleimfilm bedeckt ist. Man nennt ubsere Rettung auch Phagen:

    Play Icon
  • dmark 15.11.2019 18:40
    Highlight Highlight Was Bakterien und auch Antibiotika nicht mag ist Alkohol und auch Salz. Vielleicht könnte man mit diesen Mitteln sowohl den Bakterien, als auch der Antibiotika in den Abwässern den Garaus machen?
    • Zauggovia 15.11.2019 18:57
      Highlight Highlight Bei meiner nächsten Entzündung trink ich einfach soviel Schnaps bis der Alkoholgehalt in meinem Blut 70% (Prozent, nicht Promille) beträgt, weil das tötet alle Bakterien.
    • Maya Eldorado 16.11.2019 11:08
      Highlight Highlight @Zauggovia
      Für Dich selbst könnte es aber auch zuviel werden.
    • PurpleWasabi 16.11.2019 11:17
      Highlight Highlight ... manchmal bringt schon ein Salzwasser-Bad etwas. Ohne Witz. Die Haut ist unser 2.wichtigstes Immun-Organ (nach dem Darm).
      1 Kg Salz = 1 Badewanne
      Kosten ca. CHF 1.--
    Weitere Antworten anzeigen
  • GraveDigger 15.11.2019 17:28
    Highlight Highlight Die besten Handys die Motorola gebaut hatten waren das Microtac und das Startac. Man konnte damit einfach telefonieren und mehr nicht.
    • Zauggovia 15.11.2019 18:48
      Highlight Highlight Stimmt, die waren so unzerstörbar, dass sie sogar alle antibiotikaresistenten Bakterien im Umkreis von 10m gekillt haben
    • GraveDigger 16.11.2019 10:26
      Highlight Highlight @Zauggovia
      Tücken der Technik.. Hätte wohl an ein anderes Ort hingehört..
    • PurpleWasabi 16.11.2019 11:19
      Highlight Highlight .... durch die Strahlungstechnik wurden die Benutzer dieser Handies von Bakterien geschützt.
      Man munkelt, sie werden weit über 100 Jahre alt.
      Also die Menschen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Satan Claws 15.11.2019 17:06
    Highlight Highlight Hier klingt es so, als ob Antibiotika der einzige Weg sind. Dies stimmt aber keineswegs.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bakteriophagen

    Play Icon


    • Zauggovia 16.11.2019 00:33
      Highlight Highlight Das Problem ist, dass Bakterien noch viel schneller gegen Phagen resistent werden, als gegen Antibiotika. Ein grossflächiger Einsatz der Phagentherapie, so wie Antibiotika verwendet wird, ist kaum möglich.
    • Satan Claws 16.11.2019 09:57
      Highlight Highlight @Zauggovia

      Das ist Unsinn. Bakterien verlieren oftmals durch die Mutation, also Phagenresistenz ihre Virulenz.
    • Zauggovia 16.11.2019 21:33
      Highlight Highlight @Satan: Öhm nein, kein Unsinn. Phagenresistenz durch CRISPR ist die Norm, ohne Verlust der Virulenz.
      https://www.nature.com/articles/s41586-019-1662-9
    Weitere Antworten anzeigen
  • GraveDigger 15.11.2019 16:51
    Highlight Highlight Teure Datenbanken und viel heisse Luft aus Bern, das aber durch die Hersteller von Antibiotika ganze Städte in Indien verseuchen ist ja egal. Hauptsache der eigenen Gesundheit geht es gut und dem eigenen Geldbeutel. Denn die Menschen die viele schwere Infekte aus diesen Ländern einschleppen sind langfristig wohl eher das grössere Problem und das weiss man auch ohne Datenbank
  • Rabbi Jussuf 15.11.2019 16:24
    Highlight Highlight Endlich wird etwas unternommen. Aber immer noch so zaghaft?
    Dabei kennt man das Problem schon seit mindest den 80er Jahren sehr gut.
  • Krise 15.11.2019 15:08
    Highlight Highlight Und trotzdem bekomme ich bei jeder Mittelohrentzündung Antibiotika, die gemäss Beipackzettel noch nicht mal dagegen eimgesetzt werden dürfen. 🤦‍♀️
    • Garp 15.11.2019 15:41
      Highlight Highlight Und Du hast noch nicht den Arzt gewechselt oder ihn darauf angesprochen?
    • Corpus Delicti 15.11.2019 16:15
      Highlight Highlight Dann empfehle ich Ihnen den Wechsel zu einem Arzt, der sich für den aktuellen Stand der Forschung interessiert. Breitbandantibiotika werden heute oft nur noch bei Kindern unter 6 Monaten sofort eingesetzt - aus bekannten Gründen.
    • AnnikKilledTheStage 15.11.2019 16:17
      Highlight Highlight Dann wechsel den Arzt ...
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