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Wasserzirkulation im Bodensee auch 2026 schwach: Forscher warnen

Forschungsschiff Kormoran der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, Quelle: LUBW
Ein Forschungsschiff untersucht die Wasserzirkulation auf dem Bodensee. Bild: LUBW

Dem Bodensee geht im «wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus»

Der Klimawandel macht dem grössten Trinkwasserspeicher Europas zu schaffen. Auch dieses Jahr war die Wasserzirkulation im Bodensee nur schwach ausgeprägt. Forscherinnen und Forscher warnen vor Konsequenzen.
13.04.2026, 10:4313.04.2026, 10:43

Der Bodensee ist der grösste Trinkwasserspeicher Europas. Mit einer Länge von rund 63 Kilometern und einer Breite von 14 Kilometern versorgt er rund 4,5 Millionen Menschen in Deutschland und der Schweiz mit frischem Trinkwasser.

Doch der Bodensee bekommt wortwörtlich keine Luft mehr. Seit Jahren ist die Durchmischung des Wassers im Winter nur schwach ausgeprägt – so auch in diesem Jahr. Dies schreibt die internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) in einer Mitteilung:

«Im Winter konnte der gesamte See nicht in ausreichendem Masse bis zur tiefsten Stelle zirkulieren.»
Harald Hetzenauer, Leiter des Instituts für Seenforschung, das zur Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg

Ökosystem auf Sauerstoff angewiesen

Für das Ökosystem wäre eine tiefreichende Zirkulation des Wassers von grosser Bedeutung, am besten bis zum Seegrund in 251 Meter Tiefe. Denn nur mit einer tiefreichenden Zirkulation gelangt der benötigte Sauerstoff in die tiefen Regionen des Sees.

Fische und Tiere, aber auch viele Mikroorganismen sind auf diesen Sauerstoff angewiesen. Mikroorganismen zum Beispiel sorgen dafür, dass auch in tiefen Regionen Tier- und Pflanzenreste abgebaut werden.

Seit den 1980er-Jahren mehren sich die Phasen mit mangelnder Zirkulation. Der Klimawandel sorgt dafür, dass sich der See im Frühjahr zeitiger erwärmt und im Herbst später abkühlt.

«So wird das Zeitfenster kleiner, in dem Sauerstoff durch die Zirkulation des Wasserkörpers im Winter bis in grosse Tiefe gelangen kann», heisst es in der Mitteilung der IGKB. Für eine ausreichende Wasserzirkulation bis in grosse Tiefen muss die Temperatur des gesamten Sees ungefähr gleich kalt sein. Das heisst: Nur wenn sich das Wasser bis in den ausgehenden Winter deutlich abgekühlt hat, kann das Wasser bis zum Grund zirkulieren und so für ausreichend Sauerstoff sorgen.

Forscher warnen

Forscherinnen und Forscher warnen vor den Konsequenzen. Immerhin: Noch ist die Sauerstoffversorgung stabil. So wurde am tiefsten Punkt des Sees Mitte Januar rund sechs Milligramm Sauerstoff pro Liter über Grund gemessen. Anfangs März stieg diese Zahl auf rund sieben Milligramm pro Liter. Doch das sei immer noch deutlich weniger als die 11,3 Milligramm pro Liter an der Wasseroberfläche.

Einzig in flacheren Gebieten hat sich der Bodensee ausreichend durchmischt. So wurde eine ausreichende Zirkulation etwa in der Bregenzer Bucht und im Überlinger See bis zum Grund gemessen (Tiefe von rund 150 Metern).

Harald Hetzenauer, Leiter des Instituts für Seenforschung, das zur Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) gehört, sagt deshalb:

Die letzte «wirklich gute Durchmischung» war gemäss IGKB im Spätwinter 2017/2018, aber auch erst nach einer 12-jährigen Durststrecke.

«Es stellt sich so die Frage, wie viele Jahre mangelnder Zirkulation in Folge der See tolerieren kann, bevor ihm im wahrsten Sinne des Wortes in der Tiefe die Luft ausgeht.»
Harald Hetzenauer
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Die beliebtesten Kommentare
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Bongalicius
13.04.2026 11:05registriert Januar 2016
Ab einem bestimmten Punkt, kommt man wohl nicht mehr um eine Seebelüftung herum, wenn man das Ökosystem bewaren möchte.
Hallwyler-, Baldegger- und Sempachersee haben ja aus anderen Gründen seit den 80ern eine.
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West9
13.04.2026 11:20registriert September 2023
Man könnte die Wärme als riesigen Wnergiespeicher Betracvten und so die ganze Region mit Wärme und Energie versorgen. warmes Wasser raus und paralel kälteres wasser wieder rein.. da vor allem im Winter viel geheizt wird etc. passt das wundefbar. Wärmepumpen und Wärmetauscver machen es möglich. Ich wohne am Thunersee und da werden ganze Hotels mit sehr Energieauwändigen Saunalandschaften auf diese weise geheizt. .. ich denke dass kö nte alles in viel grösserem Ausmass genutzt werden. Seen sind wärmespeicher! Nutzen wir sie! Die Technik ist vorhanden!
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matto715
13.04.2026 11:14registriert November 2025
Es ist schon interessant, dass alle Seen, die in erster Linie von Städten umgeben sind, offenbar sauberer sind, als diejenigen, welche mehrheitlich von landwirtschaftlich genutzten Flächen “umzingelt” sind. Vielleicht müsste man bei der komplett überbordenden Viehwirtschaft und der daraus resultierenden Jauche-Schwemme mal den Hebel ansetzen?!
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