Dem Bodensee geht im «wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus»
Der Bodensee ist der grösste Trinkwasserspeicher Europas. Mit einer Länge von rund 63 Kilometern und einer Breite von 14 Kilometern versorgt er rund 4,5 Millionen Menschen in Deutschland und der Schweiz mit frischem Trinkwasser.
Doch der Bodensee bekommt wortwörtlich keine Luft mehr. Seit Jahren ist die Durchmischung des Wassers im Winter nur schwach ausgeprägt – so auch in diesem Jahr. Dies schreibt die internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) in einer Mitteilung:
Ökosystem auf Sauerstoff angewiesen
Für das Ökosystem wäre eine tiefreichende Zirkulation des Wassers von grosser Bedeutung, am besten bis zum Seegrund in 251 Meter Tiefe. Denn nur mit einer tiefreichenden Zirkulation gelangt der benötigte Sauerstoff in die tiefen Regionen des Sees.
Fische und Tiere, aber auch viele Mikroorganismen sind auf diesen Sauerstoff angewiesen. Mikroorganismen zum Beispiel sorgen dafür, dass auch in tiefen Regionen Tier- und Pflanzenreste abgebaut werden.
Seit den 1980er-Jahren mehren sich die Phasen mit mangelnder Zirkulation. Der Klimawandel sorgt dafür, dass sich der See im Frühjahr zeitiger erwärmt und im Herbst später abkühlt.
«So wird das Zeitfenster kleiner, in dem Sauerstoff durch die Zirkulation des Wasserkörpers im Winter bis in grosse Tiefe gelangen kann», heisst es in der Mitteilung der IGKB. Für eine ausreichende Wasserzirkulation bis in grosse Tiefen muss die Temperatur des gesamten Sees ungefähr gleich kalt sein. Das heisst: Nur wenn sich das Wasser bis in den ausgehenden Winter deutlich abgekühlt hat, kann das Wasser bis zum Grund zirkulieren und so für ausreichend Sauerstoff sorgen.
Forscher warnen
Forscherinnen und Forscher warnen vor den Konsequenzen. Immerhin: Noch ist die Sauerstoffversorgung stabil. So wurde am tiefsten Punkt des Sees Mitte Januar rund sechs Milligramm Sauerstoff pro Liter über Grund gemessen. Anfangs März stieg diese Zahl auf rund sieben Milligramm pro Liter. Doch das sei immer noch deutlich weniger als die 11,3 Milligramm pro Liter an der Wasseroberfläche.
Einzig in flacheren Gebieten hat sich der Bodensee ausreichend durchmischt. So wurde eine ausreichende Zirkulation etwa in der Bregenzer Bucht und im Überlinger See bis zum Grund gemessen (Tiefe von rund 150 Metern).
Harald Hetzenauer, Leiter des Instituts für Seenforschung, das zur Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) gehört, sagt deshalb:
Die letzte «wirklich gute Durchmischung» war gemäss IGKB im Spätwinter 2017/2018, aber auch erst nach einer 12-jährigen Durststrecke.
