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Schweiz: Stromverbrauch in Rechenzentren dürfte weiter ansteigen

Datacenter Das Datacenter der Safehost SA in Rafz S¸d im Kanton Z¸rich. Rafz, Schweiz, 15.07.2023 *** Datacenter The data center of Safehost SA in Rafz South in the Canton of Zurich Rafz, Switzerland, ...
Rechenzentrum der Safehost SA in Rafz, im Norden des Kantons Zürich.Bild: IMAGO / dieBildmanufaktur

So stark soll der Stromverbrauch von Rechenzentren in der Schweiz ansteigen, aber...

Der Energieverbrauch wird laut einer neuen Studie des Bundes in den kommenden Jahren stark ansteigen. In kommerziellen Rechenzentren könnte er sich mehr als verdoppeln. Die Non-Profit-Organisation AlgorithmWatch CH weist allerdings auf einen Haken hin.
07.05.2026, 10:2807.05.2026, 20:13

Der Stromverbrauch der Schweizer Rechenzentren könnte gemäss dem maximalen Szenario bis 2030 auf 3,5 Terawattstunden (TWh) steigen, wie das Bundesamt für Energie (BFE) am Donnerstag mitteilte. Das entspräche rund sechs Prozent des 2024 in der Schweiz verbrauchten Stroms.

Gründe dafür seien die weiter voranschreitende Digitalisierung. Viele IT-Anwendungen führten zu einem stark wachsenden Datenvolumen. Weiter sei damit zu rechnen, dass sich grosse Cloud-Anbieter in der Schweiz niederliessen. Auch diese führten zu mehr Stromverbrauch.

Wer sind die Verbraucher?

2024 betrug der Stromverbrauch der Rechenzentren in der Schweiz 2,1 Terawattstunden (TWh), was knapp 4 Prozent des Gesamtverbrauchs ausmachte. Seit der letzten Erhebung im Jahr 2019 stieg der Verbrauch von Rechenzentren laut dem Bund um knapp zwanzig Prozent.

Dabei zeigen sich Unterschiede: Während der Verbrauch vieler unternehmensinterner Rechenzentren stagnierte, wurde bei den grossen kommerziellen Rechenzentren eine deutliche Zunahme verzeichnet. Das hänge damit zusammen, dass Unternehmen IT-Anwendungen vermehrt in die Cloud oder an spezialisierte Anbieter auslagerten.

Im Bericht wird unterschieden zwischen:

  • Sehr grosse Rechenzentren (Hyperscaler-Dienstleister), deren Kunden in der Regel sogenannte Hyperscaler seien, also Techkonzerne wie Microsoft, Amazon Web Service (AWS), Alphabet (Google), Meta, Apple, SAP, Oracle etc. Diese Unternehmen betreiben in der Schweiz keine eigenen Rechenzentren, sondern mieten sich ein.
  • Grosse und mittlere Colocation-Rechenzentren, bei denen die Betreiber ihren Kunden Räume, Infrastruktur (Stromversorgung, Kühlung) und Betriebssicherheit zur Verfügung stellen (Housing) oder Dienste anbieten (Hosting). Cloud-Anbieter bieten Cloud-Services (Rechenleistung und Speicherplatz), Softwareanwendungen (sog. Application Service provider, ASP) oder Internet-Hosting an.
  • Kleine Colocation-Rechenzentren und interne Rechenzentren, die von öffentlichen oder privaten Unternehmen selbst betrieben werden.

Und die gute Nachricht?

Der Bericht zur Studie geht von einem hohen Energieeffizienzpotenzial aus. Demnach könnten fast 38 Prozent des gesamten Stromverbrauchs von Rechenzentren in der Schweiz eingespart werden.

Einsparungen sind laut der Plattform Energie Schweiz des BFE unter anderem durch effizientere Kühlsysteme, höhere Betriebstemperaturen, Abwärmenutzung und den Einsatz energieeffizienter Hardware möglich.

Das BFE beabsichtigt gemäss der Mitteilung, den Verbrauch und die Effizienz von Rechenzentren in den nächsten Jahren verstärkt zu überwachen.

Welche Rolle spielt KI?

Einzig die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich betreibt gemäss Bericht am Swiss National Supercomputing Centre (CSCS) in Lugano einen KI-Supercomputer.

Unternehmen sowie Privatpersonen nutzten im Ausland vortrainierte KI-Modelle, die bekanntesten Anbieter sind OpenAI (ChatGPT), Google (Gemini) und Anthropic (Claude).

In der Schweiz gebe es noch keine KI-Rechenzentren, die auf das Trainieren von Large Language Models (LLM, grosse Sprachmodelle) ausgelegt seien. Solche spezialisierten Rechenzentren weisen eine Leistung von mehreren Hundert Megawatt auf. Die in der Schweiz gebauten grossen Rechenzentren dienen bisher vor allem Cloud-Anwendungen.

Was stört AlgorithmWatch CH an der Studie?

Die gemeinnützige Nichtregierungsorganisation kritisiert in einer Stellungnahme die unsichere Faktenlage. Denn die vor einem Jahr vorab veröffentlichte Angaben des Bundes hätten auf einen massiv höheren Verbrauch schliessen lassen. Deshalb sei es fraglich, ob daraus politische Entscheidungen zur Energieversorgung getroffen werden sollen.

Angela Müller, Geschäftsleiterin AlgorithmWatch CH:

«Der Bericht macht wertvolle Erhebungen, doch seine Ausführungen sowie die grosse Diskrepanz zu den vorab veröffentlichten Zahlen zeigen: Verlässliche Zahlen zum Stromverbrauch von Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz gibt es noch kaum, die Unsicherheit ist gross – und Transparenz wäre bitter nötig.

Als Grundlage für politische oder infrastrukturelle Entscheidungen sind die heutigen Annahmen schlicht zu wackelig. Anbieter müssen jetzt verpflichtet werden, ihren Energieverbrauch offenzulegen – sonst bleiben die Bevölkerung und die Politik weiter im Dunkeln.»

Im Bericht des Bundesamts für Energie selbst werde ausgeführt, dass die Unsicherheit gross sei, viele Anbieter die Angaben verweigerten und die Zahlen «auf einer auf Stichproben beruhenden Hochrechnung beruhen». Damit bestehe das Risiko, den Verbrauch zu unter- oder überschätzen.

Quellen

(dsc/hkl)

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quelle: getty images north america / justin sullivan
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Der Supercomputer der HSG
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