Wissen
Sport

9 Beispiele aus der Geschichte, in denen Teamwork Grosses vollbracht hat

9 Beispiele aus der Geschichte, in denen Teamwork Grosses vollbracht hat

20.04.2026, 10:5520.04.2026, 10:55

Menschen konkurrieren gegeneinander. Aber sie kooperieren auch miteinander. Und Teamwork von Menschen hat schon Grosses zustande gebracht – wie diese 9 Beispiele zeigen.

Anbauschlacht – Landesversorgung als Gemeinschaftsprojekt

Potatoes are planted on the Bundesplatz in Berne, Switzerland, during the "Anbauschlacht", the Swiss war-time farming approach, undated image. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Vor dem Bunde ...
Vor dem Bundeshaus in Bern werden Kartoffeln geerntet, die im Rahmen der schweizerischen Anbauschlacht während des Zweiten Weltkriegs dort angepflanzt worden sind.Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Jeder ungenutzte Flecken Erde sollte bebaut werden, auf dass die Schweiz sich im Krieg selbst versorgen konnte. Das war die Kernidee der sogenannten «Anbauschlacht», die mit der Parole «Trutz der Not durch Schweizerbrot» den Widerstandswillen der schweizerischen Bevölkerung zu wecken verstand. Den Plan ausgeheckt hatte Friedrich Traugott Wahlen, Professor für Landwirtschaft an der ETH Zürich und späterer Bundesrat.

Im Rahmen des obligatorischen Landdienstes waehrend des Zweiten Weltkriegs werden im Sommer 1940 Winterthurer Schuelerinnen bei der Heuernte in Kempthal eingesetzt. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)
Im Rahmen des obligatorischen Landdienstes während des Zweiten Weltkriegs werden im Sommer 1940 Winterthurer Schülerinnen zur Heuernte in Kempthal eingesetzt.Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Dafür wurden ab 1940 Fussballplätze, Parkanlagen, Gärten und brachliegendes Land zu Ackerland – mit Hilfe einer halben Million Menschen; Gartenbesitzer und Stadtgärtner, Bahnpersonal, Sport- und Frauenvereine, Schülerinnen und Hausfrauen, Industriearbeiter, Arbeitslose und Flüchtlinge, alle wurden bundesrätlich zum Anbau verpflichtet. Manche wurden aufgeboten, andere halfen freiwillig. Bäuerinnen und Landarbeiter bildeten aber nach wie vor den Kern der Produktion – und hatten die gesetzlich festgelegten Anbauquoten zu erfüllen: Vor allem mussten sie weg von grasbasierter Milch‑ und Viehwirtschaft, und hin zu möglichst viel Ackerbau: Man wollte direkte Kalorien für den Menschen.

Volunteers march to the countryside for an assignment during the "Anbauschlacht", the Swiss war-time farming approach, pictured on July 12, 1941. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str) 

Freiwilli ...
Freiwillige marschieren am 12. Juli 1941 für einen Einsatz im Rahmen der schweizerischen Anbauschlacht aufs Land.Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Dank dieses gemeinsamen Einsatzes konnten Kartoffeln, Gemüse und Obst während der Kriegsjahre weitgehend der Rationalisierung entzogen werden. Anders als Fleisch, Milch, Eier, Butter, Brot, Mehl, Zucker, Öl, Schokolade und Kaffee; diese Produkte mussten mit Lebensmittelmarken bezogen werden: Täglich 2160 Kalorien pro Kopf war die Rechnung, faktisch aber mussten viele Menschen über längere Zeit mit deutlich weniger auskommen. Auch das schlug sich neben der Produktionssteigerung wohl im gestiegenen Selbstversorgungsgrad nieder, der von 52 Prozent vor dem Krieg auf 59 Prozent kletterte. Importiert wurde weiterhin, besonders aus alliierten Überseegebieten.

Die Anbauschlacht erwies sich somit in erster Linie als Propagandaerfolg. Doch das gemeinsame Ziel förderte das Gefühl der Volksgemeinschaft und vereinte eine von Unsicherheiten über die Zukunft geplagten Bevölkerung im vaterländischen Kampf gegen den Hunger.

Ausrottung der Pocken – Experten und Laien besiegen gemeinsam die Seuche

Der vermutlich letzte Patient, der von endemischen Pockenviren infiziert wurde, lebte in Somalia: Ali Maow Maalim steckte sich 1977 mit dem gefährlichen Virus an und überlebte. An den Pocken, einer hochansteckenden Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen und einem schweren Hautausschlag, waren noch in den Sechzigerjahren weltweit jährlich zwei Millionen Menschen gestorben; zudem verursachten sie ein Drittel aller Erblindungen. Seit dem 8. Mai 1980 gelten sie offiziell als ausgerottet – nur zu wissenschaftlichen Zwecken existieren noch Viren in wenigen Laboren. Gegen Pocken wird nicht mehr geimpft; die Seuche ist besiegt.

20.05.2022, Baden-W�rttemberg, Stuttgart: Eine Narbe einer Pockenimpfung ist an einem Oberarm sichtbar. Die Pocken z�hlten lange zu den gef�hrlichsten Krankheiten �berhaupt f�r den Menschen. Impfstoff ...
Die Pockenimpfung hinterlässt eine charakteristische Narbe. Bild: DPA

Diesen Erfolg verdanken wir einem intensiven Massenimpfprogramm, das die Weltgesundheitsorganisation WHO 1967 beschlossen hatte. Zwar war die Pockenimpfung bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts als erste Impfung überhaupt entwickelt worden, doch erst die Herstellung von gefriergetrockneten, gegen die Tropenhitze stabilisierten Impfstoffen ermöglichte einen weltweiten Feldzug gegen das Variolavirus, den Erreger der Pocken. Die Pockenimpfung wurde zur Pflicht.

Eine Impfaktion gegen Pocken in einem Schulhaus in London, Grossbritannien, aufgenommen am 26. Januar 1962. (KEYSTONE/Str)
Impfaktion in einem Schulhaus in London, 1962.Bild: KEYSTONE

Unter der Führung des amerikanischen Arztes Donald A. Henderson wurde die «Ringimpfung» als geeignete Strategie erfolgreich eingesetzt: Ein Netz von angelernten Gesundheitshelfern und hochengagierten internationalen Experten überwachte engmaschig wichtige Kontrollpunkte, an denen Menschen zusammenkommen – etwa Märkte oder Rastplätze –, um lokale Ausbrüche schnell zu erkennen. Bei einem Ausbruch wurde dann der erste Überträger isoliert und alle Kontaktpersonen wurden geimpft. Damit gelang es, einen Durchimpfungsgrad von mehr als 95 Prozent zu erreichen und die Infektkette wirksam zu unterbrechen.

Wikipedia – dezentrales Autorenkollektiv sammelt Wissen

Am 15. Januar 2001 schlug die Geburtsstunde von Wikipedia: An diesem Tag wurde die englische Version der Online-Enzyklopädie aufgeschaltet. Aus dem Hobby-Projekt einer kleinen Community entwickelte sich eine Organisation, die exponentiell wuchs – allein die deutschsprachige Wikipedia zählt Stand Mitte April 2026 mehr als 3,1 Millionen Artikel. Das Gemeinschaftsprojekt des Unternehmers Jimmy Wales und des Philosophen Larry Sanger, ein Online-Lexikon als kostenlose Wissens-Ressource für jedermann zu erschaffen, war ein durchschlagender Erfolg.

Jimmy Wales, founder of Wikipedia, gestures during an interview with The Associated Press on the occasion of Wikipedia's 25th anniversary in London, Monday, Jan. 12, 2026. (AP Photo/Frank Augstei ...
Wikipedia-Gründer: Jimmy Wales und ...Bild: AP
ABD0099_20190509 - WIEN - �STERREICH: Wikipedia-Co-Founder Larry Sanger am Donnerstag, 09. Mai 2019, im Rahmen der Pioneers-Konferenz in Wien. Die heimische und europ�ische Start-up-Szene trifft sich  ...
... Larry Sanger.Bild: APA/APA

Ein wesentlicher Faktor für diesen Siegeszug war die dezentrale Organisation des Projekts, in dem sehr viele Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten via Internet als Team zusammenarbeiten, Inhalte gemeinsam verbessern und Fehler laufend korrigieren können. Sie können nicht nur ihre eigenen Einträge, sondern auch jene von anderen ergänzen und verbessern – allerdings geleitet durch klare Regeln. Das gemeinsame Resultat dieser offenen Mitarbeit könnte eine Einzelperson allein niemals erreichen.

epa08935994 A close-up image shows the front page of the Wikipedia online encyclopedia on a mobile computer, in Cologne, Germany, 13 January 2021. The online encyclopedia Wikipedia was launched on 15  ...
Mittlerweile sind auf der deutschen Version der Online-Enzyklopädie mehr als 3,1 Millionen Einträge zu finden. Bild: EPA

Das rasante Wachstum der Anfangsjahre hatte allerdings auch Schattenseiten: Störenfriede und Propagandisten entdeckten die erfolgreiche Online-Enzyklopädie und versuchten, sie für ihre Zwecke zu beeinflussen. Hatten Wales und Sanger am Anfang noch Grundsätze und Strukturen vorgegeben, ist es heute das Autorenkollektiv, das über die Organisation entscheidet. Zwischen den Autoren herrscht ein nie endender Diskussionsprozess über die Grundregeln des Projekts, der auf Diskussionsseiten, Mailinglisten und auch auf Nutzertreffen ausgetragen wird.

Rotes Kreuz – koordinierte humanitäre Hilfe

1860 publizierte der Genfer Geschäftsmann Henri Dunant sein Buch «Eine Erinnerung an Solferino», in dem er die Gräuel des Krieges eindringlich beschrieb und für eine bessere Versorgung und den neutralen Schutz für Verwundete in bewaffneten Konflikten warb. Drei Jahre später stellte er seine Ideen der «Gemeinnützigen Gesellschaft von Genf» vor, und in der Folge kam es zur Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) – der weltweit ersten humanitären Organisation.

The statue of Henry Dunant, the founder of the Red Cross the International Committee of the Red Cross (ICRC) headquarters is pictured, in Geneva, Switzerland, Friday, November 21, 2025. ICRC will have ...
Eine Büste des Rot-Kreuz-Gründers Henri Dunant in den IKRK-Büros in Genf.Bild: keystone

Heute ist das IKRK, das sich nahezu vollständig durch freiwillige Beiträge finanziert, mit knapp 18'000 Mitarbeitenden in über 100 Ländern aktiv. Die Organisation setzt laut eigenem Bekunden auf Zusammenarbeit, klare Rollen und gemeinsame Werte. Bei Einsätzen in Kriegs- und Katastrophengebieten arbeiten Freiwillige und Hauptamtliche eng zusammen, um Betroffene zu evakuieren oder zu versorgen. Das koordinierte Teamwork zwischen ehrenamtlichen Helfern, Mitarbeitern und lokalen Partnern und Behörden ist notwendig, um auch bei herausfordernden humanitären Notlagen effizient zu helfen.

Mondlandung – konzentrierte Zusammenarbeit im All

Es ist ein Meilenstein in der Geschichte der Menschheit: Am 20. Juli 1969 standen zum ersten Mal Menschen auf dem Mond. Neil Armstrong und als Zweiter Buzz Aldrin betraten unseren Trabanten, nachdem die Mondfähre «Eagle» auf der Ebene des Mare Tranquillitatis gelandet war, und Armstrong sprach die berühmten Worte: «Ein kleiner Schritt für einen Menschen – aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.» Die erste Mondlandung beendete den Wettlauf zum Mond zwischen den USA und der Sowjetunion – die USA hatten gewonnen.

FILE - In this July 20, 1969 photo made available by NASA, astronaut Buzz Aldrin Jr. poses for a photograph beside the U.S. flag on the moon during the Apollo 11 mission. The Television Academy, which ...
Buzz Aldrin posiert neben der US-Flagge auf dem Mond. Bild: AP NASA

Dieser Wettlauf hatte 1957 begonnen, als die Sowjets die Amerikaner mit dem Sputnik, dem ersten künstlichen Erdsatelliten, in einen veritablen Schock versetzten. Auch beim ersten Menschen im Weltall – Juri Gagarin im April 1961 – hatten die Sowjets die Nase vorn; Alan B. Shepard umrundete die Erde erst als Zweiter. Von diesen sowjetischen Erfolgen angestachelt, kündigte US-Präsident John F. Kennedy 1962 an, noch vor Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen.

IT-Expertin der NASA, Margaret Hamilton
Margaret Hamilton, die IT-Expertin der NASA, programmierte den Bordcomputer der Apollo-11-Mission. Bild: NASA

Dies gelang dank eines beispiellosen Efforts der amerikanischen Weltraumbehörde NASA. Die historische Mission von Apollo 11 ist ein Paradebeispiel für erfolgreiches Teamwork: Nur die konzentrierte Zusammenarbeit zwischen Astronauten, Bodenstation (Mission Control) und tausenden NASA-Ingenieuren brachte den Erfolg. Mehr als einmal drohte der Abbruch der Mission, etwa als der überlastete Computer Alarm schlug. Doch Computer-Experte Steve Bales gab grünes Licht. Zu Recht, denn die IT-Expertin Margaret Hamilton hatte die Software so clever programmiert, dass der Rechner wichtige Aufgaben priorisierte und unwichtige zurückstellte. Danach musste Armstrong als Pilot der Mondfähre blitzschnell entscheiden, ob er einen anderen Landeplatz suchen sollte, als sich der geplante Platz als ungeeignet erwies. Armstrong gab nicht auf – der Rest ist Geschichte.

Ford vs. Ferrari – ein Team schafft das Unmögliche

Zu Beginn der Sechzigerjahre suchte die Ford Motor Company nach Möglichkeiten, sich motorsportlich aufzustellen und einen Rennstall zu übernehmen. Patron Henry Ford II. streckte seine Fühler aus, um den italienischen Sportwagen-Hersteller Ferrari zu übernehmen. Die Gespräche waren schon weit fortgeschritten, als sie im Streit endeten, denn «Il Commendatore», Enzo Ferrari, wollte die zukünftige Rennabteilung leiten, was wiederum die Amerikaner nicht schlucken wollten.

Henry Ford II, 24 Hours of Le Mans, Le Mans, 06 November 1967. Henry Ford II during the 1967 24 Hours of Le Mans. (Photo by Bernard Cahier/Getty Images)
Henry Ford II. Bild: Hulton Archive

Henry Ford II. kochte vor Wut und beschloss, Ferrari in Le Mans herauszufordern. Das 24-Stunden-Rennen dort galt als Mass aller Dinge im Autorennsport. Ford butterte Millionen in die Entwicklung eines Sportwagens, der in der Lage sein sollte, die Ferrari-Dominanz in Le Mans zu brechen, die seit 1960 bestand. Nach einem gescheiterten Prototyp kam Ford 1964 mit dem GT40 unter der Regie des britischen Le-Mans-Experten John Wyer. Doch der Einsatz der drei GT40 endete in einem Desaster – Ferrari gewann erneut. Ford feuerte Wyer und heuerte Carroll Shelby an.

Texas driver Carroll Shelby enjoys swig of champagne after combining with British veteran Roy Salvadori to win the 24-Hour Endurance Auto Classic at Le Mans, France, on June 21, 1959. Dressing up the  ...
Carroll Shelby nach seinem Sieg in Le Mans, 1959. Bild: AP NY

Shelby, ein ehemaliger Hühnerfarmer aus Texas, betrieb einen der erfolgreichsten Rennställe der USA und hatte Le Mans schon mal gewonnen, 1959. Zusammen mit seinem besten Testfahrer, dem Engländer Ken Miles, verbesserte er Bremsen, Federung, Aerodynamik und Motor. Vor allem aber gelang es dem Team, die gefährliche Instabilität bei hohen Geschwindigkeiten in den Griff zu bekommen, die dem GT40 so zugesetzt hatte. Im legendären Rennen von 1966 zahlte sich das aus: Ford zwang Ferrari ein solch hohes Tempo auf, dass die Technik der italienischen Autos kollabierte; ein Ferrari nach dem anderen fiel aus – Ford gewann mit einem Dreifacherfolg.

Ford v Ferrari – das echte Rennen 1966

1 / 9
Ford v Ferrari – das echte Rennen 1966
Die Startaufstellung 1966: Ken Miles und Denny Hulme in der Nr.1, Bruce McLarenund Chris Amon in der Nr. 2.
quelle: hulton archive / bernard cahier
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Hier die dramatische Story in ganzer Länge:

Bletchley Park – Sammelbecken für besondere Talente

Der britische Militärgeheimdienst hatte aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs gelernt, dass Menschen, die in der Lage sind, Codes zu knacken, selten sind und sich zudem in einem militärischen Umfeld oft nicht entfalten können. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs konzentrierten die Briten daher die Codeknacker – darunter Schachspieler, Bridge-Experten und herausragende Mathematiker wie Alan Turing – in der «Government Code and Cipher School» (GC&CS) im Anwesen Bletchley Park in der unscheinbaren Stadt Bletchley in Buckinghamshire. In diesem Sammelbecken für besondere Talente galten militärische Hierarchien wenig und das Salutieren wurde abgeschafft.

Bletchley Park war die Zentrale der britischen Codeknacker und ist heute ein Museum.
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56815741
Bletchley Park, im Zweiten Weltkrieg die Zentrale der britischen Codeknacker, ist heute ein Museum.Bild: Wikimedia/DeFacto

Die Hauptaufgabe des Codeknacker-Teams bestand darin, den Code der deutschen Rotor-Chiffriermaschine Enigma zu knacken. Sie konnte zu diesem Zweck auf die Vorarbeit polnischer Codeknacker zurückgreifen, die den Enigma-Code bereits seit 1932 dechiffrieren konnten – wobei sie jedoch jedes Mal neu anfangen mussten, wenn die Deutschen die Nachrichten-Schlüsselindikatoren änderten. Dem Codeknacker-Team in Bletchley Park, darunter übrigens nicht wenige Frauen, gelang es nun, auch dank der Unterstützung durch den Röhren-Computer «Colossus», die verschlüsselten deutschen Funksprüche nahezu kontinuierlich zu entziffern. Dies war militärisch von unschätzbarem Wert, da die Alliierten von da an meist über die deutschen Absichten informiert waren.

A Nazi Enigma encryption machine is displayed at the World War II Museum in Natick, Mass., Wednesday, Feb. 18, 2015. In the Oscar-nominated film "The Imitation Game," Benedict Cumberbatch le ...
Eine deutsche Enigma-Chiffriermaschine. Bild: AP/AP

Alinghi – Triumph der Multikulti-Truppe

Ausgerechnet das Binnenland Schweiz gewann 2003 den ältesten und prestigeträchtigsten Sportanlass der Welt, die Segelregatta America's Cup. Gegen das «Team New Zealand», den haushohen Favoriten und Titelverteidiger aus dem Gastgeberland, rekrutierte der Alinghi-Gründer und -Besitzer Ernesto Bertarelli, ein italienisch-stämmiger Milliardär aus Genf, hochkarätige Skipper aus 15 verschiedenen Nationen, darunter die Neuseeländer Russell Coutts – Steuermann und America's-Cup-Gewinner 1995 und 2000 – sowie den Taktiker Brad Butterworth.

Alinghi crew prepare to hoist their spinnaker while making the turn at the mark during day four of the MOET Cup race against Oracle BMW racing on Thursday, 18 September 2003 in San Francisco, Californ ...
Die Crew des Segelboots Alinghi holte die silberne Trophäe erstmals in der 152-jährigen Geschichte des renommierten Cups in ein Binnenland.Bild: EPA

Dieses kompetente, aber zusammengewürfelte Team verwendete als gemeinsame Sprache auf dem Boot Englisch. Einige der Skipper verfügten jedoch nicht über genügend gute Kenntnisse dieser Sprache, um sich auch über Nebensächliches zu unterhalten. So lag der Fokus der internen Gespräche auf dem Wesentlichen – dem sportlichen Ziel. Und tatsächlich deklassierte das Alinghi-Team auf dem Weg in den Final alle konkurrierenden Teams – und im eigentlichen America's Cup dann auch das Team New Zealand. Die Best-of-nine-Serie gewann die Schweizer Jacht mit 5:0, auch wegen Materialpech der Neuseeländer.

Miracle on Ice – ein Team von Nobodys besiegt die Superstars

Die Sbornaja, die sowjetische Eishockey-Mannschaft, galt als unbezwingbar. Sie bestand aus sogenannten Staatsamateuren, also aus vom Staat bezahlten Profis, die aber offiziell als Amateure deklariert waren. Trainer Wiktor Tichonow konnte aus dem Vollen schöpfen und verfügte vorne über den legendären «Wundersturm» mit Boris Michailow, Waleri Charlamow und Wladimir Petrow, ergänzt mit den aufstrebenden Supertalenten Sergej Macharow und Wladimir Krutow. Und hinten über den wohl besten Goalie der Hockey-Geschichte, Wladislaw Tretjak. Ganz anders der Gegner der sowjetischen Mannschaft an diesem 22. Februar 1980: Trainer Herb Brooks trat mit einer US-Truppe von namenlosen College-Spielern an.

1980 Olympic Winter games, Winterspiele,Spiele, Summer games USA Ice hockey, Eishockey Goalie Vladislav Tretiak URS defends against Steve Christoff of Team USA in the Men s Ice Hockey semi-final at th ...
Goalie Wladislaw Tretjak gegen US-Stürmer Steve Christoff.Bild: www.imago-images.de

Und gewann. Die amerikanischen Nobodys kegelten die sowjetischen Superstars im heimischen Lake Placid mit 4:3 aus dem olympischen Halbfinal – ein unerwarteter Erfolg, der als «Miracle On Ice» in die Sportgeschichte einging. Grossen Anteil am Sieg der amerikanischen Underdogs hatte Goalie Jim Craig, der unzählige Schüsse parierte. Sbornaja-Trainer Tichonow hingegen beging einen Fehler, als er Goalie Tretjak auswechselte.

In this Feb. 22, 1980, file photo, the U.S. hockey team pounces on goalie Jim Craig after a 4-3 victory against the Soviets in the 1980 Olympics in Lake Placid, N.Y. If the NHL doesn��™t se ...
Das US-Team jubelt. Bild: AP

Die Sowjets nahmen ihre Niederlage sportlich. Ohnehin war es ein ausgesprochen fairer Match mit nur je dreimal zwei Strafminuten – was keineswegs selbstverständlich war, denn die Begegnung in Lake Placid fand in einem angespannten aussenpolitischen Kontext statt: Im Dezember 1979 waren sowjetische Truppen in Afghanistan einmarschiert, was im Westen zu massiver Verärgerung führte. Die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau wurden denn auch von mehreren westlichen Staaten boykottiert.

(rof/hub)

So geht Teamwork: Baseball-Fans retten verlorenen Hut

Video: srf/Roberto Krone
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Bilder, die zeigen, wie wichtig Teamwork ist
1 / 25
Bilder, die zeigen, wie wichtig Teamwork ist
Gemeinsam für längere Schulpausen.
quelle: imgur
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Teamkameraden tragen todkranken Ex-Rugbyprofi über Ziellinie
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
3 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
3
Patrizia Laeri: «Ohne meine Kinder wäre ich wohl komplett abgestürzt»
Vor drei Jahren änderte sich das Leben von Patrizia Laeri urplötzlich: Ihr Partner erkrankte unheilbar an Krebs und verstarb wenige Monate später. So bewältigte sie die Trauer und schöpfte neuen Lebensmut.
Jahrelang erklärte Patrizia Laeri der Schweiz die Welt der Börse und brachte mit ihren Interviews Konzernchefs zum Schwitzen. Berühmt-berüchtigt ist eines ihrer Interviews aus dem Jahr 2009, als sie den damaligen UBS-Präsidenten Peter Kurer vor der Kamera zu Riesen-Salären trotz Milliarden-Verlusten löcherte.
Zur Story