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Wikipedia wird 25: Wie ein Experiment das Wissen der Welt veränderte

7,5 bis 9 Millionen Menschen haben 2025 täglich die deutschsprachige Wikipedia-Ausgabe gelesen.
7,5 bis 9 Millionen Menschen haben 2025 täglich die deutschsprachige Wikipedia-Ausgabe gelesen.Bild: Shutterstock

Wikipedia wird 25 – einst revolutionär, vielleicht bald obsolet

Das Wissen der gesamten Menschheit sammeln – als Wikipedia im Jahr 2001 online ging, wirkte das Ziel kühn. Zunächst als unzuverlässig gebrandmarkt, hat sich die frei zugängliche Enzyklopädie aber schnell etabliert. Doch zum 25-jährigen Jubiläum wartet eine neue Herausforderung.
15.01.2026, 09:4215.01.2026, 15:51

Heute vor genau 25 Jahren begann eine der bemerkenswertesten Erfolgsgeschichten des digitalen Zeitalters: Wikipedia ging online. Zunächst nur ein kleines Projekt zweier Internet-Pioniere, doch innerhalb weniger Jahre entwickelte es sich zur grössten frei zugänglichen Enzyklopädie der Welt.

In einer Zeit, als das Internet noch von statischen Webseiten und klassischen Online-Lexika dominiert wurde, war Wikipedia ein radikaler Bruch mit dem Gewohnten: Jeder Mensch, unabhängig von Qualifikation oder Herkunft, konnte nicht nur lesen, sondern auch schreiben, bearbeiten und korrigieren – direkt im Browser. Die Vision war einfach und zugleich revolutionär: Wissen sollte offen, kostenlos und kollaborativ entstehen.

So sah Wikipedia im Jahr 2001 aus:

Bild
bild: web.archive.org

Was als Experiment begann, übertraf schnell alle Erwartungen: Heute umfasst Wikipedia über 65 Millionen Artikel in mehr als 300 Sprachen – von global bedeutenden Themen bis zu lokalen Besonderheiten. Allein die deutschsprachige Ausgabe zählt mehr als drei Millionen Einträge. Seit 2004 wächst diese fast linear mit durchschnittlich 350 bis 400 neuen Artikeln pro Tag. Dieses Wachstum beruht vor allem auf der Schwarmintelligenz von rund 250'000 Freiwilligen, die unentgeltlich Artikel verfassen, überarbeiten und mit Belegen versehen.

Doch hinter dieser beeindruckenden Bilanz steckt mehr als nur Masse. Wikipedia hat die Art und Weise verändert, wie wir Wissen konsumieren und schaffen. Sie ebnete den Weg für das «Web 2.0», in dem Nutzer selbst zu Produzenten von Inhalten wurden – weg vom passiven Konsum, hin zur aktiven Teilhabe.

Trotz dieses Welterfolgs steht Wikipedia nicht unbehelligt da. Seit ihren Anfängen wird die Enzyklopädie immer wieder kritisch hinterfragt, sei es wegen inhaltlicher Fehler, Edit-Krieg-Phänomenen oder politisch gefärbter Darstellung. Schon früh warnten Beobachter davor, dass die offene Bearbeitbarkeit Nachteile haben könnte – Artikel könnten unzuverlässig oder einseitig werden, argumentieren Kritiker.

Auch die akademische Welt äusserte jahrzehntelang Vorbehalte: Viele Bildungseinrichtungen akzeptieren Wikipedia nicht als zitierfähige Quelle, weil die Autorenschaft anonym oder nicht ausgewiesen sei.

Einige kritische Wikipedia-Quotes

«Wäre es nicht toll, wenn die Population der Afrikanischen Elefanten wachsen würde? Kein Problem. Schreib es in Wikipedia, und es wird wahr.»
Komiker Stephen Colbert (2006)
«Wer Wikipedia besucht, um etwas über ein Thema zu lernen, befindet sich in etwa in der Lage eines Besuchers einer öffentlichen Toilette. Sie kann sauber sein – aber man kann sich nicht darauf verlassen.»
Autor Robert McHenry (2004)
«Die Autorität von Wikipedia beruht nicht auf Fachwissen, sondern auf Konsens.»
Wirtschaftsjournalist Nicholas Carr (2006)

Ein weiteres zentrales Thema ist der Nachwuchs bei der Autorenschaft: Es wird zunehmend schwieriger, neue und vor allem junge ehrenamtliche Wikipedianer für das Projekt zu begeistern. Viele der aktiven Bearbeitenden sind bereits länger im Netzwerk, aber der Zustrom neuer Köpfe stagniert – ein Indikator dafür, dass die Wikipedia-Gemeinschaft in die nächste Generation hineinwachsen muss.

KI – eine neue Bedrohung

Im Jubiläumsjahr 2026 zeigt sich zudem eine neue Herausforderung: die Konkurrenz durch künstliche Intelligenz. Systeme wie ChatGPT oder neue KI-basierte Informationsdienste greifen massiv auf frei verfügbare Inhalte zu, darunter auch Wikipedia-Texte, und präsentieren Antworten ohne direkte Quellenangabe. In manchen Fällen entstehen so Wissensangebote, die dem Original Konkurrenz machen – oder sogar Falschinformationen verbreiten.

Erst KI, dann Wikipedia: Die Google-Ergebnisse auf die Frage «Wie gross wird ein Afrikanischer Elefant?».
Erst KI, dann Wikipedia: Die Google-Ergebnisse auf die Frage «Wie gross wird ein Afrikanischer Elefant?».bild: screenshot google

Wikipedia selbst hat klargemacht, dass KI-Tools keine Artikel schreiben sollten, sondern nur unterstützend, etwa bei der Erkennung von Vandalismus, eingesetzt werden sollen. Für die treue Community ist ohnehin klar: Wissen soll menschlich bleiben – die Sorgfalt und Verantwortlichkeit beim Aufbau von Wissen können nicht einfach von Algorithmen übernommen werden.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt Wikipedia eines der revolutionärsten Projekte des Internets – ein globales Erbe, das den Geist der frühen Netz-Idealisten bewahrt hat: Offenheit, Zusammenarbeit und geteiltes Wissen. Diese Prinzipien unterscheiden Wikipedia bis heute von kommerziellen Plattformen und algorithmisch gesteuerten Diensten.

Für viele bleibt die Enzyklopädie deshalb ein Ort, an dem der Austausch von Wissen nicht nur möglich, sondern lebendig, kritisch und selbstbestimmt ist – ein Denkmal der heutigen digitalen Zivilisation, das zugleich eine grosse Herausforderung und Aufgabe für kommende Generationen darstellt.

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