«Wir werden den Mond nie wieder aufgeben» – Nasa gibt Pläne für Mondbasis bekannt
Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa gab am Dienstag ihren Fahrplan zum Errichten einer permanenten Mondbasis auf der Südseite des Mondes bekannt. Noch vor dem Ende der Amtszeit von Präsident Trump 2029 sollen US-amerikanische Astronauten und Astronautinnen wieder auf dem Mond landen, um mit den Arbeiten zum Aufbau einer Basis zu beginnen.
«Wir werden zurückkehren, eine Basis aufbauen und den Mond nie wieder aufgeben», sagte Nasa-Chef Jared Isaacman in einer Pressekonferenz zu der Bekanntgabe der Pläne in Washington D. C. Die Menschen würden heute wieder in den Himmel schauen und sich ein Leben im All ausmalen – dieses Mal fliege die NASA jedoch mit der Absicht hoch, zu bleiben, so der 43-jährige Isaacman.
Das ambitionierte Projekt umfasst einen 3-Stufen-Plan, der im Jahr 2032 darin münden soll, dass Astronautinnen und Astronauten dauerhaft auf dem Mond leben und arbeiten können. In der ersten Projektphase bis 2029 gehe es gemäss der Weltraumbehörde darum, die Oberfläche weiter zu erforschen und Mondgeländefahrzeuge sowie Messgeräte und weiteres Equipment auf den Erdtrabanten zu befördern.
Ab 2027 «beinahe monatliche» Mondlandungen
Rund vier Tonnen Material will die Nasa bis 2029 auf den Mond hieven, dafür sind rund 25 Raketenstarts und 21 Mondlandungen mit und ohne Besatzung geplant. Insgesamt sollen bis zu 150 Tonnen Material bis zum Erreichen der dritten Phase den Südpol des Mondes erreichen. In einem Interview mit dem US-amerikanischen Nachrichtensender NBC News spricht Jared Isaacman von «beinahe monatlichen Landungen» ab dem Jahr 2027.
Kosten soll die ganze Mission rund 20 Milliarden US-Dollar über die nächsten sieben Jahre des Projekts hinweg. Diese Kosten könnten jedoch auch höher ausfallen, so spricht Bloomberg mit Verweis auf den Direktor des Mondbasisprogramms von bis zu 30 Milliarden Dollar verteilt über die nächsten zehn Jahre.
So kündet die NASA ihre Mondbasis auf Youtube an:
Gemäss dem Fahrplan der Nasa tritt ab 2029 die zweite Phase in Kraft, in der modulare Solar- und Kernkraftsysteme installiert sowie ein funktionierendes Kommunikationssystem auf der Mondoberfläche aufgebaut werden sollen. Als dritte Phase folgt dann der Aufbau der Infrastruktur, in welcher in Zukunft die Astronautinnen und Astronauten untergebracht werden sollen.
USA träumen vom Aufbau einer neuen «Mond-Wirtschaft»
Für den Ausbau und Unterhalt der Mondbasis sollen ab 2032 auch mondeigene Ressourcen genutzt werden können. Der Abbau dieser Ressourcen ist nebst der Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie der Vorbereitung einer künftigen Mars-Mission ein Hauptantrieb des gesamten Unterfangens. So spricht der Nasa-Vorsitzende Jared Isaacman an der gestrigen Pressekonferenz von einer sich entwickelnden «lunar economy» und sieht die geplante Mondbasis als eine erste von vielen solcher «Mond-Aussenposten» die noch folgen sollen.
In der Fragerunde lässt er gegenüber Journalistinnen und Journalisten verlauten, dass er nicht daran glaube, dass Lebensräume im Weltall wie wir sie uns als Kinder in Science-Fiction-Büchern vorgestellt hätten, durch die Gelder von Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern zu realisieren sind. Um diese Welten zu verwirklichen und zu finanzieren, seien daher die freiwerdenden Ressourcen aus dieser «Lunar Economy» zentral.
Im Zuge der Pressekonferenz gab die Nasa ebenfalls bekannt, dass sie für die ersten beiden Mondlandemissionen ohne Besatzung auf eine Frachtlandefähre des Unternehmens Blue Origin des Multimilliardärs Jeff Bezos setzen werden. Mit der Vergabe des Auftrags im Wert von rund 230 Millionen Dollar pro Landemission erteilte die Raumfahrtbehörde der Firma SpaceX und ihrem noch reicheren Besitzer Elon Musk eine Absage. Welches Unternehmen für die geplanten Mondlandungen mit Besatzung den Zuschlag erhält, liess die NASA noch offen.
Wettrennen mit China um die erste Mondbasis
Der enge Zeitplan, den sich die Raumfahrtbehörde für die Mondbasis-Mission nun selbst auferlegt hat, entstand wohl auch unter dem Druck, dem Konkurrenten China zuvorzukommen. So habe China sein Raumfahrtprogramm Cheng'e ausgebaut und habe angekündigt, vor 2030 noch Astronautinnen und Astronauten auf den Mond zu befördern. Auch China möchte dort eine Mondbasis errichten, gemäss dem Wirtschaftsmagazin «Forbes» bis zum Jahre 2035.
Gegenüber der BBC zeigte sich der Mondforscher Dr. Simeon Barber der Open University kritisch bezüglich den US-Plänen: «Mir scheint, die Nasa sieht sich gezwungen, ihre Pläne offenzulegen. Ich denke dass da viel politischer Druck dahintersteckt». Laut dem englischen Nachrichtensender würden diverse Experten an dem nun vorgestellten Zeitplan der Raumfahrtbehörde zweifeln und diesen als unrealistisch erachten. (jul)
