«Surreal, was hier passiert»: FCSG-Verwaltungsrat Würth spricht von einem Vertrauensbruch
Noch vor zwei Tagen freute sich der FC St.Gallen über den Cupsieg und den ersten Titel seit über zwanzig Jahren. Seither kommt es in der Ostschweiz aber zu einem grossen Machtkampf. Die bisherigen Verwaltungsräte Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer und Benedikt Würth werden am 30. Juni aus der Klubführung ausscheiden.
Würth, welcher auch St.Galler Mitte-Ständerat ist, erklärte jetzt gegenüber dem Tagblatt, warum er sich dazu entschieden hat. Bereits im März seien Gründler und Würth informiert worden, dass sie nicht mehr erwünscht seien. Bis heute würden sie die Gründe dafür nicht kennen. «An der wirtschaftlichen und sportlichen Performance kann es nicht liegen – wir haben die gesetzten Eignerziele übererfüllt. Daraufhin haben vier Verwaltungsräte entschieden (als einziger bleibt Patrick Thoma, Anm.d.Red.), ihr Amt per Ende Juni zur Verfügung zu stellen», erklärt Würth sein Vorgehen. Für die vier Verwaltungsräte handelte es sich um einen brüsken Vertrauensentzug.
Der 58-Jährige wäre gerne beim FCSG geblieben, aber nur, wenn eine solide Vertrauensbasis und klare Regeln zwischen dem Aktionariat und dem Verwaltungsrat geherrscht hätten. «Was hier jetzt passiert, ist surreal, es ist schlicht unglaublich. Ich habe viel Erfahrung mit Arbeit in Verwaltungsräten. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt»,sagt der Mitte-Politiker.
Mittlerweile gibt es auch einige Gerüchte, dass es beim FCSG zu einem SVP-Putsch kommen könnte. So soll der ehemalige SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker der neue Präsident bei den St.Gallern werden und somit Matthias Hüppi beerben.
Für Würth ist aber klar, dass die Politik beim frischgebackenen Cupsieger keine Rolle spielen darf: «Es war mir und dem aktuellen Verwaltungsrat immer sehr wichtig, dass wir für alle Menschen da sind, egal, was sie denken. Im Stadion zählt nur Grün-Weiss, die Politik muss draussen bleiben. Dafür stehen wir ein.»
Würth weiss auch nicht, wie es rund um den FC St.Gallen weitergehen wird, er selbst sieht keine Zukunft mehr beim Verein. «Mein grün-weisses Herz will weiterkämpfen, aber mein Verstand sagt mir auch, wie die realen Machtverhältnisse liegen», antwortet der Politiker auf die Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, dass er weitermachen wird. (riz)
