Zentralschweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Seelsorger in Luzerner Gefängnis wollte Gefangener an die Wäsche – verurteilt



Wegen mehrfacher Begünstigung und versuchten sexuellen Handlungen mit einer Gefangenen wird ein Seelsorger der Luzerner Haftanstalt Grosshof in Kriens mit einer bedingten Geldstrafe belegt. Das Urteil ist rechtskräftig, der Mann vom kirchlichen Dienst freigestellt.

Der 64-jährige wurde nach Hinweisen am 31. August festgenommen und sass 19 Tage in Untersuchungshaft, wie Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, auf Anfrage sagte. Er bestätigte Medienberichte, wonach der Mann zwischen 2012 und 2017 Botschaften zwischen Gefangenen im Gefängnis Grosshof ausgetauscht habe.

Zudem versuchte der katholische Seelsorger eine Insassin zu sexuellen Handlungen zu drängen. Laut Strafbefehl verlangte er sexuelle Gegenleistungen dafür, dass er eine Busse für sie bezahlte.

Der Mann wurde zu einer bedingten Strafe von 150 Tagessätzen à 140 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren, einer Busse von 4000 Franken und der Übernahme der Verfahrenskosten von 6560 Franken verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig, da der Verurteilte keine Einsprache erhoben hat.

Gefängnis überrascht

Es sei weder vom Gefängnis noch von der betroffenen Insassin eine Anzeige gegen den Seelsorger eingegangen, sagte Gino Lohri von der Dienststelle für Militär, Zivilschutz und Justizvollzug. Man habe von der Polizei von der Festnahme des Mannes erfahren. Lohri spricht von einem grossen Vertrauensmissbrauch.

Die Seelsorger – ein katholischer, ein reformierter und ein Imam – könnten im Gefängnis frei verkehren. Als Massnahme werde nun das Sicherheitskonzept überprüft und allenfalls angepasst. Zudem gäbe es keine Einzelgespräche mehr zwischen weiblichen Gefangenen und den Seelsorgern. Inwiefern sich auch Insassen strafbar gemacht hätten, sei Gegenstand der Ermittlungen.

Per sofort freigestellt

Der Kanton beendete das Arbeitsverhältnis mit dem Diakon, der in einem 15-Prozent-Pensum angestellt war, anfangs dieser Woche nach Erhalt des rechtskräftigen Strafbefehls fristlos. Das Bistum hatte dem Mann 2012 die Missio für seinen Auftrag im Grosshof vergeben. Der Verurteilte, der auch in einer Luzerner Gemeinde tätig war, wurde als Sofortmassnahme von jeglicher kirchlichen Tätigkeit freigestellt, wie ein Bistumssprecher auf Anfrage sagte.

Der Diakon wird nun von Felix Gmür, Bischof von Basel, angehört, der sodann über die definitiven Sanktionen entscheidet. Laut dem Sprecher ist kein anderer Fall bekannt, bei dem ein katholischer Seelsorger in einem Gefängnis delinquiert habe. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Wenn die Einwohnerzahl die Kantone definieren würde

Neuste Zahlen zeigen: In der Schweiz leben rund 8,54 Millionen Menschen verteilt auf 26 Kantone. Was, wenn in jedem Kanton gleich viele Menschen leben würden? Die Schweiz wäre eine andere.

Treue watson-Leser erinnern sich: Schon im letzten Jahr spielten wir mit den Schweizer Kantonen herum. Wir teilten sie nach Nähe zum Kantonshauptort auf (gemessen an der Luftlinie und Reisedauer) und definierten danach 20 Kantone mit den jeweils grössten Schweizer Städten.

Unser neuestes Experiment dreht sich um die Einwohnerzahl: Was, wenn jeder Kanton gleich viele Einwohner hat? Wir verteilen die 8,54 Millionen Menschen also gleichmässig auf die Kantone. Bei 26 Kantonen wären das 328'461 …

Artikel lesen
Link zum Artikel