Basel

Das E-Bike gleich am Unterstand und erst noch mit Solarstrom aufladen? Diese beiden Herren machen's möglich

Für ihre innovative Solar-Ladestation wurde die Fünfschilling AG mit dem Jury-Preis des KMU-Award geehrt. Durch diesen erhoffen sie sich den bisher fehlenden Rückenwind.

Publiziert: 15.09.16, 19:38 Aktualisiert: 16.09.16, 07:23

Daniel Haller

«Alle finden’s super», berichtet Luc Musy. «Aber noch hat’s keiner gekauft», ergänzt sein Kompagnon Cyrill Hunkeler. Entsprechend froh sind die beiden Geschäftsleiter der Binninger Fünfschilling AG über den Jury-Preis des KMU-Award der Industriellen Werke Basel (IWB), den sie Anfang September entgegennehmen konnten: Dieser wird für «echte Initiativen von innovativen und zukunftsorientierten Unternehmen» vergeben, die sich in Sachen Energieeffizienz engagieren.

Findige Köpfe: Luc Musy und Cyrill Hunkeler präsentieren ihren preisgekrönten Solarvelo-Unterstand.  bild: juri junkov

Bekommen haben sie den Preis für einen Velo-Unterstand, der mit Solarpanels gedeckt ist und an dem man die Batterien von Elektrovelos mit Solarstrom laden kann. «So wird das E-Bike zum Sonnenvelo», schwärmt Musy. Damit könne man die Akkus tagsüber laden, wenn das Velo vor dem Bau des Arbeitgebers steht, statt nachts zu Hause. «Dies wäre ein kleiner Beitrag dazu, den tagsüber anfallenden Sonnenstrom zu speichern.» Entsprechend schwebt den beiden Metallbauern auch ein Solar-Carport in der gleichen Art vor: Sie bauen den Unterstand, die 7XS GmbH aus Muttenz integriert die Solartechnik.

Unterstand ist 30 Prozent teurer

Die Preisdifferenz von rund 30 Prozent zu einem herkömmlichen Velounterstand sei nicht überrissen, argumentiert Hunkeler: Dort falle vor allem der Tiefbau für das Fundament ins Gewicht. Den Solar-Veloständer hingegen könne man mit seinem 2.5 Tonnen schweren Betonfuss überall hinstellen und hinterher auch umplatzieren, insbesondere wenn man die Insel-Variante wählt: Da speichert ein Akku den Strom, es ist kein Netzanschluss nötig. «Zudem würden die Preise bei einer höheren Stückzahl etwas sinken.»

Als Kunden haben die Jungunternehmer – sie haben per Management-Buy-out die Firma vor sechs Jahren übernommen – Unternehmen oder Verwaltungen im Auge, die ihren Mitarbeitern und Kunden die Solarladestation zur Verfügung stellen würden. Auch könnte man sich zusammen mit einem Elektrovelo-Produzenten auch ein Hotelier-Paket vorstellen: Hotels in den Bergen würden ihren Gästen Sonnenvelos für Ausflüge auf den steilen Strassen zur Verfügung stellen.

Das lokale Amtsblatt gratuliert: So muss das aussehen. Und das tut es auch. screenshot: «binninger anzeiger»

Doch bisher haben die Ideen nicht eingeschlagen. «An unseren Veranstaltungen wird zwar viel gefragt, aber irgendwie traut man dem Dorfschlosser die Innovation nicht zu, wenn nicht ein Konzern dahinter steht», kommentiert Hunkeler. Deswegen erhoffen sich die beiden vom Jury-Preis des KMU-Award Rückenwind, damit es nicht beim Prototyp bleibt, den sie beim Firmensitz in Binningen an der Hauptstrasse ausstellen: Die Auszeichnung umfasst vor allem ein Kommunikationspaket, was dem Marketing Schwung verleihen dürfte.

Handwerk wiederbeleben

«Dorfschlosser» ist für Musy und Hunkeler kein abwertendes Etikett – im Gegenteil: «Es ist wichtig, dass das Handwerk im Dorfkern präsent bleibt und man auch mit dem abgebrochenen Pfannenstiel zu uns kommen kann», betont Musy. Auf dem Tisch des Sitzungszimmers liegt ein Metermass, der Firmensitz ist ein Altbau, der Tradition ausstrahlt: Die Firma wurde vor 120 Jahren gegründet.

Daneben betreibt das KMU eine Produktionsstätte in Kaiseraugst, wo man das Areal eines konkursiten Mitanbieters kaufen konnte. Über den Umsatz spricht man bei Fünfschilling nicht öffentlich. «Wichtiger als ein hohes Wachstum ist, dass wir für unsere 30 Mitarbeitenden ein solider Arbeitgeber bleiben, dass wir die Qualität halten können und die Marge stimmt», erklärt Hunkeler.

Eine Firma setzt auf «local made»

Die Fünfschilling AG kann auf Referenzprojekte wie die Tramhäuschen der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) oder die Fassade des Basler Schauspielhauses verweisen. Man war auch an der Entwicklung der neuen Stelen der BVB beteiligt, ist aber in der Ausschreibung einem Mitbewerber unterlegen. «Im Metallbau sind die Preise kaputt», kommentiert Hunkeler. Sich an Grossüberbauungen zu beteiligen rechne sich für die Fünfschilling AG kaum mehr. Vielmehr setzt man auf kundenspezifische Aufträge. Zudem sucht das Unternehmen neben dem klassischen Metallbau Nischen wie Gartenmöbel, Feuerschalen oder Brennholzständer – alles «local made».

Ein weiteres Geschäftsfeld sind Kurse: Privatpersonen können schweissen, Firmen einen Teambildungsanlass buchen, bei dem die Mitarbeitenden gemeinsam eine Metallskulptur herstellen. «So lernen die Leute das Handwerk wieder schätzen.»

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  • Regas 15.09.2016 20:38
    Highlight Im Winter und bei Regen, wenn kein Ladestrom fliesst, ist dann wieder Muskelkraft zum Treten gefordert. Das hält auch die faulsten Elektrobiker fit. Zitat: "Hotels in den Bergen würden ihren Gästen Sonnenvelos für Ausflüge auf den steilen Strassen zur Verfügung stellen" Die Gäste geniessen die Spektakulären Bergpanoramen Nachts, damit die Velos Tagsüber wieder aufgeladen werden können. Abhilfe schafft da nur ein heimlicher Anschluss ans Stromnetz damit auch nachts mit Atomstrom geladen werden kann. Eine Inovation, die in der Form bald wieder verschwindet.
    3 20 Melden
    • meine senf 15.09.2016 21:29
      Highlight Oder man baut ganz einfach einen Akku in den Unterstand ein. Tagsüber lädt die Sonne den Akku, welcher nachtsüber die Velos lädt. Damit ist man unabhängig von der Tages- und Nachtzeit und kann bei genügend grossem Akku auch kürzere Schlechtwetterperioden ausgleichen. Bei längerem schlechten Wetter werden ohnehin nur wenige der Hotelgäste E-Bike-Ausflüge unternehmen wollen.
      Und beim Netz-Backup für den absoluten Notfall kann man heute bei den meisten Stromanbietern auch auf Atomstrom verzichten.
      20 1 Melden
    • trio 15.09.2016 21:44
      Highlight Nana, hat doch durchaus Potential die Idee. Anstatt ein heimlicher Stromanschluss wäre auch ein Akku möglich, dieser lädt das Eletrovelo nachts oder bei schlechtem Wetter. Und wenn schon ein Stromanschluss, so wird mit diesem tagsüber Solarstrom ins Netz gespiesen.
      13 0 Melden
    • Butschina 15.09.2016 23:10
      Highlight Es gibt ja die Inselvariante wo ein Akku den Strom speichert. Oder habe ich das falsch verstanden?
      6 0 Melden
    • Regas 15.09.2016 23:43
      Highlight Also ich hab's mal überschlagen. Annahme: der Unterstand Grösse 3*3m = 9m2 bietet Platz für 9Velos mit 500Wh Akkus, alle sind entladen. Unter idealen Bedingungen, im Hochsommer liefert eine 1m2 Solarzelle etwa 500Wh Strom, damit können die 9Velos Tagsüber ganz aufgeladen werden . Es wird dabei keine überschüssige Energie erzeugt die in einem Stationären Akku gespeichert werden könnte. Die Velos können also an einem Regentag damit nicht geladen werden. In der Winterzeit liefern die Solarzellen nur noch etwa 200Wh bei Sonnenschein, die Velos können nur noch zu ca. 1/3 geladen werden.
      4 1 Melden
    • trio 16.09.2016 08:20
      Highlight Grundsätzlich ist es doch eine gute Idee. Es gäbe noch viel mehr Flächen die mit Sonnenkollektoren bestückt werden können. Oder begrünt, oder beides :) Ich denke immer wieder, so viele Dächer sind einfache eine trostlose Betonfläche :(
      Zu Deinen Argumenten, in den meisten Fällen werden die Akkus ja nicht ganz leergefahren und selten jeden Tag benutzt. Und sonst muss halt mal Strom aus der Steckdose benutzt werden, ist immer noch besser, als jeden Tag am Stromnetz zu hängen.
      1 0 Melden
    • meine senf 16.09.2016 18:31
      Highlight Regas: Vielen Dank für die Rechnung.
      Bei 9 m^2 Fläche und 1 m^2 Solarfläche bleiben ja noch 8 m^2 übrig. Dann nimmt man halt 2 m^2 Solarfläche und schon ist das Problem gelöst (das ohnehin nur auftritt, wenn jeden Tag alle Velos komplett entladen werden).
      Eine weitere einfache Möglichkeit: Viele E-Bikes haben wechselbare Akkus. Damit lässt sich das Problem sogar lösen, ohne dass ein Akku in den Unterstand selbst eingebaut werden muss. So kann auch der unvermeidbare Verlust durch die zusätzliche Zwischenspeicherung vermieden werden.
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