Schweiz

Parlament kippt das Gesetz: Doch keine Promillegrenze für Jäger in Graubünden

18.10.16, 13:00 18.10.16, 13:50

Auf der Bündner Jagd wird doch keine Promillegrenze wie im Strassenverkehr eingeführt. Die Mehrheit des Kantonsparlaments lehnte die Einführung von Alkoholgrenzwerten ab und liess die Regierung ins Leere laufen.

Am Montag hatte der Bündner Grosse Rat noch Eintreten auf die Revisionsvorlage der Regierung zum kantonalen Jagdgesetz signalisiert. Graubünden wäre der erste Kanton gewesen mit Alkoholgrenzwerten im Jagdgesetz.

Die entsprechenden Gesetzesartikel überstanden jedoch am Dienstag die Detailberatung nicht. Sie wurden mit 85 zu 26 Stimmen aus der Vorlage hinaus spediert.

Eine Kommissionsminderheit hatte sich mit Vehemenz gegen die Aufnahme der Gesetzesbestimmungen zum Thema Alkohol gewehrt. «Die Bündner Jagd hat kein Alkoholproblem», sagte der Sprecher der Kommissionsminderheit. Bis anhin sei bei keinem einzigen Jagdunfall Alkohol im Spiel gewesen. Die neuen Bestimmungen seien «völlig unverhältnismässig».

Dürfen weiterhin besoffen auf die Pirsch: Bündner Jäger.  Bild: KEYSTONE

Jägerfreundliches Parlament

Ein anderer Grossrat sagte, die Bestimmungen über den Alkoholmissbrauch seien realitätsfremd. Die ganze Jägerschaft werde unter Generalverdacht gestellt.

Regierungsrat Mario Cavigelli verteidigte die Vorlage, welche konkret einen Alkoholgehalt von 0,5 Promille als Grenzwert aufführt. Der Wert entspreche zwar jenem im Strassenverkehr, die Sanktionen bei Verstössen seien bei den Jägern aber weitaus milder. Es gebe nur eine Busse sowie allenfalls einen bedingten Entzug des Patents.

Der Regierungsrat stand auf verlorenen Posten. Das Parlament zeigte sich nicht nur bei der Alkoholfrage freundlich zu den Jägern, sondern auch bei den Gebühren für die dreiwöchige Patentjagd im September. Die Patentgebühren für Einheimische wurden nicht wie von der Regierung vorgeschlagen von 697 Franken auf 800, sondern auf nur 750 Franken angehoben. (leo/sda)

Hol dir die App!

User-Review:
Micha-CH, 16.12.2016
Beste News App der Schweiz. News und Unterhaltung auf Konfrontationskurs.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
6 Kommentare anzeigen
6
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Rendel 20.10.2016 16:45
    Highlight Ja klar, Waffen und Alkohol eine sichere Kombination. Das Argument: Hilfe, man stellt alle Jäger unter Generalverdacht. Das ist totaler Blödsinn. Es ginge nur um die schwarzen Schafe. Nun hab ich den Verdacht, dass es unter den Bündner Jägern fast nur schwarze Schafe gibt.
    0 0 Melden
    600
  • Kreasty 19.10.2016 11:39
    Highlight Die Frage ist nun, darf ein angetrunkener Jäger zu Fuss auf die Jagd, der Weg dorthin geht über Waldwegen wo er eine Gefahr für den Wanderverkehr ist?

    In der Schweiz kann man also als Jäger besoffen Jagen, aber angetrunken nicht die Strasse entlang laufen?

    Da fasst man sich ja genauso an Kopf wie bei manchen US Gesetzten....
    2 0 Melden
    600
  • Nonsens Ursus 18.10.2016 23:39
    Highlight Schade, hätte so eine Regelung für sinnhaft empfunden. Wäre eigentlich sogar noch weiter gegangen. Wer trinkt, sollte erst gar nicht zur Waffe greifen (dürfen).
    5 2 Melden
    600
  • Töfflifahrer 18.10.2016 18:19
    Highlight Jäger (auch besoffene) sind Wähler, noch Fragen?
    5 2 Melden
    600
  • Pasch 18.10.2016 18:16
    Highlight Na denn Weidmannsheil!
    4 0 Melden
    600
  • MeineMeinung 18.10.2016 13:47
    Highlight Das wäre aber das richtige!
    14 8 Melden
    600

SVP-Giezendanner will LKW-Fahrer von Billett-Entzug verschonen – nicht alle finden das gut

Transportunternehmer Ulrich Giezendanner (SVP) wehrt sich in einem Vorstoss gegen den «totalen Führerausweisentzug». Wer privat das Billett abgeben muss, solle trotzdem weiterhin Lastwagen steuern dürfen. Opferhilfe- und Fussgänger-Organisationen halten dies für gefährlich.

Rund 78’000 Personen mussten letztes Jahr in der Schweiz ihren Führerschein abgeben. In den meisten Fällen weil sie zu schnell oder unter Alkoholeinfluss gefahren waren. Auch Drogenkonsum, Telefonieren am Steuer, Missachtung von Vortritten oder andere Unaufmerksamkeiten haben zahlreiche Autofahrer das Billett gekostet.  

Besonders hart trifft die Strafe jene, die beruflich auf den Führerausweis angewiesen sind – wie Lastwagen- oder Busfahrer. Müssen sie ihren Chefs erklären, dass sie …

Artikel lesen