Schweiz

Zwei Polizisten begleiten auf dem Flughafen Zürich-Kloten einen verurteilten Polen zum Flugzeug, welches ihn nach Warschau zurückschafft (August 2006). Bild: KEYSTONE

Bund vergibt heiklen Job bei Ausschaffungen erneut an Firma Oseara

Publiziert: 10.10.16, 16:56 Aktualisiert: 10.10.16, 17:49

Der Bund vergibt die medizinische Betreuung bei Ausschaffungen erneut an das Nidwaldner Unternehmen Oseara. Deren Angebot weise das beste Preis-Leistungs-Verhältnis auf, begründet das Staatssekretariat für Migration (SEM) den Entscheid.

Das Unternehmen übernimmt mit dem Mandat die medizinische Begleitung von abgewiesenen Asylsuchenden und anderen Migranten, die in ihren Herkunftsstaat ausreisen oder dorthin zurückgeführt werden.

Die Ausschreibung umfasste die Beurteilung der Transportfähigkeit und die medizinische Begleitung bei Ausreisen per Flugzeug, Schiff oder auf dem Landweg. Die Oseara AG habe den Zuschlag erhalten, weil sie die qualitativen Anforderungen am besten erfüllte, teilte das SEM am Montag mit.

Die Fachärzte und das medizinische Personal kommen sowohl bei Zwangsausschaffungen – wenn der Betroffene nicht selber aus der Schweiz ausreisen will – als auch bei freiwilligen Ausreisen zum Einsatz. Der neue Vertrag tritt am 1. Februar 2017 in Kraft.

Der Auftrag war im Juni dieses Jahres neu ausgeschrieben worden, weil immer mehr Ausreisende medizinisch betreut werden müssen und die Situation nicht mehr dem 2014 vergebenen Mandat entspricht. Damals hatte ebenfalls die Firma Oseara den Zuschlag erhalten.

Beruhigung wider Willen

Das Unternehmen war in der Vergangenheit in die Kritik geraten. Im Jahr 2013 hatte die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter (NKVF) den Einsatz von Beruhigungsmitteln auf Ausschaffungsflügen kritisiert. Schon damals war die Firma Oseara für die medizinische Begleitung der Flüge zuständig.

Die Kommission hatte von Juli 2012 bis April 2013 mehrere Flüge begleitet. In vier Fällen seien Beruhigungsmittel zwangsweise verabreicht worden, obwohl solche als Hilfsmittel nicht erlaubt seien, hielt sie in ihrem Abschlussbericht fest.

Von dieser Praxis ist die Firma inzwischen offenbar abgekommen. Sie habe diese Probleme bereits vor der Neuausschreibung des Mandats angegangen und gelöst, sagte am Montag eine SEM-Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Oberstes Gebot bei der Rückführung von ausländischen Personen in den Heimat- oder Drittstaat sei, dass die Gesundheit dieser Personen nicht beeinträchtigt werde, hält das SEM in seiner Medienmitteilung weiter fest.

Heikle Ausschaffungsflüge

In der Schweiz waren die Ausschaffungsflüge nach dem Tod eines Nigerianers im Jahr 2010 kurzzeitig eingestellt worden. Der 29-Jährige hatte sich heftig gegen die Ausschaffung gewehrt. Gemäss einem rechtsmedizinischen Gutachten starb er aber wegen einer schweren Herzkrankheit.

Nach dem Vorfall arbeitete der Bund ein Massnahmenpaket aus, um die Sicherheit bei Zwangsausschaffungen zu verbessern. Als Mitte 2011 auch die Rückführungen nach Nigeria wieder aufgenommen wurden, reisten erstmals auch ein Arzt und ein Rettungssanitäter an Bord der Maschine mit.

Seit 2015 gelten überdies neue Regeln für die Zwangsausschaffung von abgewiesenen Asylsuchenden. So gibt es eine Liste mit Krankheiten, die gegen eine Rückführung sprechen. Zudem wurden die Rollen der involvierten Ärzte klarer getrennt. (sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Armut – 1,1 Millionen Menschen in der Schweiz sind gefährdet. Wer besonders betroffen ist

So einfach knacken Kriminelle Kreditkarten-Daten – und so einfach schützt du dich

Nach diesem Test weisst du genau, welche Art Katzenbesitzer du bist

Es ist gelaufen: Der Bachelor will Kristina. Und jetzt lasst uns in Ruhe mit diesem Seich!

3 Kommentare anzeigen
3
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Spooky 10.10.2016 20:31
    Highlight Firma Oseara

    Ich staune immer wieder, wie leicht Leute ohne Skrupel ihre Brötchen verdienen. Sich ans Gesetz halten - und dann schlafen sie gut. Bravo, sehr clever - und vor allem lukrativ.
    3 12 Melden
    • ands 11.10.2016 01:13
      Highlight Sie sollen sich also besser nicht ans Gesetz halten? Oder wie soll ich Ihren Kommentar verstehen?
      5 2 Melden
    • Spooky 11.10.2016 18:22
      Highlight Die beiden Polizisten auf dem Bild machen nur ihren Job. Das ist okay. Es geht mir um die Aufteilung der Verantwortung. Wenn die Verantwortung eines Handlungsablaufs auf viele Leute aufgeteilt wird, dann ist am Ende niemand mehr dafür verantwortlich, ob das, was sie machen, richtig ist oder falsch. Alle wollen ihren Teil des Ablaufs gut machen. Diese beiden Cops können nicht wissen, ob sie einen echten Flüchtling abschieben. Sie wollen nur ihre Arbeit gut machen.
      0 0 Melden
    600

SVP verzichtet bei Umsetzung der Zuwanderungsinitiative auf Referendum

Obwohl die SVP alles andere als glücklich ist mit der sich abzeichnenden Umsetzung der Zuwanderungsinitiative, will sie dagegen nicht das Referendum ergreifen. Dies sagte SVP-Parteipräsident Albert Rösti gegenüber der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens (SRF).

Obwohl die Partei mit der Arbeit des Parlaments unzufrieden ist, bliebe ein Referendum aus Sicht der SVP wirkungslos. «Wir würden die Bevölkerung an die Urne holen, ohne dass es etwas bringt.»

Seine Partei glaube schlicht nicht, dass …

Artikel lesen