DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Das Hauptgebaeude der ETH Zuerich, aufgenommen am Freitag, 25. April 2014. (KEYSTONE/Walter Bieri )

Hauptgebäude der ETH Zürich. Bild: KEYSTONE

Ende der US-Vorherrschaft im Netz?

Internet reloaded – ETH-Forscher tüfteln an einer neuen Web-Architektur

An der ETH Zürich arbeiten Wissenschaftler an einem völlig neuen Aufbau des Internets. Sie wollen so das Web zuverlässiger und sicherer machen.



Das Zauberwort heisst Scion. Dahinter verbirgt sich nichts weniger als eine völlig neue Architektur des Internets. Dank Scion sollen Sender und Empfänger künftig selbst bestimmen können, welche Routen ihre Daten nehmen sollen und welche zu vermeiden sind. Sie sollen so die Möglichkeit bekommen, Verbindungen durch Länder zu sperren, aus denen sie Hackerangriffe erwarten oder deren Datenschutzrichtlinien sie ablehnen. Heute werden Daten unterwegs manchmal abgefangen, umgeleitet oder vernichtet. 

Gegenwärtig baut die ETH Zürich ein weltumspannendes Testumfeld auf, an dem sich neben Hochschulen aus den USA, Korea, China und Japan auch die Swisscom sowie das Telekom-Unternehmen KDDI, die Nummer 2 im japanischen Markt, beteiligen. Dies berichtet die «NZZ am Sonntag».

Das Ende der US-Internet-Herrschaft?

Mit dem neuen Internet würde auch die Vormachtstellung der USA gebrochen. Heute koordiniert die Icann mit Hauptsitz in Los Angeles die Vergabe von Internet-Adressen. Die ETH-Forscher unterteilen in ihrem Projekt das weltumspannende Netz in regionale Subnetze, die unter einer jeweils eigenen und unabhängigen Aufsicht stehen. Diese entscheiden dann autonom über Adressen und eingesetzte Verschlüsselungstechniken. 

So wäre es beispielsweise denkbar, dass sich die Kantone der Schweiz oder die Staaten der EU zu einem Netz zusammenschliessen. Ihren internen Datentransport würden sie autonom steuern, fremde Netze aus anderen Regionen hätten keine Einflussmöglichkeit.

«Der Einfluss der USA würde auf die US-Domain beschränkt», sagt ETH-Professor Adrian Perrig in der «NZZ am Sonntag». Langfristig könnte Scion auch die Kosten der Anbieter senken, weil es über effizientere Routing-Verfahren verfügt als der heute gebräuchliche Standard. Zudem lassen sich damit Bandbreiten reservieren. Dies ist wichtig, um zukünftig ultrahochaufgelöste Fernsehbilder im Internet zu übertragen.

Veraltete, anfällige Protokolle

Die heutigen Internet-Protokolle stammen aus den siebziger und achtziger Jahren, als das Internet nur einige amerikanische Rechenzentren verbinden sollte. Heute sind iher Schwächen offensichtlich: Das Routing-Protokoll BGP etwa lässt sich ausnutzen, um Datenpakete zu manipulieren.

Diese Sicherheitslücke nutzen Kriminelle, Geheimdienste oder andere Behörden tagtäglich aus. Auch gegen sogenannte Denial-of-Service-Angriffe, bei denen Websites unter einer Flut von orchestrierten Anfragen zusammenbrechen, sind ein Problem. Betreiber können sich kaum dagegen schützen, weil sie keinen Einfluss auf die Pfade haben, auf denen sie angegriffen werden.

In einem zukünftigen Scion-Netz würde das anders sein, weil jeder Internetnutzer – sei es ein privater Surfer oder eine Website – selbst bestimmen kann, welchen Verbindungswegen er vertraut und welchen nicht.

Viele Ingenieure glauben nicht, dass grundliegende Veränderungen am bestehenden Internet noch möglich sind. Die ETH will es trotzdem versuchen. Eine zwölfköpfige Forschergruppe um Adrian Perrig konzentriert ihre Arbeit voll und ganz auf den Neustart. Perrig gehört zu den meistzitierten Experten in seinem Forschungszweig. (rey)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

WhatsApp-Konkurrent Signal bekommt lang ersehnte Funktion

Signal gilt als beliebte Alternative zum Messenger WhatsApp. Viele Nutzer störte es jedoch, dass sie ihre Chats von einem Smartphone aufs nächste nicht so leicht mitnehmen konnten. Das soll sich nun ändern.

Messenger Signal hat für seine Beta-Nutzer eine neue Funktion veröffentlicht, die den Umzug auf ein neues Smartphone deutlich erleichtern soll: Mit der Version 5.5.1 finden Nutzer das Feature «Konto übertragen» in den Einstellungen.

Das soll es Nutzern erlauben, mit wenigen Klicks das Konto mit allen Dateien wie Chats auf ein neues Gerät zu übertragen. Die Übertragung soll dabei über das lokale WLAN-Netz erfolgen und Ende-zu-Ende verschlüsselt sein.

Wer bisher seine Chats auf ein neues Smartphone …

Artikel lesen
Link zum Artikel