Eishockey
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ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS CHRISTIAN WOHLWEND NEUER DAVOS-TRAINER WIRD --- Patrick Fischer, left, head coach of Switzerland national ice hockey team, next to Christian Wohlwend, right, assistant coach of Switzerland national ice hockey team, talks to his players, during the IIHF 2018 World Championship quarter final game between Finland and Switzerland, at the Jyske Bank Boxen, in Herning, Denmark, Thursday, May 17, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Bild: KEYSTONE

Patrick Fischer zwischen vernichtender Kritik und Silbermedaille

Patrick Fischer geriet nach dem völlig missglückten Olympia-Auftritt der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft in die Kritik. Ein paar Wochen später gewann er an der WM mit seinem Team sensationell die Silbermedaille. Wie hat er diese Zeit erlebt?

Marcel Kuchta / ch media



Der Sport kann gnadenlos sein. Das Resultat entscheidet über Sieg oder Niederlage. Sein oder Nichtsein. Momentaufnahmen können ganze Karrieren beeinflussen – im positiven wie im negativen Sinn. Ein Gegentor im falschen Augenblick. Ein Misstritt zur Unzeit. Und schon ist der Auftritt verpatzt.

Die Konsequenzen oft gravierend. Patrick Fischer kann ein Lied davon singen, welche emotionalen Achterbahnfahrten der Sport bisweilen zu erzeugen vermag. Gestern noch der Sündenbock. Heute der Held. Fischer hat es vor einem Jahr erlebt. Er ist innerhalb weniger Wochen auferstanden. Nachdem er eigentlich schon totgesagt war.

Patrick Fischer, head coach of Switzerland, during the men ice hockey play-off qualification match between Switzerland and Germany in the Kwandong Hockey Center in Gangneung during the XXIII Winter Olympics 2018 in Pyeongchang, South Korea, on Thuesday, February 20, 2018. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Das Olympiaturnier in Pyeongchang läuft überhaupt nicht nach Patrick Fischers Vorstellungen. Bild: KEYSTONE

Doch beginnen wir von vorne. Es ist der Januar 2018. Patrick Fischer, der Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, verbreitet Optimismus. Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang stehen vor der Tür. Fischer äussert die Worte, die ihm später um die Ohren gehauen werden sollten: Er träumt vom Gewinn einer Olympia-Medaille.

Das tut er nicht in einem Anflug von Grössenwahn, sondern mit gutem Grund: Die Schweizer hatten an der WM in Paris im Frühling 2017 gut abgeschnitten gegen Konkurrenten, die mit zahlreichen Spielern aus der NHL angetreten waren. Da diese Akteure aus der besten Liga der Welt an Olympia fehlen und die Schweizer dafür mit einer fast unveränderten Mannschaft auflaufen würden, war Fischers Optimismus durchaus nachvollziehbar.

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WM 2017: Die Schweiz schlägt Kanada dank Fabrice Herzog in der Verlängerung. Video: YouTube/IIHF Worlds 2019

«Da war erstmals eine Leere. Man rechnet nicht damit, dass es passieren kann»

Patrick Fischer

Doch dann kam alles anders. Eine dieser Momentaufnahmen, eine Unaufmerksamkeit im Achtelfinalspiel gegen Deutschland reichte, um den Medaillen-Traum viel zu früh und geräuschvoll platzen zu lassen. 1:2 verloren die Schweizer nach Verlängerung. Das Turnier war zu Ende, ehe es richtig begonnen hatte.

Der Sündenbock für die Öffentlichkeit

An den Bildschirmen sind die fassungslosen Blicke und hängenden Köpfe präsent. Die Mannschaft von Patrick Fischer hatte fast alle Wünsche offengelassen. Der Sündenbock war in der breiten Öffentlichkeit und in Teilen der Medien schnell eruiert: Der Nationaltrainer, dem es offensichtlich nicht gelungen war, seine Mannschaft auf Kurs zu bringen. Der Nationaltrainer, der das Maul zu voll genommen hatte.

Aber wie hat Patrick Fischer selber die Zeit nach dem Olympia-Absturz erlebt? «Als die Deutschen in der Verlängerung das Tor geschossen haben und das Turnier für uns mit einem Schlag zu Ende war, ist der Verarbeitungsprozess losgegangen. Da war erstmals eine Leere. Man rechnet nicht damit, dass es passieren kann», erinnert sich Fischer.

Mit Hischier und Fiala in die zweite Woche

Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer bot für die zweite WM-Vorbereitungswoche mit den Stürmern Nico Hischier (New Jersey) und Kevin Fiala (Minnesota) die ersten NHL-Spieler auf. Auch Yannick Ratgheb und Vincent Praplan aus der AHL sind neu dabei. Nicht mehr im Aufgebot ist Enzo Corvi, der sich im zweiten Testspiel gegen Russland verletzt hat.

Torhüter (3): Reto Berra (Fribourg-Gottéron), Gauthier Descloux (Genève-Servette), Robert Mayer (Genève-Servette).

Verteidiger (9): Michael Fora (Ambri-Piotta), Lukas Frick, Joël Genazzi (beide Lausanne), Andrea Glauser (SCL Tigers), Janis Moser, Samuel Kreis (beide Biel), Romain Loeffel (Lugano), Christian Marti (ZSC Lions), Yannick Rathgeb (Bridgeport Sound Tigers/AHL).

Stürmer (13): Andres Ambühl (Davos), Alessio Bertaggia (Lugano), Christoph Bertschy (Lausanne), Kevin Fiala (Minnesota Wild/NHL), Nico Hischier (New Jersey Devils/NHL), Grégory Hofmann (Lugano), Denis Hollenstein (ZSC Lions), Marco Müller (Ambri-Piotta), Vincent Praplan (Springfield Thunderbirds/AHL), Jason Fuchs und Damien Riat (beide Biel), Noah Rod (Genève-Servette), Samuel Walser (Fribourg).

Das Wichtigste sei für ihn in der ersten Phase nach dem Olympia-Debakel gewesen, mit den Nationalspielern zu reden. «Haben sie noch das Vertrauen ins Coaching-Team? Glauben sie an den Prozess? Wenn die Spieler nicht mehr an das Projekt glauben, dann wird es schwierig. Dann muss man aufhören», erzählt Patrick Fischer. «Aber ich spürte, dass das Vertrauen da war. Und ich wusste, dass wir uns revanchieren werden.» Zumal er auch von seinen unmittelbaren Vorgesetzten im Eishockey-Verband die entsprechende Rückendeckung erhielt.

Aber da waren ja auch noch die öffentliche und die mediale Wahrnehmung, welche mitunter einen Einfluss auf die Entscheidungsfindung von Sportfunktionären haben können. Patrick Fischer, der Ende 2015 ohne grossen Erfolgsausweis den Posten des Nationaltrainers übernommen hatte, wurde von Anfang kritisch beäugt. Jetzt sahen seine Kritiker endgültig den Zeitpunkt gekommen, ihn aus dem Amt zu fegen.

«Ich bin keiner, der sich in so einem Moment lange den Kopf zerbricht.»

Wie war es für Fischer, sich mit dieser negativen Kritik auseinanderzusetzen? «Was die Leute rundherum sagen, kann ich nicht kontrollieren und auch nicht gross beeinflussen. Wir können ja nicht mehr tun, als uns so gut wie möglich zu präsentieren. Nach Pyeongchang war es relativ unruhig im Schweizer Eishockey-Universum gegenüber mir und der Mannschaft. Ich spürte gewisse Zweifel im Umfeld. Wir haben ja gewusst, dass wir nicht geliefert haben. Aber das ist der Sport. Mit dem muss man umgehen können.»

Aufstehen und Helm richten

Beim Verarbeitungsprozess kam Patrick Fischer, der sich gerne vertieft mit der Kultur der Indianer auseinandersetzt, sicher auch sein Charakter zugute. Er war schon als Spieler ein Mensch, der die Leichtigkeit des Seins genoss, der kein Risiko scheute, auch mal die Grenzen auslotete und immer mutig seinen Weg ging, der ihn – entgegen aller Erwartungen – auch in die beste Liga der Welt, in die NHL, oder nach Russland in die KHL führte.

Er sagt: «Ich bin keiner, der sich in so einem Moment lange den Kopf zerbricht. Ich habe mein Bestes gegeben. Ich sagte mir: ‹Heute macht es weh. Morgen ist ein neuer Tag. Helm richten und auf gehts.› So bin ich. Mit Selbstmitleid verliere ich sowieso keine Zeit.»

BILDPAKET -- ZUM JAHRESRUECKBLICK 2018 MAI, STELLEN WIR IHNEN HEUTE FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Patrick Fischer, centre, head coach of Switzerland national ice hockey team,  between his look disappointed after losing against team Sweden, during the shootout of the IIHF 2018 World Championship Gold Medal game between Sweden and Switzerland, at the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Sunday, May 20, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Patrick Fischer mit der Silbermedaille in Kopenhagen. Bild: KEYSTONE

Wichtig sei für ihn gewesen, «zu spüren, dass die Spieler unbedingt in die Nationalmannschaft kommen wollen. Und das war die Bestätigung dafür, dass der Glaube immer noch vorhanden ist, dass wir etwas Grosses schaffen können.» Es passt zu dieser Geschichte über Sieg und Niederlage, dass die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft und ihr Headcoach gut drei Monate nach dem Debakel von Pyeongchang an der WM in Kopenhagen tatsächlich etwas Grosses schaffte.

Dabei wusste Patrick Fischer, dass das Turnier in der dänischen Hauptstadt hinsichtlich seiner Zukunft wegweisenden Charakter haben würde. Er wusste: Ein neuerliches Scheitern kann er sich nicht erlauben. Der Druck wäre auch auf seine loyalen Vorgesetzten zu gross geworden. Trotz eines bis zur Heim-WM 2020 gültigen Vertrags.

Eishockey ist unberechenbar

Und dann schrammte das Team in Dänemark nur um Haaresbreite am grössten Triumph der Geschichte des Schweizer Eishockeys, dem Gewinn des allerersten WM-Titels, vorbei. Im Final unterlag man den Schweden äusserst unglücklich erst im Penaltyschiessen. Zwar war die Stimmung unter den Spielern und den Trainern auch nach dieser bitteren Niederlage ähnlich niedergeschlagen wie in Südkorea.

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Ein Rückblick auf die Silber-WM 2018. Video: YouTube/Stiffmaster

Doch schon am nächsten Tag waren die negativen Gefühle wie weggeblasen. Spätestens, als die Schweizer Crew beim Flughafen in Zürich von Tausenden begeisterten Fans empfangen und für die Silbermedaille gefeiert wurde, da wurde allen Beteiligten bewusst, dass sie tatsächlich etwas Grosses erreicht hatten.

Patrick Fischer hat also eine dieser typischen Geschichten erlebt, die nur der Sport mit seinen Emotionen und seiner Unberechenbarkeit zu schreiben vermag. Und er hat sich damit auch endlich den Kredit erarbeitet, den man in dieser schnelllebigen, resultatorientierten Welt braucht, um auch mal ein wenig in Ruhe arbeiten zu können. Sollten die Schweizer in wenigen Wochen an der WM in der slowakischen Hauptstadt Bratislava enttäuschen, dann wird niemand mehr den Kopf des Nationaltrainers fordern. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • NHL19 23.04.2019 17:12
    Highlight Highlight Habe gerade mitbekommen, dass auch Phikipp Kurashev bei der Nati ist. Finde ich super, dass er eine Chance erhält.
  • el_bengalo 23.04.2019 12:56
    Highlight Highlight Nur mal so: Könnte die Schweiz überhaupt absteigen? Oder ist sie als WM-Ausrichter nächstes Jahr ohnehin gesetzt?
    • NHL19 23.04.2019 17:20
      Highlight Highlight Wir sind für 2020 gesetzt und können nicht absteigen :) siehe übrigens Deutschland 2009 😂
  • feuseltier 23.04.2019 09:34
    Highlight Highlight Warum wird nichts über das Aufgebot der Nati geschrieben? ??
    • Adrian Buergler 23.04.2019 09:44
      Highlight Highlight @feuseltier: Es wurde etwas über das Aufgebot der Nati geschrieben. Es war am Samstag in den Sportnews, und in diesem Artikel wurde es ebenfalls nochmals erwähnt.
    • feuseltier 23.04.2019 10:41
      Highlight Highlight Danke habe ich in diesem Fall irgendwie überflogen. .
  • justasec 22.04.2019 23:00
    Highlight Highlight Hoffentlich haben die Berner Spieler noch genügend Saft im Tank!
  • Hallo22 22.04.2019 22:30
    Highlight Highlight Weiss jemand wann die Spieler vom SCB und EVZ aufgeboten werden? Schade ist Vermin verletzt. Denn hätte ich gerne wieder an der WM gesehen.
    • Adrian Buergler 23.04.2019 09:45
      Highlight Highlight @Hallo22: Die Spieler von Bern und Zug werden vermutlich am Samstag für die nächste Woche (letzte Vorbereitungswoche vor der WM) aufgeboten.
    • el_bengalo 23.04.2019 12:06
      Highlight Highlight Ob wohl Martschini wieder eine Chance bekommt?
  • Team Insomnia 22.04.2019 20:41
    Highlight Highlight Dieses Jahr werden wir Weltmeister😊
    • glass9876 23.04.2019 17:02
      Highlight Highlight Nur, wenn sich Genoni entscheidet, noch einmal Meister zu werden! ;-)
  • glointhegreat 22.04.2019 19:43
    Highlight Highlight Der letzte satz war überflüssig. Klar werden bei einer miserablen leistung wieder leute den kopf des nati trainers fordern. Zu unrecht zwar, aber es würde diese leute geben. Wie es sie immer gibt nach niederlagen. Ich für meinen teil finde es aber so was von geil einen schweizer nati trainer zu haben und die nati hat mir die letzten jahre unglaubliche, unvergessliche momente beschehrt... Ich kann nichts negatives mehr sagen. Ihr seid eine geile truppe und bald wird die schweiz ganz oben stehen. Vielleich dieses jahr, vielleicht nächstes jahr zu hause. .... Egal, ihr seid schon jetzt vorbilder.
    • Andre Bachmann 22.04.2019 20:21
      Highlight Highlight sihf pressesprecher?
    • glointhegreat 22.04.2019 21:25
      Highlight Highlight Nein, fan.
    • Willy Tanner 22.04.2019 21:28
      Highlight Highlight Dem gibts nur eines anzufügen: hopp schwiiz! 🇨🇭🇨🇭😍😍

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