DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Stadt Koriyama in der Präfektur Fukushima wurde durch den Taifun überschwemmt.
Die Stadt Koriyama in der Präfektur Fukushima wurde durch den Taifun überschwemmt.Bild: EPA JIJI PRESS

Monster-Taifun «Hagibis» fegt über Japan ++ Anzahl der Opfer steigt ++ gigantische Schäden

Einer der heftigsten Taifune seit Jahrzehnten hat in Japan schwere Überschwemmungen ausgelöst und mindestens 33 Menschen in den Tod gerissen. 19 weitere Menschen galten am Sonntag noch als vermisst.
13.10.2019, 15:4713.10.2019, 19:49

Das Wichtigste im Überblick:

  • Rekordstarke Sturmböen zogen am Samstag und in der Nacht auf Sonntag über Japan.
  • Es gibt mindestens 33 Todesopfer, mehr als 170 Menschen wurden verletzt. Viele werden noch vermisst.
  • In vielen Regionen des Landes kam es zu Überschwemmungen. 110'000 Einsatzkräfte stehen im Einsatz.
  • 166'000 Häuser waren am Sonntagnachmittag (Ortszeit) von der Stromversorgung abgeschnitten.
  • 21 Flüsse sind durch die Uferdämme gebrochen.
  • In Tokio wurde erstmals die höchste Warnstufe ausgerufen. Mehr als sechs Millionen Bewohner wurden aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen.

Wirbelsturm «Hagibis» zog am Samstag und in der Nacht zum Sonntag mit rekordstarken Regenfällen und Sturmböen über die Hauptstadt Tokio und andere Gebiete des fernöstlichen Inselstaates. Mehr als 170 Bewohner wurden verletzt, wie lokale Medien berichteten.

Der Taifun, der sich am Sonntag im Nordosten über dem Meer zu einer Tiefdruckzone abschwächte, hatte zahlreiche Flüsse über die Ufer treten lassen und ganze Wohngebiete und Strassen überschwemmt. «Ich lebe schon lange hier, aber so etwas habe ich noch nie erlebt», sagte ein 60 Jahre alter Angestellter in Tokio beim Anblick des Tamagawa-Flusses, der über die Ufer trat und Häuser überschwemmte.

Während am Sonntag in der Hauptstadt und deren Umgebung wieder die Sonne schien, setzten die Einsatzkräfte die Bergungsarbeiten fort. Mit Militärhelikoptern und Schlauchbooten rückten die Einsatzkräfte an, um Menschen aus ihren Häusern zu retten.

Auch zahlreiche Hochgeschwindigkeitszüge stehen unter Wasser.
Auch zahlreiche Hochgeschwindigkeitszüge stehen unter Wasser.Bild: AP

Tragisches Unglück bei Helikopter-Rettungsversuch

Dabei kam es zu einem tragischen Unglück, als Rettungskräfte eine 77 Jahre alte Frau in der nordöstlichen Stadt Iwaki in einen Helikopter hieven wollten und sie plötzlich 40 Meter in die Tiefe stürzte. Sie kam dabei ums Leben.

In der Bucht von Tokio sank ein Frachtschiff aus Panama, das dort ankerte, als sich der Taifun näherte. Zwei Menschen an Bord kamen ums Leben, sechs Besatzungsmitglieder galten am Sonntag als vermisst.

Mindestens 21 Uferdämme sind gebrochen.
Mindestens 21 Uferdämme sind gebrochen.Bild: AP

Auch in anderen Regionen des Landes kam es zu Überschwemmungen, darunter in der mit am schwersten betroffenen Provinz Nagano, wo der Chikuma-Fluss durch die Uferdämme brach und Wohngebiete mit schlammigen Wassermassen überflutete. Teils stand das Wasser mehrere Meter hoch.

110'000 Einsatzkräfte

Auf Luftaufnahmen des japanischen Fernsehens waren Bewohner zu sehen, die aus ihren überfluteten Fenstern weisse Tücher schwangen, um auf sich aufmerksam zu machen. Mehr als 110'000 Einsatzkräfte aus Polizei, Feuerwehr, Küstenwache und Militär seien an den Rettungseinsätzen beteiligt, sagte Regierungschef Shinzo Abe.

Bild: AP

«Ich bitte die Bevölkerung, angesichts von Erdrutschen und angeschwollenen Flüssen wachsam zu bleiben», sagte Abe am Sonntag. Dutzende von Erdrutschen und Schlammlawinen waren in weiten Gebieten Japans abgegangen. 21 Flüsse waren durch die Uferdämme gebrochen.

Nach Angaben des Industrieministeriums waren 166'000 Häuser am Sonntagnachmittag (Ortszeit) zunächst weiter von der Stromversorgung abgeschnitten. Auch die Wasserversorgung war teils unterbrochen.

Plötzlicher Tornado

In der Tokioter Nachbarprovinz Chiba, wo erst im vergangenen Monat ein Taifun gewütet und massive Stromausfälle verursacht hatte, wurden ein Dutzend Häuser durch einen plötzlichen Tornado zerstört. «Das sieht hier wie nach Abrissarbeiten aus», sagte eine ältere Japanerin.

Der Wirbelsturm «Hagibis» (Philippinisch für «schnell») war am Samstag nahe Tokio auf Land getroffen. Später zog er Richtung Nordosten weiter in jene Region, wo es 2011 zu einer Erdbeben- und Tsunamikatastrophe mit Tausenden Toten gekommen war.

Vorboten des Taifuns Hagibis: Starke Wellen brechen an Schutzbauten im japanischen Meereshafen von Kiho.
Vorboten des Taifuns Hagibis: Starke Wellen brechen an Schutzbauten im japanischen Meereshafen von Kiho.Bild: EPA

Auch dort kam es durch den Taifun zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Als Folge mussten die Organisatoren der laufenden Rugby-Weltmeisterschaft ein weiteres Spiel absagen. Betroffen war die Begegnung Namibia gegen Kanada, die in Kamaishi stattfinden sollte.

Höchste Warnstufe

Wegen der Gefahr durch die Niederschläge, die zu den schlimmsten seit rund 60 Jahren zu werden drohten, hatten die Behörden für Tokio und mehrere andere Regionen erstmals die höchste Warnstufe ausgegeben. Mehr als sechs Millionen Bewohner des Landes war geraten worden, sich vor dem Wirbelsturm - der in Japan schlicht Taifun Nummer 19 genannt wird - in Sicherheit zu bringen.

Auch Vororte von Tokio wurden hart getroffen.
Auch Vororte von Tokio wurden hart getroffen.Bild: AP Kyodo News
Bild: EPA

Unterdessen nahm der Tokioter Flughafen Haneda am Sonntag wieder den Betrieb auf. Auch Bahnen und Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Shinkansen fuhren wieder, nachdem die Betreibergesellschaften den Betrieb am Vortag wegen des Taifuns deutlich eingeschränkt hatten.

Die Behörden hatten gewarnt, dass der Taifun Tokio und andere Gebiete im Osten Japans mit den schlimmsten Regenfällen seit jenem verheerenden Wirbelsturm überziehen könnte, der 1958 mehr als 1200 Menschen in der Region das Leben gekostet hatte. Viele Kaufhäuser und Läden in Tokio und Umgebung hatten am Samstag geschlossen. In manchen Geschäften der Hauptstadt waren Regale wie leer gefegt, da sich viele Bewohner vorsichtshalber mit Wasser und Lebensmitteln eindeckten. (oli/sda/afp/dpa/reu)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

50 Fotos, die dich auf eine wundersame Reise durch Japan mitnehmen: Anschnallen und eintauchen, bitte!

1 / 52
50 Fotos, die dich auf eine wundersame Reise durch Japan mitnehmen: Anschnallen und eintauchen, bitte!
quelle: http://www.sandrobisaro.com
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Japan acht Jahre nach Fukushima

Video: srf

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

22 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
orso129
13.10.2019 16:35registriert März 2019
...wir vor 30 Jahren schon von Klimaforschern prognosziziert: Erwärmung= mehr Energie in der Wettermaschine = heftigere Wetterextreme...
14379
Melden
Zum Kommentar
avatar
Garp
13.10.2019 18:20registriert August 2018
Ich bin dankbar, musste ich so etwas noch nie erleben.
524
Melden
Zum Kommentar
22
UN-Chef in Hiroshima spricht Klartext: «Menschheit spielt mit einer geladenen Waffe»
Vor 77 Jahren verwandelten die USA mit der ersten Atombombe in einem Krieg Hiroshima in eine Hölle. Heute nimmt die atomare Bedrohung wieder zu. Angesichts von Russlands Invasion in der Ukraine geht von einer Gedenkzeremonie in Hiroshima ein dringender Appell aus.

Angesichts der weltweiten Sorgen über ein neues atomares Wettrüsten hat die japanische Stadt Hiroshima der Opfer des Atombombenabwurfs vor 77 Jahren gedacht. «Krisen mit ernsten nuklearen Untertönen breiten sich schnell aus – vom Nahen Osten über die koreanische Halbinsel bis hin zur russischen Invasion in der Ukraine», sagte UN-Generalsekretär António Guterres am Samstag bei einer Gedenkzeremonie im Friedenspark von Hiroshima. «Die Menschheit spielt mit einer geladenen Waffe». Es war das erste Mal seit zwölf Jahren, dass ein UN-Chef an Hiroshimas jährlichem Gedenken teilnahm. Russland und sein Verbündeter Belarus waren nicht dazu eingeladen.

Zur Story