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Bald sind die Sommerferien in der ganzen Schweiz vorbei.
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Bild: Shutterstock

Wie gefährlich ist die Delta-Variante für Kinder? Zwei Schweizer Experten schätzen ein

Kinderspitäler in den USA sind am Anschlag: Wegen der Delta-Variante sind so viele Kinder in Behandlung wie noch nie im Verlauf der Pandemie. In der Schweiz ist die Lage in den Kinderspitälern noch ruhig. Doch mit Beginn des neuen Schuljahrs rechnet man dort mit einer Zunahme der Fälle.
18.08.2021, 20:49
Sabine Kuster und Christoph Bernet / ch media

Die Corona-Pandemie hat gezeigt: Bevor neue Probleme das eigene Land erreichen, gibt es andernorts Warnzeichen. So ist es auch mit der Delta-Variante und der Kinderfrage. In Amerika melden viele Kinderspitäler sie seien am Anschlag, noch nie hätten sie so viele Corona-kranke Kinder gehabt. Sie machen einen Fünftel der aktuelle Coronainfektionen in den USA aus. Während beispielsweise im Kinderspital in Arkansas im letzten Jahr an schlechten Tagen fünf bis sieben Kinder mit Corona behandelt werden mussten, sind es laut «The Atlantic» nun zwanzig bis dreissig, die Hälfte unter 12 Jahre alt.

Die hochansteckende Mutation trifft auch die Kinder. Unklar ist aber, ob «Delta» schlimmere Konsequenzen für die Kinder hat, oder ob einfach sehr viele betroffen sind, weil in Amerika die Fallzahlen emporschiessen.

Auch in der Schweiz, wo der Bundesrat letzte Woche die «Normalisierungsphase» ausgerufen hat, steigen die Zahlen steil an. «Nicht geimpfte Personen können sich jetzt nicht mehr auf den Schutz der staatlichen Institutionen verlassen», sagte Gesundheitsminister Alain Berset. Das Problem: Für Kinder unter 12 Jahren steht frühestens 2022 ein Impfstoff zur Verfügung. Zwar sagte Berset, ihr Schutz bleibe wichtig. Doch sieht der Bundesrat in erster Linie die Kantone in der Verantwortung, in deren Kompetenz die Bildung fällt.

Kaum noch Maskenpflicht in Schulhäusern

Die Massnahmen unterscheiden sich je nach Kanton stark: Die Maskenpflicht in Schulhäusern ist weitgehend aufgehoben. Und die flächendeckenden repetitiven Tests werden trotz mehrfacher Empfehlung des Bundesrats nicht überall eingesetzt. Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen oder Thurgau etwa setzen nur auf Ausbruchstestungen. CO2-Messgeräte zur Überprüfung der Luftqualität in Schulzimmern kommen nur vereinzelt zum Einsatz.

Ob die Kantone im neuen Schuljahr angesichts steigender Fallzahlen strengere Massnahmen beschliessen, ist unklar. Der Bundesrat jedenfalls will erst handeln, wenn «eine Überlastung der Spitalkapazitäten» droht.

«Fälle werden wieder zunehmen»

In den Schweizer Kinderspitälern ist das noch nicht der Fall. Sie sind zwar auch gut ausgelastet – aber aktuell immer noch mit den RS-Viren, die durch die Corona-Massnahmen im Winter ausgebremst wurden und erst jetzt auftreten.

Das Kinderspital Zürich hat aktuell zwei Kinder mit Corona, das Basler Kinderspital UKBB keines, das Berner Inselspital eines. Und Christoph Aebi, Chefarzt Infektiologie in Bern, sagt: Die meisten Kinder mit Corona seien nicht wegen Corona im Spital, sondern wegen etwas anderem. Denn schweizweit werden alle Kinder beim Spitaleintritt alle auf das Virus getestet und so werden auch symptomlose oder sehr milde Fälle entdeckt. Doch Christoph Aebi sagt:

«Die Fälle werden im Laufe dieser 4. Welle bestimmt wieder zunehmen. Aber wir haben aktuell keine Hinweise darauf, dass die Delta-Variante bei Kindern schwerer verläuft.»

In England beispielsweise verlief die Hospitalisierungsrate der unter 14-Jährigen in der Delta-Welle ähnlich wie beim letzten Peak im Januar.

Bei Kindern treten die Komplikationen, wenn, dann oft vier bis sechs Wochen nach der Infektion in Form einer Überschiessung des Immunsystems, dem PIMS auf. Deshalb zeigt sich die vierte Welle bei den Kindern verspätet in der Statistik.

PIMS ist sehr selten, aber von jenen Kindern, die hospitalisiert werden müssen, muss laut Aebi die Hälfte auf die Intensivstation behandelt werden. Weder in der Schweiz noch in Deutschland gab es bisher wegen PIMS Todesfälle. (Wegen Covid allgemein verzeichnet das BAG in der gesamten Pandemie bisher drei Todesfälle von Personen unter 18 Jahren.)

Viele andere Virusinfektionen wie die Grippe können bei Kindern ebenfalls ein schweres Entzündungssydrom hervorrufen (Kawasaki-Syndrom). «Die Krankheitsbilder sind ungefähr gleich», sagt Aebi.

Schlange vor dem Impfzentrum für Kinder und Jugendliche von 12 bis 15 Jahren am Zürcher Kinderspital.
Schlange vor dem Impfzentrum für Kinder und Jugendliche von 12 bis 15 Jahren am Zürcher Kinderspital.
Bild: keystone

«Ein Kampf gegen Windmühlen»

Die Frage, ob das Risiko für Kinder so hoch sei, dass man auch sie impfen solle, könne man nicht beantworten, sagt der Infektiologe. «Es ist sicher ein sehr geringes Risiko. Bei den unter 12-Jährigen sind schwere Verläufe noch seltener als bei Teenagern. Am Ende müssen die Eltern entscheiden, ob sie es mit einer Impfung verringern wollen oder nicht.»

Infektiologe Christoph Berger vom Kinderspital Zürich betont: «Am besten schützen Eltern ihre Kinder, wenn sie sich selber impfen.» Doch dass das Virus über kurz oder lang auch alle Kinder erreichen wird, davon sind beide überzeugt. Aebi sagt: «Die Eindämmungsmassnahmen wie Massentests an Schulen, CO2-Messgeräte oder Luftfilter in Schulzimmern sind aus meiner Sicht ein Kampf gegen Windmühlen. Sie werden die Durchseuchung höchstens verzögern.» (aargauerzeitung.ch)

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