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Ein Bild aus dem Jahre 2009. Damals ging es noch um die Wurst – am Sonntag geht es nur noch um die Koalition.
Ein Bild aus dem Jahre 2009. Damals ging es noch um die Wurst – am Sonntag geht es nur noch um die Koalition.Bild: AP

13 Fragen und Antworten, damit auch du über die Bundestagswahlen Bescheid weisst

24.09.2017, 07:4924.09.2017, 10:40

Diesen Sonntag heisst es in Deutschland: Urnen auf für die Bundestagswahlen 2017. Böse Zungen behaupten, es sei das grösste Ereignis ohne einen Funken Spannung. Wir wagen das zu bezweifeln. Vor allem wegen der Frage der Koalitionsbildung. Jetzt aber alles schön der Reihe nach ...

«Wählen die Deutschen einen neuen Bundeskanzler?»

Nein – indirekt aber schon. Bei den Bundestagswahlen 2017 wählen die deutschen Stimmbürger die mindestens 598 Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Diese wiederum wählen dann den oder die BundeskanzlerIn.

Die Anzahl Abgeordnete variiert aufgrund sogenannter Überhangmandate. Im Moment wird der Bundestag von 630 Abgeordneten besetzt.

Überhangmandate leicht erklärt:

«Gibt's was Besonderes, das man zum Wahlsystem wissen muss?»

Ja.

Stimmbürger in Deutschland haben bei den Bundestagswahlen zwei Stimmen. Eine Erst- und eine Zweitstimme: Mit der Erststimme wird der oder die Abgeordnete aus dem eigenen Wahlkreis gewählt (es gibt 299 Wahlkreise in Deutschland).

Mit der Zweitstimme wird die prozentuale Sitzverteilung der Parteien im Bundestag bestimmt. Nur Parteien, welche die 5-Prozent-Hürde schaffen oder 3 Wahlkreise gewinnen, erhalten Einzug in den Bundestag.

Erst- und Zweitstimme einfach erklärt:

«Erklär doch noch schnell die 5-Prozent-Hürde. Aber mach's kurz.»

Parteien, welche es nicht schaffen, auf Bundesebene fünf Prozent aller Zweit-Wählerstimmen auf sich zu vereinen, gehen leer aus. Ihre Stimmen verfallen komplett. Es sei denn, sie holen drei Direktmandate mit der Erststimme.

Die 5-Prozent-Hürde einfach erklärt:

«Schafft es Merkel nochmals?»

Es sieht ganz danach aus. Die Union (CDU & CSU) lag mit 36% Wähleranteil in allen Umfragen weit vor der stärksten Gegenpartei, der SPD (ungefähr 22%). Laut Umfragen drittstärkste Kraft könnte mit 11 Prozent die AfD werden.

Ein leider undatiertes Foto: Die junge Noch-nicht-Bundeskanzlerin Merkel erklärt ihrem alten Mentor Helmut Kohl die Welt.
Ein leider undatiertes Foto: Die junge Noch-nicht-Bundeskanzlerin Merkel erklärt ihrem alten Mentor Helmut Kohl die Welt.Bild: AP/AP FILES

«Waaaaas, die AfD!!!»

Jup.

Sie holt Stimmbürger am rechten Rand des Spektrums ab, während «die Linke» (prognostizierte 10%) das Gegenextrem beackert.

«Aber die AfD holt sicher noch mehr Stimmen – weil man doch bei einer Umfrage nicht zugibt, AfD-Wähler zu sein.»

Das ist gut möglich. Die Umfrageinstitute haben aber aus dem Trump-Debakel gelernt. In verschiedenen Umfragen wird dieser Verzerreffekt bereits mit einberechnet.

«Was ist überhaupt so schlimm an der AfD?»

Noch Fragen?

«Nochmals zu Merkel – wie kann sie gewählt werden, mit ‹nur› 36 Prozent?»

Tatsächlich kann Frau Merkel mit 36 Prozent nicht siegessicher sein. Erst durch eine Koalition – einem Vertrag. der die Zusammenarbeit mit einer oder mehreren anderen Parteien regelt – wird sie die nötigen Stimmen im Bundestag erzielen. In der Regel stellt aber die Partei den Kanzler oder die Kanzlerin, welche die meisten Stimmen erhält.

2005: Angela Merkel legt den Eid ab und wird Bundeskanzlerin.
2005: Angela Merkel legt den Eid ab und wird Bundeskanzlerin.Bild: AP/AP

«Was ist, wenn sich alle anderen Parteien gegen Merkels Union verbünden?»

Das wäre theoretisch möglich – ist aber mehr als unwahrscheinlich. SPD, Grüne, FDP, die Linke und die AfD teilen sehr unterschiedliche Grundwerte, welche in einer Koalition nur schwer vereinbar wären. Von einem Koalitionspartner AfD haben sich bereits im Vorfeld diverse Parteien distanziert.

Martin Schulz: Mehr als nur ein freundlicher Gegenspieler ist er für Merkel nicht.
Martin Schulz: Mehr als nur ein freundlicher Gegenspieler ist er für Merkel nicht.Bild: AP/AP FILES

«Welche Koalition ist die wahrscheinlichste?»

Das ist die spannendste Frage dieser Wahlen. In den letzten Jahren wurde Deutschland von einer sogenannt grossen Koalition der Union (CDU & CSU) und der SPD regiert. Viele Experten halten eine Neuauflage dieser Koalition für sehr wahrscheinlich – auch wenn SPD-Chef Schulz sich im Wahlkampf verschiedentlich davon zu distanzieren bemühte.

Schaffen sowohl FDP wie auch die Union sehr gute Resultate, ist auch eine schwarz-gelbe Koalition (Union = Schwarz, FDP = gelb) denkbar. Ebenfalls im Bereich des Möglichen ist die sogenannte Jamaika-Koalition. Eine Ampel-Koalition kann aufgrund der Umfragewerte ausgeschlossen werden.

«Jamaika-Koalition? Ampel-Koalition?»

Jeder Partei in Deutschland wird eine Farbe zugeordnet.

  • Schwarz: Union (CDU & CSU)
  • Rot: SPD
  • Gelb: FDP
  • Grün: Bündnis 90/Die Grünen
  • Blau: AfD
  • Rot: die Linke

Unter einer Jamaika-Koalition versteht man die Zusammenarbeit von Union (schwarz), FDP (gelb) und den Grünen (grün) – die Farben der Nationalflagge von Jamaica. Die Ampelkoalition besteht selbstredend aus Rot (SPD), Gelb (FDP) und Grün (Bündnis 90/die Grünen).

Die Parteiprogramme der Grünen und der FDP sind in verschiedenen Bereichen (z.B. Umweltschutz) diametral entgegengesetzt. Eine Zusammenarbeit wurde von beiden Spitzenkandidaten (Özdemir & Lindner) als sehr unwahrscheinlich bezeichnet.

«Wann werden die Resultate bekannt gegeben?»

Die Urnen schliessen am Sonntag um 18 Uhr. Gleich danach wird es erste Trendmeldungen geben und wenige Minuten später folgen die ziemlich genauen Hochrechnungen. 2013 stand Merkels Sieg bereits um 18.15 Uhr fest. Von watson erhältst du dann natürlich einen Push. Zuvor werden wir mit einem Ticker dafür sorgen, dass du nichts verpasst an diesem Tag.

Bild: AP/AP

«Wen würde ich wohl wählen?»

Finde es heraus! Mit dem Wahl-O-Mat. Mach den Test hier. Viel Spass!

Der Autor dieser Zeilen hat übrigens mit der Piratenpartei die höchste Übereinstimmung (75%). Das wäre dann der Herr im Pulli.
Der Autor dieser Zeilen hat übrigens mit der Piratenpartei die höchste Übereinstimmung (75%). Das wäre dann der Herr im Pulli.Bild: EPA/EPA

Das erste Treffen von Merkel und Macron

Video: watson
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