DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wer die Strassen mehr verstopft, muss mehr bezahlen.
Wer die Strassen mehr verstopft, muss mehr bezahlen.Bild: KEYSTONE

Verkehrsexperte: «Mobility Pricing ist fair: Jeder bezahlt den Verkehr, den er verursacht»

Schluss mit verstopften Strassen und Zügen. Der Bund macht ernst in Sachen Verkehrsbekämpfung. Das Zauberwort heisst Mobility Pricing. Warum wir lieber aufhören uns dagegen zu wehren, sagt Verkehrsexperte Ueli Haefeli. 
30.05.2015, 09:3430.05.2015, 09:45

Herr Haefeli, der Bund will, dass Pendler in verstopften Zügen mehr für ihr Ticket bezahlen als die anderen. Wie soll einem das in den Kopf gehen? 
Ueli Haefeli: Die Frage trifft den Nerv. Genau deswegen findet Mobility Pricing zurzeit wenig Akzeptanz. Pendler, die ohnehin fast keinen Sitzplatz finden, empfinden es als ungerecht, mehr für ihr Zugticket bezahlen zu müssen als die anderen.

Sie bezahlen ja auch mehr für eine schlechtere Leistung. 
Fakt ist, sie verursachen in diesem Moment ungleich mehr Verkehr als die anderen, und dies müssen sie bezahlen. Knappes Gut wird teurer, das ist marktwirtschaftlich ganz normal.

«Die Verkehrsinfrastruktur hat ihre Kapazitätsgrenzen bald erreicht.»
Ueli Haefeli

Die Leute müssen zur Arbeit. Wer kann schon um 11 Uhr bei der Arbeit eintrudeln, um die Spitzenzeiten im Zug zu umgehen? Man müsste die Arbeitgeber zwingen, auch mitzuspielen.  
Warum? Es zwingt Sie auch niemand, auf dem Land oder weit entfernt von ihrem Arbeitsplatz zu wohnen. Die Verkehrsinfrastruktur hat ihre Kapazitätsgrenzen bald erreicht. Aber wenn Sie schon Arbeitgeber ansprechen: Mobility Pricing könnte zum Lohnelement werden: Einem unverzichtbaren Mitarbeiter bezahlt ein Unternehmer vielleicht den Aufschlag. Wenn nicht, verlegt der Mitarbeiter seinen Wohnort vielleicht näher zum Arbeitgeber. 

Verkehrsexperte Ueli Haefeli.
Verkehrsexperte Ueli Haefeli.Bild: pd
Zur Person
Der promovierte Historiker Ueli Haefeli leitet seit 2001 den Bereich Verkehr, Umwelt und Energie beim privaten Forschungsinstitut Interface in Luzern. Seine Schwerpunkte liegen bei der Evaluation von Verkehrsprojekten, bei der Analyse von Verkehrstrends und Mobilitätsverhalten sowie bei Fragen der Nachhaltigkeit und der Mobilitätsberatung. (rar) 

Das klingt etwas gar einfach. Warum stösst Mobility Pricing dann hier auf so grosse Ablehnung? 
Einen der Gründe haben wir schon angesprochen. Ein weiterer liegt im alten Stadt-Land-Konflikt. Das Land befürchtet, stärker zur Kasse gebeten zu werden als die Stadt, weil die Leute mehr Kilometer mit dem Auto zurücklegen. Es gibt aber Pricing-Modelle, die solche Unterschiede ausgleichen. Der Bund ist aber noch wenig konkret in diesen Fragen. 

«Die Alternativen wären, die Abgaben auf dem Benzin nochmals zu erhöhen, oder noch mehr Steuermittel in den öffentlichen Verkehr zu stecken.»
Ueli Haefeli

Führt kein Weg an Mobility Pricing vorbei? 
Nicht, wenn wir weniger Stau und ein so komfortables Zugreisen wollen. Irgendwann müssen wir in den sauren Apfel beissen. Die Alternativen wären, die Abgaben auf dem Benzin nochmals zu erhöhen, oder noch mehr Steuermittel in den öffentlichen Verkehr zu stecken. Mobility Pricing ist fair: Jeder bezahlt den Verkehr, den er verursacht, und das Verkehrswachstum wird nicht zusätzlich durch Subventionen angeheizt. 

Bei den Flugtickets regt sich keiner auf, wenn sie in der Hochsaison teurer verkauft werden. Warum? 
Weil das Modell so gewachsen ist. Und natürlich auch, weil der Durchschnittsschweizer vielleicht einmal im Jahr fliegt. 

In London kennt man das Road Pricing auf dicht befahrenen Strecken in der Innenstadt bereits. Warum hat es da funktioniert? 
Weil es nicht per Volksabstimmung durchgesetzt werden musste und weil der Problemdruck grösser war. An der Urne haben es solche Anliegen sehr schwer, denn sie sind sehr emotional aufgeladen. 

No Components found for watson.appWerbebox.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Mann ignoriert 64 rote Lichtsignale und fährt durch gesperrten Gotthard-Tunnel
Ein 25-Jähriger ist in der Nacht auf Donnerstag fast komplett durch den gesperrten Gotthard-Tunnel gefahren. Wenige hundert Meter vor der Tunnelausfahrt wendete er und fuhr zurück.

Der Gotthard-Strassentunnel war in der Nacht auf Donnerstag von 23 bis 1 Uhr in beide Fahrtrichtungen wegen Ausnahmetransporten gesperrt. Dennoch bemerkte die Kantonspolizei Uri um etwa 00.30 Uhr, wie ein Auto mit deutschen Kontrollschildern in den gesperrten Tunnel einfuhr.

Zur Story