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Und am Ende jubeln sie doch: Spanien erlebte gegen Kroatien Höhen und Tiefen.
Und am Ende jubeln sie doch: Spanien erlebte gegen Kroatien Höhen und Tiefen.
Bild: keystone

«Wir mussten leiden» – Spanien gewinnt verrücktes 8-Tore-Spektakel gegen Kroatien

Mit einer 3:1-Führung nach 77 Minuten scheint Spanien gegen Kroatien so gut wie sicher gewonnen zu haben. Aber der EM-Achtelfinal in Kopenhagen geht als Krimi zu Ende. Der Favorit gewinnt schliesslich doch noch – 5:3 nach Verlängerung.
28.06.2021, 17:1528.06.2021, 22:56

Nach den aufwühlenden 120 Minuten lagen sich die Spanier müde und glücklich in den Armen. Aber wohl keiner von ihnen war so glücklich und erleichtert wie Goalie Unai Simon, der nach 20 Minuten eines der spektakulärsten Eigentore auf WM- oder EM-Niveau erzielt hatte.

Mit ihrer Gesamtleistung über 120 Minuten bestätigen die Spanier die beim 5:0 gegen die Slowakei gezeigte Steigerung und zogen mit dem hochverdienten Sieg gegen den WM-Finalisten Kroatien in die Viertelfinals ein. Die Spanier bewiesen in doppelter Hinsicht, dass die Verfassung der Spieler und der Mannschaft gut ist: Sie drehten zuerst ein 0:1 in ein 3:1. Und in der Verlängerung zeigten sie sich von den beiden kroatischen Toren gegen Ende der regulären Spielzeit gut erholt.

Busquets über das Spiel:

«Es war ein sehr physisches und ein schweres Spiel, aber ich finde den Sieg sehr verdient. Leider haben wir es verpasst ein viertes Tor nachzulegen. Wir haben einen grossartigen Charakter gezeigt und verbessern uns bei diesem Turnier von Spiel zu Spiel. Zum Glück können wir uns nun einige Tage erholen.»

Oyarzabal über das Spiel:

«Wir mussten leiden. In der Verlängerung waren wir die bessere Mannschaft und haben es verdient, weiterzukommen.»

In dieser Verlängerung legten der bisweilen gescholtene Alvaro Morata und der eingewechselte Mikel Oyarzabal abermals zwei Tore vor. Auf diese hatten die Kroaten keine Antwort mehr, auch wenn sie noch zu Chancen kamen. Die einzige Schwäche leisteten sich die Spanier nach dem vermeintlich entscheidenden 3:1 von Ferran Torres. Sie verfielen in eine Passivität und ermöglichten auf diese Weise den Kroaten ein Schlussfurioso, in dem Mislav Orsic und – in der 92. Minute Mario Pasalic – je einmal trafen.

Einzigartiger Lapsus

Aus den ersten 20 Minuten notierte man drei gute Chancen für Spanien, keine für Kroatien. Um in dieser 20. Minute in Führung zu gehen, mussten die Kroaten keine Flanke schlagen und keinen Pass spielen, geschweige denn auf das Tor schiessen. Vielmehr wurde die Fussballwelt Zeuge eines der bittersten Eigentore an einem grossen Turnier. Pedri spielte den Ball aus über 30 Metern mit einem Dutzend-Rückpass zu Unai Simon, dem jungen Goalie von Athletic Bilbao, zurück.

Busquets zum Eigentor:

«Unai hat breite Schultern und eine gute Mentalität. Es war super, welche Reaktion er gezeigt hat. Er hat so getan, als ginge das Spiel neu los, und uns damit sehr geholfen.»

Dieser durfte den Ball nicht in die Hände nehmen. Zu stoppen vermochte er ihn allerdings auch nicht. Er berührte den Ball bei dieser ungelenken Aktion gerade noch mit dem rechten Zeh, trotzdem wurde der schuldlose Pedri als Eigentorschütze in die Statistik aufgenommen. Damit erzielte der Youngster ein Eigentor aus 44 Metern, die längste bisher gemessene Distanz bei einer EM.

Bereits neun Eigentore an dieser Endrunde
Das Eigentor Spaniens zum 0:1 im Achtelfinal gegen Kroatien in Kopenhagen war bereits das neunte an dieser Endrunde. Damit fielen an diesem über den ganzen Kontinent verteilten Turnier so viele Eigentore wie an allen vorherigen Endrunden zusammen.

Mit neun Treffern führt «Own Goal» nun natürlich auch die Torschützenliste an, mit neun Treffern wurde auch Michel Platinis EM-Rekord von 1984 egalisiert.

Die Kroaten – auch der zuletzt ausschliesslich gelobte Luka Modric – blieben bis vor die Schlussoffensive fast alles schuldig. Bei ihrer bis zum 1:3 besten Szene, nach 67 Minuten, ermöglichten sie es Unai Simon, sich für den riesigen Lapsus zu rehabilitieren. Simon wehrte einen Schuss von Verteidiger Josko Gvardiol aus kurzer Distanz mit einer erstklassigen Parade ab.

Enrique muss weiter liefern

Die Qualifikation für die Viertelfinals ist für die Spanier, die drei letzte letzten sechs grossen Turniere gewonnen haben, nicht das oberste Ziel. Und so wird Luis Enrique auch in den nächsten Tagen auf einem schmalen Grat gehen.

Nach irgendeiner Niederlage an dieser EM wird der Nationalcoach mit reicher Vergangenheit beim FC Barcelona noch einmal sagen und begründen müssen, wieso er alle valablen Spieler von Real Madrid zu Hause gelassen hat. Sergio Ramos, Marco Asensio, Isco und Daniel Carvajal haben in der Summe 269 Länderspiele bestritten. Ramos darf sich Weltmeister und zweifacher Europameister nennen und hat in den gewonnenen Finals alle 300 Minuten absolviert.

Im Achtelfinal hat Luis Enrique alles richtig gemacht.
Im Achtelfinal hat Luis Enrique alles richtig gemacht.
Bild: keystone

Das Telegramm:

Kroatien - Spanien 3:5 (3:3, 1:1) n.V.
Kopenhagen. - 22'771 Zuschauer. - SR Cakir (TUR).
Tore: 20. Pedri (Eigentor) 1:0. 38. Sarabia 1:1. 57. Azpilicueta 1:2. 77. Ferran Torres 1:3. 85. Orsic 2:3. 90. Pasalic 3:3. 100. Morata 3:4. 103. Oyarzabal 3:5.
Kroatien: Livakovic; Juranovic (73. Brekalo), Vida, Caleta-Car, Gvardiol; Brozovic; Modric (114. Ivanusec), Kovacic (79. Budimir); Vlasic (79. Pasalic), Petkovic (46. Kramaric), Rebic (67. Orsic).
Spanien: Simon; Azpilicueta, Garcia (71. Pau Torres), Laporte, Gaya (77. Jordi Alba); Koke (77. Ruiz), Busquets (101. Rodri), Pedri; Ferran Torres (88. Oyarzabal), Morata, Sarabia (71. Olmo).
Bemerkungen: Kroatien ohne Lovren (gesperrt) und Perisic (Coronavirus). 120. Pfostenschuss Olmo. Verwarnungen: 73. Brozovic (Reklamieren). 84. Caleta-Car (Foul). (pre/sda)

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