DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08876668 Medical staff takes a Covid-19 quick test during Covid-19 mass testing, in Zuoz, Switzerland, 11 December 2020. Three regions in the canton of Grisons will be mass tested during three days. The test is voluntary.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Testen, testen, testen: Wie es Graubünden macht, sollte es auch in der restlichen Schweiz passieren. Bild: keystone

Kommentar

Warum man à la Graubünden die Schweizer Bevölkerung durchtesten sollte

Die Kantone tun gut daran, ihre Bevölkerung massenhaft gegen das Coronavirus zu testen. Scheu vor Kosten und Aufwand sind fehl am Platz.



Der Gesundheitsminister Alain Berset hat es selbst gesagt: Die Coronatests sind eine wichtige Waffe im Kampf gegen die Pandemie. Das zeigt auch die Teststrategie des Kantons Graubünden. Seit dem ersten Februar ist die Zahl der Ansteckungen im Bündnerland um rund 60 Prozent gesunken. 26'038 Mitarbeitende von 513 Firmen wurden Stand Donnerstagvormittag bereits getestet. 34 davon waren positiv.

Die PCR-Spucktests in Graubünden helfen auch Personen zu finden, die keine Symptome haben, das Virus aber trotzdem weitergeben könnten. Indem sie sich in Isolation begeben, können sie auch keine weiteren Personen anstecken.

Während andere Kantone weiterhin nur gezielt testen wollen, von Massentests wenig halten oder sich erst kürzlich überhaupt über allfällige Testkonzepte beugten, zeigt Graubünden, wie es gehen könnte.

Zwar hat das BAG grundsätzlich den Nutzen von präventiven Tests erkannt und übernimmt seit Ende Januar auch einen Teil der Kosten. Wirklich eingesetzt für das Bündnermodell hat sich das Gesundheitsministerium aber nicht. Man zweifelt am Kosten-Nutzen-Verhältnis der Massentests. Bei einer bedingungslosen Finanzierung der Tests könne es «sehr schnell, sehr teuer werden», so das BAG. Departementchef Berset rechnet mit einer Milliarde Schweizer Franken, die in den «nächsten Monaten» für die Tests ausgegeben werden müssten.

Hat der Bund, sagen wir bis Ende Juni, die Milliarde ausgegeben, hätten die Massentests monatlich 200 Millionen Franken gekostet. Das ist ein Achtel von dem, was die Schweiz monatlich einen Lockdown kostet.

Gemäss der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) verpuffen alle 30 Tage 1,4 bis 1,8 Milliarden Schweizer Franken. Und das sind nur die Kosten für die Einkommens- und Wertschöpfungsverluste. Von den schwer finanziell zu beziffernden Corona-Todesopfer, die Long-Covid-Fälle oder die psychischen Auswirkungen auf die Gesellschaft einmal ganz zu schweigen.

Die Schweizer Bevölkerung regelmässig durchzutesten, wäre nicht nur viel günstiger als ein Lockdown. Die Massentests würden auch dazu führen, dass die Massnahmen schrittweise gelockert werden könnten. Denn das Beispiel Graubünden zeigt, dass die Infektionszahlen sinken, wenn asymptomatische Personen rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen werden.

Das Bündnermodell muss Schule machen. Denn Martin Bühler, Chef des kantonalen Führungsstabs und verantwortlich für die Massentests sagt es richtig: Der Aufwand der Behörden oder die Kosten für die Massentests sollten keine Rolle spielen. Es geht darum, möglichst schnell einen Weg aus der Pandemie zu finden.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

«Bleiben Sie zuhause!»: Corona in der Schweiz in Zitaten

«Corona schisst a»: Eine Nacht am Bahnhof Stadelhofen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Gespannt wartet die Schweiz jeweils auf die neuesten Corona-Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Diese widerspiegeln die Realität jedoch überhaupt nicht.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat am Mittwochnachmittag die neuesten Infektionszahlen zum Coronavirus herausgegeben. Demnach wurden in der Schweiz bisher 3028 Personen positiv getestet.

In der Schweiz haben sich jedoch bereits viel mehr Menschen mit dem neuen Coronavirus infiziert als die angegebenen 3028 Personen. Wie viele das sind, ist derzeit nicht zu sagen. Betreffend den Infektionszahlen befinden wir uns – und die meisten anderen Ländern auch – auf einem Blindflug.

Das hat unter …

Artikel lesen
Link zum Artikel