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Stefan Strebel ist tot – ein Nachruf auf einen Schwingsport-Visionär

Stefan Strebel, Technischer Leiter des Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfests ESAF 2022 in Pratteln posiert fuer ein Portrait, aufgenommen am Freitag, 5. August 2022 in Lenzburg. (KEYSTONE/Michael ...
Stefan Strebel hat den Schwingsport nachhaltig verändert. Nun ist er viel zu früh verstorben.Bild: keystone

Stefan Strebel ist tot – er war ein Visionär, der den Schwingsport weiterbrachte

Stefan Strebel war keiner, der verwaltete. Er wollte den Schwingsport verändern. Nun ist der langjährige Technische Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands im Alter von 49 Jahren viel zu früh verstorben. Ein Nachruf.
07.05.2026, 11:2807.05.2026, 13:28
Martin Probst
Martin Probst

Stefan Strebel träumte gerne gross. Nun ist er viel zu früh verstorben. Mit 49 Jahren hat sein Herz aufgehört zu schlagen. Mit Strebel verliert der Schwingsport eine der prägendsten Figuren. Sechs Jahre lang war der Aargauer Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands.

Strebel war ein Visionär. Nichts mochte er weniger als Stillstand. «Ich bin kein Verwalter», pflegte er zu sagen. Strebel ging neue Wege. Vor fünf Jahren sagte er: «Ich bin der erste hohe Schwingsport-Funktionär, der auf Instagram ist. Dafür wurde ich von Kollegen teilweise heftig kritisiert.»

So mancher im Schwingen, in einem Umfeld, das Reformen noch immer scheut, wünschte Strebel zuweilen ins Pfefferland. Zum Beispiel dann, wenn er sich nicht scheute, ungeschriebene Gesetze und vermeintliche Tabus zu brechen. Die gleichen Kritiker müssen allerdings anerkennen, dass kaum ein anderer den Schwingsport in den vergangenen Jahren deutlicher vorangebracht hat als Strebel. Gerade, weil er anders dachte.

Die Liebe zum Fussball hat ihn geprägt

Dem Schwingsport war Strebel zeit seines Lebens eng verbunden. Gleichzeitig gab es kaum ein Gespräch mit ihm, in dem es nicht früher oder später auch um Fussball ging. Zlatan Ibrahimović, der schwedische Nonkonformist mit turmhohem Selbstvertrauen, war sein Idol. Beim SC Freiburg besass Strebel eine Saisonkarte. Sein Sohn spielt beim FC Wohlen.

Vielleicht war es die Liebe zum Fussball, die Strebel ermutigte, neue Wege zu gehen. Er forderte eine professionellere Ausbildung der Kampfrichter und eingespielte Trios, wie es sie im Fussball gibt. Als der gelernte Metzger die Idee vor Jahren erstmals aufbrachte, wurde er belächelt. Vor dem Eidgenössischen im vergangenen Herbst in Mollis wurde sie zur Realität.

Strebel genoss die Kontroverse. «Ich bin einer, der sagt, was er denkt. Ich lasse mir nicht das Wort verbieten.» Und Strebel genoss den öffentlichen Auftritt. Wenn er vor eidgenössischen Schwingfesten live im Fernsehen die Spitzenpaarung des ersten Gangs präsentieren durfte, tat er das mit geschwellter Brust. Wer ihn kannte, weiss, wie sehr ihm das schmeichelte.

Doch Strebel ging es in seinem Wirken – anders als von manchen kritisiert – nicht um sich selbst. Während der Coronapandemie war er einer der Vordenker, wenn es darum ging, den Sport schrittweise zu öffnen. «Mein Job ist, dass so viele wie möglich schwingen dürfen», sagte er. Es war dann auch Strebels Verdienst, dass 2021 mit dem Aargauer Kantonalen ein Schwingfest als erster Event der Schweiz wieder vor Zuschauern stattfand.

Der Technische Leiter des Eidgenoessischen Schwingervebands (ESV), Stefan Strebel vor dem 1. Gang beim Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest 2025 Glarnerland (ESAF), am Samstag, 30. August 2025, i ...
Stefan Strebel war massgeblich daran beteiligt, dass der Schwingsport nach der Coronapandemie wieder stattfinden durfte.Bild: keystone

Mit seinen Ideen war Strebel, der eine Ehefrau und zwei Kinder hinterlässt, der Zeit oft einen Schritt voraus. Dazu gehörte auch, dass er regelmässig zurückgepfiffen wurde. Allen voran von den Kollegen im Zentralvorstand des Eidgenössischen Schwingverbands. Ursprünglich war es Strebels Ziel, dereinst auch Obmann des Verbands zu werden. Als sich 2025 dann aber eine Kampfwahl um das Amt abzeichnete, zog er sich freiwillig zurück.

Vor dem Eidgenössischen brach er ein letztes Tabu

Vor zwei Monaten endete auch Strebels Amtszeit als Technischer Direktor des Eidgenössischen Schwingverbands. Vielleicht hat ihn das ständige Anrennen gegen interne und externe Kritik ermüdet. Eine Antwort werden wir nicht mehr erhalten. Strebel selbst begründete den Schritt damit, kürzerzutreten zu wollen. Er freute sich, künftig nur noch Zuschauer zu sein. Ein Fan, wie im Fussball. Dieser Chance wurde er nun jäh beraubt.

Als Aktiver gewann Strebel während seiner Karriere drei Kranzfeste und dreimal den eidgenössischen Kranz. 2005 trat er zurück und startete seine Funktionärskarriere. Vor dem Eidgenössischen Schwingfest 2025 in Mollis brach Strebel ein letztes Mal ein ungeschriebenes Gesetz. Für Joel Wicki, der drei Jahre zuvor Schwingerkönig wurde, wählte er im ersten Gang Michael Moser als Gegner. Moser war zu jenem Zeitpunkt noch nicht einmal Eidgenosse. Strebels ungewöhnliche Wahl erzürnte viele Gemüter.

Doch Strebel widerstand dem Sturm. Wie er das so oft tat. Diese Widerstandsfähigkeit wird dem Schwingsport fehlen. Strebel wird fehlen. (aargauerzeitung.ch)

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