Gesellschaft & Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Schweizer MEM-Industrie mit massivem Gegenwind - Aufträge brechen weg



Mitarbeiter der Oerlikon Space AG in Zürich kontrollieren Nutzlastverkleidungen für Ariane 5 Trägerraketen. Solche werden nächsten Dienstag zusammen mit anderen Komponenten mit dem Satelliten EDRS-C in den Orbit reisen. (Archivbild)

Bild: KEYSTONE

Für die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) wird die Lage schwierig. Der konjunkturelle Gegenwind und der starke Franken lassen den bereits in den vergangenen Quartalen rückläufigen Auftragseingang regelrecht einbrechen. Und eine Besserung ist nicht in Sicht.

So fielen die Auftragseingänge im ersten Halbjahr um 12.5 Prozent. Nachdem im ersten Quartal allerdings noch ein vergleichsweises moderates Minus von 5.1 Prozent resultiert hatte, stürzte der Bestellungseingang im zweiten Quartal um beinahe 20 Prozent ab. Allerdings war das Vorjahr stark gewesen.

Trotz dieses Basiseffekts sei der Rückgang massiv, teilte der Branchenverband Swissmem am Mittwoch mit. Einerseits schwächele die Konjunktur und andererseits hätten sich die wirtschaftspolitischen Risiken jüngst akzentuiert, was zu einer Aufwertung des Frankens geführt habe.

Keine Trendwende in Sicht

Eine Trendumkehr zeichnet sich derzeit nicht ab, im Gegenteil: Die erwähnten Faktoren würden die Erwartungen für die kommenden Monate eintrüben, hiess es. Der Dachverband der Industrie geht deshalb davon aus, dass die Nachfrage in den kommenden Monaten noch weiter zurückgehen werde. Sofern es nicht zu grösseren politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen komme, sei für die nächsten zwölf Monate «eine Stabilisierung auf tieferem Niveau das bestmögliche Szenario», lautet das pessimistische Fazit.

Bei den Umsätzen sieht die Lage noch nicht so dramatisch aus, weil die Unternehmen noch vom guten Auftragsbestand des Vorjahres zehren. Auf das Semester gesehen reduzierten sich die Verkäufe in der MEM-Industrie um 1.9 Prozent. Auch hier ergab sich vom ersten Quartal (-1.1 Prozent) zum zweiten (-2.6 Prozent) eine Verschlechterung, wenn auch weniger ausgeprägt als bei den Bestellungen. Insgesamt sind von der negativen Entwicklung die Grossfirmen wie die KMU gleichermassen betroffen.

Tiefe Auslastung der Werke

Der sinkende Auftragseingang wirkt sich auch auf die Kapazitätsauslastung als wichtigen Kennwert für die Unternehmen aus. Nach einem hohen Wert von knapp 92 Prozent per Ende 2018, lag diese Mitte Jahr noch bei 86.6 Prozent und gemäss einer Umfrage von Swissmem im Juli lediglich noch bei 83.7 Prozent. Dies ist deutlich weniger als der langjährige Durchschnitt von 86.4 Prozent.

Die tiefe Auslastung dürfte sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Im ersten Quartal - neuere Zahlen liegen noch nicht vor - beschäftigte die MEM-Industrie noch mehr Leute als ein Jahr davor. Aufgrund der rückläufigen Aufträge und der geringeren Auslastung ist jedoch nicht mit einem weiteren Stellenwachstum zu rechnen. Laut Swissmem haben einzelne Firmen einen Stellenabbau und Kurzarbeit bereits beschlossen.

Die Güterexporte gaben im ersten Semester um 1.0 Prozent auf knapp 34.5 Milliarden Franken nach. Dabei exportierten von den verschiedenen Branchen die Metallunternehmen, der Maschinenbau und der Bereich Elektrotechnik/Elektronik weniger. Einzig der Bereich Präzisionsinstrumente legte leicht zu. Regional gesehen erhöhten sich die Ausfuhren lediglich Richtung USA, wogegen die Exporte in die EU und nach Asien abnahmen.

«Die jüngste Entwicklung gibt Anlass zu grosser Sorge», wird in der Mitteilung Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher zitiert. Und Swissmem-Präsident Hans Hess doppelt mit einem Appell an die hiesige Politik nach. «Wir wollen keine Subventionen. Aber wir wollen bessere Rahmenbedingungen. Und wir brauchen Klarheit beim Verhältnis zur EU», erklärte Hess. Insbesondere verlangt er eine Unterzeichnung des Rahmenabkommens mit der EU noch vor Ende Oktober. (aeg/sda/awp)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Dieses Projekt im Jura soll die Klimawandel verhindern

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fe2 28.08.2019 16:07
    Highlight Highlight Die letzten 3 Jahren waren in unserem kleinen Betrieb mit Abstand die mit dem meisten Umsatz. Wir mussten so viele Aufträge absagen weil wir gar keine Leute fanden in der Branche. Und das ging allen in der Region so.
    Ich bin froh wird es jetzt wieder etwas ruhiger und man kann seine Überzeit abbauen.

  • GraveDigger 28.08.2019 14:20
    Highlight Highlight ähm... Rohstoffe werden in der regel in € oder $ bezahlt. von daher kann die Frankenstärke nur das kleinere Übel sein. Liegt wohl eher daran das die meisten Länder aus dem letzten Loch pfeifen. Allen voran Deutschland, das ein grosser Abnehmer ist unserer Maschinen etc. und da wird auf Teufel komm raus die Autoindustrie an die Wand gefahren. Ausserdem liegt das Geld nicht mehr so locker da wird es noch einige Zombies in den Abgrund reissen.
    • Grötzu 28.08.2019 22:24
      Highlight Highlight Stimmt, aber wieder ins Ausland geliefert. Somit ergibt sich ein Einbruch. Bezahlt wird in EUR, aber die Löhne, Miete, AHV Steuer etc Miete, Kredite, etc in CHF
  • Sophon 28.08.2019 13:03
    Highlight Highlight "Der konjunkturelle Gegenwind und der starke Franken lassen den bereits in den vergangenen Quartalen rückläufigen Auftragseingang regelrecht einbrechen." -

    Also haben sie nun mehr Aufrtäge.
    • Grötzu 28.08.2019 22:24
      Highlight Highlight Quatsch
  • Auric 28.08.2019 10:42
    Highlight Highlight Wo ist das Problem? die produzieren ja doch nur CO2 oder CO2 prodzierende Dinge.
    Wenn die endlich aufhören würden und Bio-Schafwolle Socken produzieren würden könnten wir die Klimakatastrophe abwenden.
    • FrancoL 28.08.2019 14:09
      Highlight Highlight Schreiben Sie gerne? Wenn ja dann schreiben Sie doch etwas sinnvolles.

Analyse

Trio infernal: Trump, Putin – und die Deutsche Bank

Der russische Geheimdienst hat in Afghanistan ein Kopfgeld auf amerikanische Soldaten ausgesetzt. Warum reagiert der US-Präsident nicht? Und welche Rolle spielt die Deutsche Bank?

Am vergangenen Freitag hat die «New York Times» einmal mehr eine News-Bombe platzen lassen: Gemäss einer streng vertraulichen Einschätzung sind die amerikanischen Geheimdienste zur Überzeugung gelangt, dass eine russische Spionageeinheit den Taliban ein Kopfgeld für getötete amerikanische Soldaten und andere Nato-Militärs versprochen hat.

Präsident Donald Trump soll bereits im März darüber informiert worden sein. In den vergangenen drei Jahren sind gegen 30 US-Soldaten getötet worden. Ob …

Artikel lesen
Link zum Artikel