Über 30 Grad: Warum die Schweiz trotzdem keine Hitzewelle erlebt
Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) spricht erst von einer Hitzewelle, wenn an mindestens drei Tagen in Folge eine Tagesmitteltemperatur von 25 Grad oder mehr erreicht wird. Wenn die Kriterien nur für eine maximale Zeitdauer von zwei Tagen erfüllt sind, wird dies als kurze Hitzeperiode bezeichnet.
Das entscheidende Wort ist Mitteltemperatur: Hier zählt der Durchschnitt von vollen 24 Stunden – inklusive der kühlen Nacht- und Morgenstunden. Auch wenn die Temperaturen den Tag über an vielen Messstationen auf über 30 Grad stiegen, wurde die offizielle Schwelle klar verfehlt.
So erreichten beispielsweise die Temperaturen an der Messstation Basel-Binningen am Dienstag 32.5 Grad. Die Tagesmitteltemperatur lag hingegen mit 24.2 Grad unter der 25-Grad-Schwelle. An der Messstation in Sion wurden am Dienstag sogar 33.9 Grad erreicht – auch hier lag aber die Tagesmitteltemperatur mit 24.7 Grad Celsius deutlich unter der Hitzewelle-Schwelle. An den Tagen davor war es noch etwas kühler.
Nächtliche Abkühlung hilft Kreislauf
Dass die Meteorologinnen und Meteorologen für Hitzewarnungen auf das 24-Stunden-Mittel schauen, hat einen medizinischen Grund. Für den menschlichen Körper und das Herz-Kreislauf-System ist nämlich nicht die kurzzeitige Hitze-Spitze am Nachmittag das grösste Problem. Entscheidend ist die Nacht: Bleibt es dann drückend schwül und warm, läuft der Körper permanent auf Hochtouren. Die Blutgefässe bleiben geweitet, der Puls hoch und der Schlaf ist wenig erholsam.
Weil es an diesem Pfingstwochenende nachts aber noch kräftig abkühlte, bekamen Herz und Kreislauf die dringend benötigte Erholungspause.
Hitzetage gab es schon früher im Jahr
Anders verhält es sich mit dem Begriff «Hitzetag». Damit ein Tag als Hitzetag in die Statistik eingeht, muss das Quecksilber die 30-Grad-Marke lediglich in seinem heissesten Moment knacken. Basel und Sion erlebten am Pfingstsonntag also per Definition Hitzetage, auch wenn es für die Hitzewelle noch nicht reichte.
Dass es an Pfingsten so warm ist, sei «aussergewöhnlich, aber nicht rekordverdächtig», schrieb Meteoschweiz vergangene Woche in einem Blogbeitrag. So liegt der früheste Hitzetag noch ein Stück weiter zurück im Kalender. So wurde sowohl an der Station Basel-Binningen (im Jahr 1945) als auch in Sion (im Jahr 1958) der früheste Hitzetag bereits an einem 10. Mai registriert. Der früheste Hitzetag in der gesamten Schweiz wurde im Jahr 2011 in Lugano bereits am 8. April registriert.
Im langfristigen Durchschnitt wird der erste Hitzetag im Schweizer Flachland aber erst im Juni erreicht – in Sion üblicherweise am 7. Juni und in Basel-Binningen am 9. Juni. (sda)
