Deutschland
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epa08049574 Social Democratic Party (SPD) co-chairs Saskia Esken (3-L) and Norbert Walter-Borjans (2-L) and Social Democratic Party (SPD) Secretary General Lars Klingbeil (L), Rhineland-Palatinate State Premier Malu Dreyer (4-L) and German Minister of Finance Olaf Scholz (R) raise voting cards during the voting process on the grand coalition next to North Rhine-Westphalia vice chair Veith Lemmen (2-R) during the Social Democratic Party (SPD) Party Convention at CityCube in Berlin, Germany, 06 December 2019. The SPD party members gather in the German capital from 06 to 08 December and vote for the new party leadership.  EPA/CLEMENS BILAN

Die Mehrheit der Delegierten folgten dem Kurs von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, der neuen SPD-Doppelspitze. Bild: EPA

Noch hat Deutschland eine Regierung: SPD bleibt vorerst in GroKo - Gespräche mit Union



Die SPD geht mit der Wahl des Führungsduos Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans auf Konfrontationskurs mit der Union, lässt die grosse Regierungskoalition aber vorerst nicht platzen.

Der SPD-Parteitag bestätigte am Freitag in Berlin das Ergebnis des Mitgliederentscheids und wählte die beiden Kritiker der Koalition zu ihren Vorsitzenden.

Am Abend sprach sich die grosse Mehrheit der etwa 600 Delegierten dafür aus, zunächst in dem Regierungsbündnis mit CDU und CSU zu bleiben. Die neue SPD-Führung will aber mit der Union über Nachbesserungen sprechen, dann soll der Vorstand entscheiden, ob es für eine Fortsetzung der Koalition reicht.

Die Bundestagsabgeordnete Esken und der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Walter-Borjans sind das erste gemischte Führungsteam in der Geschichte der SPD. Die beiden wollen vor allem mehr soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz durchsetzen. Esken und Walter-Borjans zweifelten daran, dass dies in dem Bündnis mit CDU und CSU möglich ist.

Die baden-württembergische Abgeordnete erhielt ein schwächeres Ergebnis als der Rheinländer. Esken kam auf 75,9 Prozent, Walter-Borjans auf 89,2 Prozent. Die grosse Mehrheit der Delegierten erhob sich anschliessend von den Plätzen und applaudierte minutenlang. Die beiden sind Nachfolger von Andrea Nahles, die im Sommer nach heftiger Kritik abgetreten war. Nahles hatte bei ihrer Wahl im April des vergangenen Jahres 66,35 Prozent bekommen.

Pochen auf Bekenntnis zur Koalition

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer gratulierte dem Duo, pochte aber auf ein klares Bekenntnis zur Koalition. «Auf gute Zusammenarbeit. Es gibt viel zu tun», schrieb Kramp-Karrenbauer auf Twitter. «Dafür braucht es das klare Bekenntnis zum gemeinsamen Auftrag. Wir sind dazu bereit.» Die Union hatte klargestellt, dass sie den Koalitionsvertrag nicht aufschnüren will.

epa08041627 German Defense Minister Annegret Kramp-Karrenbauer talks with journalists during a press conference in Kabul, Afghanistan, 03 December 2019. Annegret Kram-Karrenhauer said that she supported an extension of German participation in the NATO mission in Afghanistan.  EPA/HEDAYATULLAH AMID

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Bild: EPA

CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte dem «Münchner Merkur» (Samstag): «Wir werden mit der neuen SPD-Spitze reden. Klar ist aber: Es gibt auch bei neuen Vorsitzenden keinen Anspruch auf Ladenhüter aus der sozialistischen Mottenkiste.»

Esken hatte in ihrer Bewerbungsrede gesagt: «Ich war und ich bin skeptisch, was die Zukunft dieser grossen Koalition angeht.» Sie fügte hinzu: «Viel zu lange war die SPD in den letzten Jahren in ihrer eigenen Denke mehr grosse Koalition als eigenständige Kraft.»

Die SPD gebe der grossen Koalition eine «realistische Chance auf eine Fortsetzung» - «nicht mehr, aber auch nicht weniger». Wie Walter-Borjans kritisierte sie Kramp-Karrenbauer. Dass diese die Umsetzung der mühsam ausgehandelten Grundrente an den Fortbestand der Koalition knüpfe, sei respektlos.

Esken und Walter-Borjans hatten sich im Mitgliederentscheid überraschend gegen Vizekanzler Olaf Scholz und Klara Geywitz durchgesetzt. In einer Demokratie müsse man Kompromisse machen, aber sie dürften nicht «verwischen, wo wir stehen», sagte Walter-Borjans.

Keine Alleingänge

In den geplanten Gesprächen mit der Union über Nachbesserungen werde es «natürlich» keine Alleingänge geben. Es brauche den Austausch mit der Fraktion und den Ministern. «Aber es darf auch keine Festlegung der Parteimeinung aus der Koalitionsdisziplin heraus geben.»

Walter-Borjans machte das am Thema Klimaschutz und der Jugendbewegung Fridays for Future fest. Für eine Koalition, von der alle sagten, sie nach der nächsten Wahl nicht fortführen zu wollen, «werde ich nicht eine ganze Generation von Menschen von der SPD entfremden».

Esken forderte in ihrer Rede eine Umkehr ihrer Partei in der Arbeitsmarktpolitik. Deutschland leiste sich einen der grössten Niedriglohnsektoren in Europa. Die SPD habe dazu beigetragen, dass dieser entstehen konnte. «Es ist Zeit, dass wir umkehren», forderte sie. «Wir waren die Partei, die Hartz IV eingeführt hat, wir sind die Partei, die Hartz IV überwindet.»

In der Finanz- und Sicherheitspolitik deutet sich eine Auseinandersetzung mit der Union an. Walter-Borjans will zugunsten von nötigen Investitionen notfalls auch auf die Schuldenbremse im Grundgesetz verzichten. «Wenn die schwarze Null einer besseren Zukunft für unsere Kinder entgegensteht, dann ist sie falsch, dann muss sie weg», sagte er.

«Partei der Verteilungsgerechtigkeit»

Walter-Borjans bemängelte zudem, es habe in den vergangenen Jahren eine schleichende Entlastung der oberen Einkommen gegeben. «Die SPD muss wieder die Partei der Verteilungsgerechtigkeit werden», forderte er. Wer hohe Einkommen und Vermögen habe, müsse einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens zahlen.

Er beklagte, dass Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer Deutschland immer weiter aufrüsten und die Bundeswehr auf der ganzen Welt einsetzen wolle. Das sei «grundfalsch», sagte Walter-Borjans. «Dazu dürfen Sozialdemokraten nicht die Hand reichen.»

Zum Auftakt des Parteitags hatte die scheidende Vorsitzende Malu Dreyer zur Geschlossenheit aufgerufen und die Erfolge der SPD in der Koalition herausgestrichen. Darauf sei sie «mächtig stolz», sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin. Sie warb für einen Neuanfang, die SPD dürfe nicht mehr als «Taktikpartei» wahrgenommen werden.

Fünf Stellvertreter

Die Führung räumte jedoch zu Beginn des Parteitags einen zentralen Konflikt des Konvents ab: Die SPD wollte eine Kampfabstimmung bei den Posten der stellvertretenden Vorsitzenden vermeiden. Erwartet worden war zunächst, dass die Delegierten zwischen Juso-Chef Kevin Kühnert und Arbeitsminister Hubertus Heil für einen Posten als Stellvertreter entscheiden müssen. Stattdessen wird es künftig fünf Stellvertreter geben. Eigentlich war geplant, deren Zahl auf drei zu begrenzen.

epa08049350 The Social Democratic Party (SPD) youth organization Jusos leader Kevin Kuehnert speaks during the Social Democratic Party (SPD) Party Convention at CityCube in Berlin, Germany, 06 December 2019. The SPD party members gather in the German capital from 06 to 08 December and vote for the new party leadership.  EPA/FELIPE TRUEBA

Juso-Chef Kevin Kühnert. Bild: EPA

Kühnert, der das neue Führungsduo stark unterstützt hatte, wurde mit 70,4 Prozent zum neuen Vize gewählt. Minister Heil erhielt nur geringfügig weniger Stimmen und kam auf 70,0 Prozent.

Die Tandempartnerin von Olaf Scholz, Klara Geywitz, erzielte 76,8 Prozent. Die saarländische SPD-Chefin Anke Rehlinger erhielt 74,8 Prozent. Serpil Midyatli, Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein, bekam das stärkste Ergebnis: 79,8 Prozent. (cbe/sda/dpa)

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • PC Principal 07.12.2019 09:42
    Highlight Highlight Wenn die Partei nicht mehr regieren will, kann sie sich gleich auflösen, denn dann gibt es keinen Grund mehr, sie zu wählen.
  • Füdlifingerfritz 07.12.2019 07:51
    Highlight Highlight Die Sozialdemokraten werden sich mit allen Mitteln an ihren Ämtchen festkrallen. Wohl bekomms bei den nächsten Wahlen...
  • Locutus70 07.12.2019 05:51
    Highlight Highlight Eigentlich könnte man die SPD zusperren und die Mitglieder auf CDU, Grüne und Linkspartei verteilen.
    Das ist ja wahrlich ein Trauerspiel, wie diese Partei sich an die GroKo klammert.
    • FrancoL 07.12.2019 12:15
      Highlight Highlight Naja, die SPD klammert sich an die GrKo? Was macht denn genau die CDU? Die ja auch keine Neuwahlen will und mit Jamaika nicht reüssierte und nun sich an was genau klammert?
      Die CDU auch zusperren?
      Immer ganzheitlich denken und nicht einfach nur eine Sicht stützen, denn es gibt in einer Koalition immer mindestens 2 Parteien auf für Sie Locutus70.

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