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Hipp-Babykost: Suche nach vergiftetem Glas wird ausgeweitet

Rattengift in Hipp-Babykost: «Hipp ist Opfer einer Erpressung»

20.04.2026, 21:2820.04.2026, 21:28

Nach dem Fund von vergifteter Babynahrung spricht der Hersteller Hipp nun selbst von einer Erpressung und gibt Details bekannt. «Hipp ist Opfer einer Erpressung», teilte das Unternehmen im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm mit. «Der Erpresser hat uns eine Nachricht an ein unpersonalisiertes Sammelpostfach geschickt, welches im Rahmen unserer Standardprozesse in grösseren zeitlichen Abständen gesichtet wird.» Zuvor hatte die Polizei erklärt, wegen versuchter Erpressung zu ermitteln.

Am Wochenende war ein mit Rattengift verseuchtes Glas «Karotten mit Kartoffeln» 190 Gramm der Firma Hipp im Burgenland sichergestellt worden. Zumindest zwei Gläser sollen aber in dieser Region in Umlauf gebracht worden sein - eines wird nun noch unter Hochdruck gesucht.

Das Unternehmen teilte weiter auf seiner Homepage mit: «Unmittelbar nach Kenntnisnahme haben wir sofort die zuständige Polizei und Behörden informiert und einen internen Krisenstab eingerichtet.»

Fünf manipulierte Gläser gefunden

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt, wo bei der Kripo die Ermittlungen wegen versuchter Erpressung laufen, wurden in Österreich sowie in Tschechien und der Slowakei insgesamt fünf manipulierte Babynahrungsgläser entdeckt. In Deutschland wurden keine vergifteten Gläser gefunden. Bei der Kripo sei eine Ermittlungsgruppe namens «Glas» eingerichtet worden. Was der mutmassliche Erpresser fordert, teilten weder Polizei noch das Unternehmen mit.

Die Polizei in Österreich weitete unterdessen die Suche nach dem möglicherweise vergifteten Glas mit Babynahrung aus. «Wir setzen alle Hebel in Bewegung und haben nun auch Kontakt zu Kindergärten und Pflegeeinrichtungen aufgenommen», sagte eine Sprecherin der Polizei im Bundesland Burgenland.

E-Mail am 16. April

Laut Polizei in Ingolstadt war die Erpresser-E-Mail am 16. April bekanntgeworden. Danach seien sofort alle nötigen Massnahmen im In- und Ausland getroffen worden, hiess es bei der Polizei. «Wir haben umgehend Massnahmen ergriffen, um unsere Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen», unterstrich auch Hipp. «Wir stehen in enger und ständiger Abstimmung und Kooperation mit den Behörden. Dies gilt auch für unsere Kommunikation.»

«Kriminelle Manipulation»

Der Vorfall stehe in keinem Zusammenhang mit der Produktqualität, betonte Hipp am Montag. «Es handelt sich um eine kriminelle externe Manipulation ausserhalb unseres Einflussbereiches in den genannten drei Märkten. Wir haben keine Kenntnis von weiteren Manipulationen.»

Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) hatte am Samstag von einem mutmasslichen Erpressungsversuch geschrieben. Sie strich diesen Hinweis später aus ihrer Pressemitteilung.

Gutachten soll Dosis von Rattengift bestimmen

Die Staatsanwaltschaft in Österreich ermittelt nach eigenen Aussagen wegen «vorsätzlicher Gemeingefährdung». Laut einem vorläufigen toxikologischen Gutachten sei Rattengift im sichergestellten Glas festgestellt worden. Nun erfolge eine genauere Untersuchung. Dabei werde es um die Dosis gehen und wie gefährlich das Rattengift beim Verzehr gewesen wäre, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Burgenland.

Laut Polizei wären manipulierte Gläser an einem beschädigten Deckel oder am Fehlen des Plopp-Lautes beim Öffnen zu erkennen. Zudem sollen die manipulierten Gläser einen weissen Aufkleber mit rotem Ring am Glasboden haben.

Bei Auffälligkeiten an den Babykost-Gläschen sollte der Inhalt nicht verzehrt und umgehend die Polizei verständigt werden, hiess es. Insbesondere sei beim Öffnen des Glases auf das sogenannte Knack-Geräusch zu achten. Sollte dieses fehlen, könne eine Beschädigung oder Manipulation vorliegen, warnten die Ermittler.

Auch Tschechien und Slowakei betroffen

Produkte und Vertriebswege in Deutschland oder anderen europäischen Ländern, die nicht Bestandteil der Ermittlungen sind, seien nicht betroffen, sagte am Wochenende Hipp-Sprecher Clemens Preysing der Deutschen Presse-Agentur.

Er bestätigte, dass ausser in Österreich mit Rattengift verseuchte manipulierte Gläschen auch in Tschechien und der Slowakei aufgetaucht seien. Die Handelspartner in Tschechien und der Slowakei hätten vorsorglich alle Hipp-Gläschen aus dem Verkauf genommen, sagte der Hipp-Sprecher.

Mehrfach waren in der Vergangenheit namhafte Unternehmen Ziel von Erpressungsversuchen mit vergifteten Lebensmitteln geworden. Nicht zum ersten Mal ist Babynahrung das Ziel. (sda/dpa)

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3 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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EinBisschenSenfDazu
20.04.2026 13:50registriert September 2022
Immer wenn man denkt, wir haben die höchste Stufe an Abscheulichkeit erreicht, kommt noch so ein Typ um die Ecke und haut einen drauf. Und am Schluss gibt es noch ein "auf Bewährung" weil "kann ja mal passieren" oder "ist ja nichts passiert". Zahlen tut das dann auch noch die Allgemeinheit. Echt zum Heulen sowas.
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