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#byebyespotify – Kundenservice aufgrund verärgerter User überlastet

Der kanadische Musiker Neil Young stellte die Streaming-Plattform vor ein Ultimatum: Entweder verschwinde Joe Rogans Podcast, welcher Fehlinformationen zur Pandemie verbreite, von der Plattform oder er ziehe seine Musik zurück. Gestern hat Spotify reagiert – zum Ärger vieler Twitter-User.
27.01.2022, 07:3528.01.2022, 05:23

Neil Young hat die Nase voll von Fehlinformationen zu Corona und zur Impfung. Insbesondere ein Podcast auf Spotify ist dem kanadischen Musiker ein Dorn im Auge: die «Joe Rogan Experience».

Der Musiker möchte Spotify in keiner Weise mehr unterstützen.
Der Musiker möchte Spotify in keiner Weise mehr unterstützen.Bild: keystone

Am Montag wandte er sich in einem offenen Brief an sein Management und sein Plattenlabel, um die Sache anzusprechen – und Konsequenzen zu ziehen. Im Brief, der mittlerweile nicht mehr online ist, schrieb er:

«Ich habe mich zum Aufruf entschlossen, weil Spotify Fehlinformationen über Impfungen verbreitet – Menschen, die an diese fehlerhaften Informationen glauben, können dadurch potenziell ihr Leben verlieren. Bitte kümmert euch gleich heute darum und informiert mich über den Verlauf. Ich möchte, dass ihr euch HEUTE mit Spotify in Verbindung setzt und [den Vorstand der Streaming-Plattform] wissen lasst, dass all meine Musik von der Plattform entfernt werden soll.»

Mit etwa 11 Millionen Zuhörenden pro Episode sei der Podcast, der nur auf Spotify zu verfügbar sei, einer der grössten Podcasts weltweit und habe enormen Einfluss, so Young weiter.

Der 54-jährige Joe Rogan hat im Jahr 2020 einen Mega-Deal mit Spotify für seinen exklusiven Podcast abgeschlossen.
Der 54-jährige Joe Rogan hat im Jahr 2020 einen Mega-Deal mit Spotify für seinen exklusiven Podcast abgeschlossen.

Youngs Problem: Joe Rogans Podcast ist bekannt dafür, Falschmeldungen über die Corona-Pandemie zu verbreiten. So rief Rogan in der Vergangenheit seine Fans einige Male auf, sich nicht impfen zu lassen und empfahl das Entwurmungsmittel Ivermectin für die Corona-Behandlung.

Zudem lud er den umstrittenen Virologen Dr. Robert Malone in seine Show ein. Dieser machte unter anderem negative Schlagzeilen, als er die Massnahmen während der Pandemie mit dem Holocaust verglichen hatte.

Auch eine Gruppe von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen hat sich in einem offenen Brief an Spotify gewandt. Ihnen ist ebenfalls vor allem die spezifische Episode mit Dr. Robert Malone negativ aufgefallen. Sie schreiben:

«Indem Spotify die Verbreitung falscher und für die Gesellschaft schädlicher Behauptungen zulässt, wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in die wissenschaftliche Forschung beschädigt. Dadurch werden Zweifel an Ratschlägen geweckt, die von medizinischem Fachpersonal stammen und sich auf Daten stützen.»

Neil Young verknüpfte seinen offenen Brief mit einem Ultimatum: Spotify könne entweder Rogan oder Young haben. Aber nicht beide.

So reagiert Spotify

Gegenüber dem Wall Street Journal gibt Spotify Auskunft über sein Vorgehen:

«Wir wollen, dass alle Musik- und Audioinhalte der Welt für Spotify-Nutzer verfügbar sind. Das bringt eine grosse Verantwortung mit sich, wenn es darum geht, ein Gleichgewicht zwischen der Sicherheit der Hörer und der Freiheit der Urheber herzustellen.»

Man halte sich an detaillierte Inhaltsrichtlinien und habe seit Beginn der Pandemie über 20'000 Podcast-Episoden mit Bezug zu Covid-19 entfernt.

Dennoch: Auf Youngs Forderung und Ultimatum gingen sie nicht ein. Seinem Wunsch, seine Musik zu entfernen, kamen sie allerdings nach. Der Prozess werde bloss einige Stunden dauern, informiert der Sprecher von Spotify. So war dann Neil Youngs Musik am Mittwoch komplett von der Plattform verschwunden. Man bedauere Neils Entscheidung, hoffe aber, ihn bald wieder begrüssen zu dürfen, so der Sprecher weiter.

So reagiert das Netz

Die Wut auf Twitter ist gross. Tausende von Usern erklären unter dem Hashtag #byebyespotify, dass sie die Streaming-App von ihren Geräten gelöscht hätten.

Spotify stelle sich mit seinem Entscheid auf die falsche Seite, so der Tenor der Twitter-User.

Spotifys Kundenservice wird überrollt

Doch nicht nur auf Twitter machten die Menschen ihrem Ärger Luft: Viele kontaktierten Spotify auch direkt über den Live-Chat des Kundenservices. Die Nachrichtenflut ist derzeit sogar so gross, dass Spotify in einer Infobox auf längere Antwort-Wartezeiten hinweisen muss.

Spotify werde derzeit sehr oft kontaktiert, weshalb sie etwas länger bräuchten, um zu reagieren, heisst es auf der Seite des Kundendienstes.
Spotify werde derzeit sehr oft kontaktiert, weshalb sie etwas länger bräuchten, um zu reagieren, heisst es auf der Seite des Kundendienstes. screenshot twitter

Einige User gelangten zum Live-Chat und erhielten sogar eine Antwort – allerdings eine ernüchternde, wie dieser Screenshot zeigt:

Der User schreibt:

«Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass Ihre Plattform beschlossen hat, Joe Rogens tödliche Anti-Impf-Informationen weiter zu verbreiten. Mein Abonnement zu löschen, ist das Einzige, das ich dagegen tun kann. Keine Reaktion von Spotify???»

Spotifys Antwort:

«Es tut mir leid, der Kundenservice kann hier nicht helfen. Falls Sie keine technischen Schwierigkeiten oder Zahlungsprobleme haben, werde ich diesen Chat beenden.»

Weitere User berichten von derselben Erfahrung. Der Chat werde unmittelbar nach der Anfrage geschlossen, ohne weiter darauf einzugehen.

Neil Young bedankt sich

In einem am Dienstag veröffentlichten Statement bedankt sich Neil Young bei allen, die ihn in seiner Entscheidung unterstützt hätten. Er habe noch nie so viel Liebe von so vielen Menschen gespürt.

Er hoffe, dass sich noch andere Künstlerinnen und Künstler, sowie Plattenfirmen von Spotify distanzieren, um damit keine tödlichen Falschinformationen zu unterstützen. (saw)

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285 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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giandalf the grey
27.01.2022 08:56registriert August 2015
Spotify hat Joe Rogan für die Exklusivität 100 Millionen in den Allerwertesten geschoben. Die haben gar keine andere Wahl als sich auf seine Seite zu stellen.
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Daniela Svoboda
27.01.2022 08:08registriert Oktober 2021
und sobald der Storm vorbei ist, werden die Leute das Spotify-App wieder installieren :) lächerlich
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ReMoo
27.01.2022 08:09registriert Dezember 2020
Finde ich gut, ich denke aber nicht das viele Künstler der Aufforderung folgen werden, einige leben nur von Spotify und können es sich schlicht nicht leisten und andere wollen das goldene Kalb nicht schlachten.
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