Aargau
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Täterwissen im Fall Rupperswil ausgeplaudert? Polizei-Offizier angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat gegen einen Polizeioffizier der Kantonspolizei Aargau Anklage erhoben. Im Zusammenhang mit den Tötungsdelikten von Rupperswil wirft sie dem Dienstchef Forensik im Aargau vor, Täterwissen ausgeplaudert zu haben.

Noemi Lea Landolt / ch media



ZUM PROZESSBEGINN DES VIERFACHMORDES IN RUPPERSWIL STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, 8. MAERZ 2018, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Polizisten unterwegs auf der Lenzhardstrasse in Rupperswil AG, wo ein Brand in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mehrere Tote forderte, am Montag, 21. Dezember 2015. Alle vier Menschen, die am Montag in Rupperswil AG nach einem Brand tot in einem Wohnhaus aufgefunden wurden, sind Opfer eines Kapitalverbrechens. Sie wurden erstochen. Der Brand wurde absichtlich gelegt.  (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)....Police members search the surrounding of a family home were four bodies have been found in Rupperswill, Switzerland, Monday, December 21. The police confirmed on December 22 that the four people have been stabbed and the fire has been set. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Bild: KEYSTONE

Die Staatsanwaltschaft wirft dem beschuldigten Polizeioffizier vor, zwei Personen aus seinem familiären Umfeld geheime Ermittlungserkenntnisse weitergegeben zu haben. Wie der Kanton mitteilt, soll der Beschuldigte versucht haben, eine Person bei einer allfälligen Befragung durch die Polizei oder die Staatsanwaltschaft zu einer für ihn entlastenden Aussage zu bewegen. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine bedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen und eine Busse von 5000 Franken. Die Verhandlung findet am 31. August am Bezirksgericht Baden statt.

Rückblende: Am 21. Dezember 2015 hat Thomas N. in Rupperswil vier Menschen grausam getötet. Lange wusste die Öffentlichkeit nicht, was genau sich an diesem Vormittag im Einfamilienhaus abgespielt hatte. Wie üblich in solchen Fällen, informiert die Staatsanwaltschaft zurückhaltend. Details, die nur der Täter wissen kann, sollen geheim bleiben.

Doch im Laufe der Ermittlungen erwähnten Personen plötzlich, sie hätten gehört, dass den Opfern die Kehlen durchgeschnitten worden seien. Diese Information hätten sie von Stephan (Name geändert). Die Staatsanwaltschaft befragt Stephan. Er sagt, er habe die Information von seiner Schwiegermutter oder seiner Ehefrau, er wisse es nicht mehr genau.

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Pikant: Die Schwiegermutter ist die Lebenspartnerin des Dienstchefs Forensik der Kantonspolizei Aargau. Stephan vermutet, dass seine Schwiegermutter die Information von ihrem Partner habe.

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Mit seiner Aussage belastet Stephan den Polizei-Offizier. Hat er Täterwissen ausgeplaudert? Die Staatsanwaltschaft eröffnet gegen den Polizisten ein Verfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung. Die Ermittler befragen aber auch die Lebenspartnerin des Polizisten. Sie wollen wissen, ob sie erzählt habe, dass den Opfern die Kehlen durchgeschnitten worden seien.

ARCHIV - ZUM JAHRESTAG DES TOETUNGSDELIKTS IN RUPPERSWIL STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Kerzen an der Lenzhardstrasse in Rupperswil in Rupperswil AG, aufgenommen am Donnerstag, 24. Dezember 2015. Nach der Bluttat an einer 48-jaehrige Frau, ihren Soehnen im Alter von 13 und 19 Jahren sowie der 21-jaehrigen Freundin des aelteren Sohnes im aargauischen Rupperswil vom vergangenen Montag bleiben noch immer viele Fragen offen. Die Aargauer Kantonspolizei verteilt heute in Wildegg und Rupperswil an Tankstellen, Grossverteilern und Laeden Flugblaetter mit dem Zeugenaufruf. Gesucht werden Zeugen, welche die 48-Jaehrige am Montagmorgen gesehen oder mit ihr gesprochen haben. Offenbar hatte die Frau an zwei Orten Bargeld abgehoben, bevor sie Opfer des Toetungsdelikts wurde. Bewohner der Gemeinde Rupperswil legten beim Haus, in dem die Toten aufgefunden worden waren, als Zeichen der Betroffenheit Blumen, Kerzen und Karten nieder. (KEYSTONE/Walter Bieri)....Flowers and candles seen near of a family home were Monday, December 21 four bodies have been found, in Rupperswil, Switzerland, Thursday, 24 December 2015. The four people have been stabbed and the fire has been set. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bild: KEYSTONE

Diese sagt, sie habe das nicht weitererzählt, da sie das gar nicht gewusst habe. Ihre Tochter, Stephans Ehefrau, sagt das Gleiche. Deshalb eröffnet die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Stephan. Sie wirft ihm vor, eine falsche Zeugenaussage gemacht zu haben. Das Verfahren gegen den Polizei-Offizier wird sistiert.

Spaziergang mit dem Polizisten

Im Jahr 2018 kam es vor dem Bezirksgericht Lenzburg zum Prozess. Stephan führte damals aus, er sei sich zu 100 Prozent sicher, dass er die Information von seiner Schwiegermutter oder seiner Frau gehabt habe. Eine andere Quelle als den Polizei-Offizier könne er ausschliessen.

Stephans Sohn, der als Zeuge vor Gericht aussagte, belastete den Offizier sogar zusätzlich. Dieser habe ihm auf einem Spaziergang geraten, bei der Einvernahme möglichst vage zu bleiben. Stephans Sohn sagte vor Gericht, er habe erst später begriffen, dass es dem Polizisten nur darum gegangen sei, seine eigene Haut zu retten.

Gerichtspräsident Daniel Aeschbach sprach Stephan schliesslich nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» frei. Seine Aussagen seien glaubhaft. Inzwischen ist der Freispruch rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat das erstinstanzliche Urteil nicht weitergezogen.

Dieser Freispruch von Stephan hatte auch Auswirkungen auf die Ermittlungen gegen den Polizei-Offizier. Das ursprünglich sistierte Verfahren wurde bereits 2019 wieder aufgenommen und die Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Nun findet Ende August die Verhandlung im Bezirksgericht Baden statt.

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Eyeore 11.08.2020 02:34
    Highlight Highlight Ist sicher eine gute Stimmung an deren Familienfest.
  • Ichweissmeinennamennichtmehr 10.08.2020 19:49
    Highlight Highlight Absolut ein No-Go, jeder Polizist erhält Psychologische unterstützt wenn er/sie es braucht und darum bittet. Der Fall war absolut grausam und kaltblütig, jeder hätte Verständnis dafür gehabt, von Kollegen bis zum Chef.
    Sein Verhalten ist unentschuldbar,
    fristlos Kündigung wäre angebracht.
  • In vino veritas 10.08.2020 15:55
    Highlight Highlight Das sollte natürlich nicht sein. Wenn er sich dadurch belastet fühlt und reden will, sollte er sich dem Psychologen oder Seelsorger anvertrauten. Wie schnell ist es passiert, dass die Ehefrau es ihrer Kollegin weitersagt, natürlich im "vertrauen". Diese sagt es wiederum ihrer Schwester im "Vertrauen" usw. Allgemein sollte man Geheimnisse Niemanden anvertrauten, den sonst sind sie nicht mehr geheim 😉
  • Bert der Geologe 10.08.2020 14:27
    Highlight Highlight Ich frage mich, weshalb bei diesem Verfahren gegen den Polizisten ein Interesse der Oeffentlichkeit bestehen soll und weshalb das in den Medien breit getreten wird.
  • kaderschaufel 10.08.2020 14:02
    Highlight Highlight Aber dieses Beispiel zeigt grad schön, warum man eben niemandem etwas erzählen soll, auch nicht der Ehefrau. Es ist halt schnell mal etwas weitergesagt, und dem nächsten, der es erfährt, ist halt vielleicht nicht so bewusst, dass das vertrauliche Information ist (Stephan scheint es mehreren Leuten weitergesagt zu haben). Und dann erfahren es Leute, die offenbar zumindest entfernt etwas mit dem Fall zu tun haben (sie wurden ja immerhin von der Polizei befragt).
  • Echsenmensch 10.08.2020 13:13
    Highlight Highlight Snitchige Angelegenheit mit dem "Stephan".
  • Der Buchstabe I 10.08.2020 13:10
    Highlight Highlight Sollte nicht passieren, aber dass man zur psychischen Entlastung mit jemandem über seine Arbeit spricht, finde ich persönlich nur menschlich. Vor allem, wenn es um einen solch grausamen Mord geht.
    • bokl 10.08.2020 13:46
      Highlight Highlight Dafür gibt es Spezialisten. Auch die Angehörigen sind mit den Erzählungen höchstwahrscheinlich überfordert.
  • circumspectat animo 10.08.2020 12:44
    Highlight Highlight Das ist typisch für den Umgang mit Polizisten in der Schweiz. Die Verfahren werden sistiert, statdessen werden andere angeklagt.
    • Der Buchstabe I 10.08.2020 14:15
      Highlight Highlight Also.. der täter wurde verwahrt.. also....? Was willst du uns genau sagen?
    • circumspectat animo 11.08.2020 13:11
      Highlight Highlight Geht es in diesem Artikel um den Täter ?
  • John Henry Eden 10.08.2020 12:20
    Highlight Highlight In Sachen Grausamkeit spielt dieses Verbrechen in der höchsten Liga. Alle ermordet, den Jungen zuvor noch geschändet, danach auf mitfühlend gemacht und die nächste Tat schon geplant. Der Täter verkörpert das absolute Böse.

    Man kann nicht erwarten, dass Polizisten (die auch nur Menschen sind) in diesem Fall völlig distanziert bleiben.
    • freeLCT 10.08.2020 15:04
      Highlight Highlight @John Henry Eden:

      Versuch es mal so zu sehen, als ob deine Familie die Opfer waren. Findest sicher cool, wen die Polizei schonmal herumschnattern geht, wie deine Mutter umgebracht wurde.

      Ergo: Doch doch, das kann man von einem Polizisten erwarten.

    • Ichweissmeinennamennichtmehr 10.08.2020 19:56
      Highlight Highlight Jeder Polizist bekommt Psychologische Unterstützung wenn er/sie es braucht. Jeder hätte bei diesem schweren Fall Verständnis dafür gehabt, weil er auch nur ein Mensch ist. Wie Sie selber schreiben.
      Alles andere ist nur ausreden und gehört bestraft. Fristlose Kündigung wäre hier angebracht!

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