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Der Schweizer Moto GP2 Motorradrennfahrer Tom Luethi, vom Dynavolt Intact GP-Team, anlaesslich der offiziellen Moto GP 2 Testtage, auf der Rennstrecke in Jerez, Spanien, am Freitag 22. Februar 2019. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Kein gutes Wochenende: In Tschechien fuhr Tom Lüthi nicht in die Punkte. Bild: KEYSTONE

Tom Lüthi und die Wahrheit, die nicht ausgesprochen werden darf

Tom Lüthi steckt in der tiefsten Krise seiner Karriere. Nur Platz 17 beim GP von Tschechien und keine Chance mehr auf den WM-Titel. Die Wahrheit über diese Krise darf nicht ausgesprochen werden. Der Eklat muss wohl bis nach Saisonschluss warten.



In kaum einem anderen Sport sind Krisen so schwierig zu überwinden. Weil so viele Faktoren eine Rolle spielen, wenn zwei Männer auf lärmenden Maschinen in einem Höllentempo am Rande der Todeszone erbitterte Zweikämpfe austragen. Die Masseinheit ist der Bruchteil einer Sekunde. Und nun kommt bei einer Beurteilung eine Besonderheit dazu: Die Rennen werden unter Ausschluss des Publikums und der Chronistinnen und Chronisten ausgetragen («Geisterrennen»).

Wir sehen die Wirklichkeit nur noch auf TV-Bildern. Die Wahrheit können wir nur per Telefon zu erfragen versuchen. Ungefähr so stellen sich Verschwörungstheoretiker die Mondlandung vor: Die Amerikaner inszenierten sie in einem Hollywood-Studio unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Nun haben wir nach dem GP von Tschechien in Brünn folgende Situation: Der langjährige Manager und Freund eines berühmten Fahrers war soeben in Brünn als eines der erlaubten zwölf Teammitglied im Fahrerlager. Er hat sich persönlich ein Bild von der Lage verschafft. Und nach seinem «Frontbesuch» rapportiert er dem Chronisten die Lage.

Nach diesen Auskünften bleibt nur eine Schlussfolgerung: alles in bester Ordnung. Der berühmte Fahrer des betreffenden Managers fährt um Siege und Podestplätze und um den WM-Titel. Bei diesem Manager handelt es sich um Daniel Epp.

Plötzlich läuft's nicht mehr

Aber nichts ist in bester Ordnung. Sein Fahrer Tom Lüthi steckt in der tiefsten Krise seiner langen Karriere. Er hat die Saison als Titelanwärter begonnen und soeben hat er den GP von Tschechien auf Rang 17. beendet. Begonnen hatte er das Rennen nach dem zweitschlechtesten Karriere-Trainingsresultat (26.) aus der zweitletzten Reihe. Im Titelkampf ist er mit 58 Punkten Rückstand völlig chancenlos. Dabei hat er bei den Vorsaisontests nach Belieben dominiert und galt als Anwärter auf den WM-Titel. Das fehlende Gespür fürs Vorderrad hat zu einer Serie von Stürzen geführt.

Swiss Tom Luethi celebrates after his second place at the Moto2 Catalunya Motorcycle Grand Prix at the Barcelona Catalunya racetrack in Montmelo, near Barcelona, Spain, on Sunday June 16, 2019. (AP Photo/Joan Monfort)

Ein Bild aus besseren Zeiten: Tom Lüthi nach seinem Podestplatz in Barcelona 2019. Bild: AP

Was ist passiert? Da in dieser Rennklasse (Moto2) alle die gleichen Motoren die gleichen Reifen (und Vorderreifen) einsetzen und nur die Fahrgestelle unterschiedlich sind, kann es nicht am Material liegen. Am Geld sowieso nicht. Tom Lüthis Arbeitgeber (das Team des deutschen Batterie-Herstellers Intact) ist solide ausfinanziert.

Tom Lüthi wird im September 34. Ist er zu alt? Nein. Sein Talent (64 Podestplätze, 17 Siege) steht auch nicht zur Debatte. Er hat den «Biss» nicht verloren. Soeben hat er sich die Seele aus dem Leib gefahren, um noch auf den brotlosen 17. Platz zu kommen und mit Dominique Aegerter (21., er ist Ersatzfahrer für Jesko Raffin) wenigstens den Schweizer Konkurrenten hinter sich zu lassen. Sein Teamkollege Marcel Schrötter (15.), soeben von einer Armoperation genesen, blieb ausser Reichweite.

Die Erfahrung als entscheidendes Detail

Das Problem ist die fehlende Erfahrung von Cheftechniker Michael Thier. Er steht erst in seiner zweiten Saison. Tom Lüthi hatte die besten zwei Jahre seiner Karriere (als WM-2. 2016 und 2017) mit Gilles Bigot. Der Franzose ist seit über 30 Jahren im Geschäft und betreut nun Sam Lowes. Der Brite hat soeben in Brünn den ersten Podestplatz seit vier Jahren gefeiert.

epa08593142 British Moto2 rider Sam Lowes of EG 0,0 Marc VDS team celebrates on the podium after winning second place in the Moto2 race of the Motorcycling Grand Prix of the Czech Republic at Masaryk circuit in Brno, Czech Republic, 09 August 2020.  EPA/MARTIN DIVISEK

Dank Gilles Bigot ist Brad Lowes plötzlich wieder schnell. Bild: keystone

Der Cheftechniker ist für die Feinabstimmung verantwortlich. Der Cheftechniker ist die wichtigste Bezugsperson eines Fahrers. Zwar erfassen Sensoren jede Bewegung der Maschine. Auf dem Laptop wird der Fahrer «gläsern». Alles liegt offen da. Wann der Fahrer wie stark gebremst hat, wie tief die Maschine in der Bremszone in die Federung sinkt, einfach alles.

Aber alle Teams verfügen über diese High-Tech-Informationen. Die Differenz macht die Fähigkeit des Cheftechnikers, zu spüren, welche Abstimmungen sein Fahrer braucht. Weil so viele Faktoren eine Rolle spielen, ist diese Feinabstimmung so unendlich schwierig und erfordert eine jahrelange Erfahrung. An beschaulichen Testtagen ist diese Abstimmung verhältnismässig einfach. Bei einem Rennwochenende unter Extrembelastung, bei Zeitknappheit und wechselnden Temperaturen hingegen eine hohe Wissenschaft.

Daniel Epp darf das teaminterne Problem nicht ansprechen. Er hat mündlich den Vertrag von Tom Lüthi mit diesem Team bereits um ein Jahr bis Ende 2021 verlängert. Er sagt, diese Verlängerung sei durch die aktuellen Resultate nicht in Frage gestellt. Bei keinem anderen Team könnte Tom Lüthi zu so guten finanziellen Bedingungen fahren. Es wäre eine Torheit sondergleichen, durch öffentliche Kritik die mündlich vereinbarte Prolongation in Gefahr zu bringen. Es wäre unter Umständen das Karrieren-Ende für Tom Lüthi.

Der Emmentaler hat nur eine Möglichkeit: sich Schritt für Schritt aus der Krise herausarbeiten. Bis zum 25. Oktober stehen weitere acht Rennen auf dem Programm. Da bleibt keine Zeit und Möglichkeit für einen sinnvollen Personalwechsel. Der Eklat muss wohl bis nach Saisonschluss warten.

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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sheshe 10.08.2020 10:16
    Highlight Highlight An all diese Kommentare:

    Ich möchte mal sehen, wie ihr auf diesem Höllengerät jede Runde innerhalb von wenigen Zehntel Unterschied über 20 Runden fährt. Tom ist bei weitem nicht der beste, aber er ist konstant, fährt mit einer super Technik und hat das Ding im Griff.

    Nur, wenn das Ding halt selbst nichts hergibt und das Vertrauen weg ist, merkt man das sofort.

    Ich will euch mal sehen, wenn es übers Vorderrad rutscht, ob ihr dann noch immer so an die Grenze geht oder der Mut nachlässt...

    Aber es ist halt sehr einfach, am PC einen bösen Kommentar auf watson zu schreiben...
  • Dr. Unwichtig 10.08.2020 09:28
    Highlight Highlight Die "Wahrheit" ist wohl, dass ein Fahrer, der einen einzigen WM-Titel errungen hat und in der obersten Leitungsklasse vollkommen chancenlos war, zwar gut, aber bei weitem nicht so überragend ist, wie dies der "Chronist" gerne hätte...
  • Gulasch 10.08.2020 08:22
    Highlight Highlight Ist Tom Lüthi nicht wie Simon Ammann? Beide exzellente Sportler, sympathische Typen, einfallsreich, begabt, aber beide haben den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg verpasst!?
  • burgermeister 10.08.2020 07:55
    Highlight Highlight Ich verstehe nach wie vor nicht, warum man Sportler so zerreissen muss, wenn sie schlecht abschneiden.
    Das bezieht sich auch auf die Kommentare hier...
    Sei es Tom Lüthi, oder sonst jemand: Die Sportler machen ihren Job. Ausgestellt in der Öffentlichkeit!
    Wer von euch kann behaupten, dass er seinen Job fehlerfrei und immer auf dem gleichen Level perfekt ausübt?
    Nur so als Denkanstoss...
  • BigMic 09.08.2020 23:12
    Highlight Highlight Der meist überschätzte Töfflibueb der CH ist ja vielleicht gar nicht so gut wie alle denke....
  • Amboss 09.08.2020 23:06
    Highlight Highlight Ein bisschen gar einfach diese Erklärung...

    Ist wohl wie im Fussball. Läuft es nicht, ist der Trainer schuld und wird entlassen...
  • Zanzibar 09.08.2020 21:19
    Highlight Highlight Vielleicht ist der Töff auch einfach nicht schnell genug wenn Schrötter nur 2 Plätze vor Lüthi ins Ziel kommt. Andererseits hat sich Lüthi schon oft verletzt, vielleicht fährt die Angst ein wenig mit.
  • What’s Up, Doc? 09.08.2020 19:17
    Highlight Highlight Auch der Fahrer ist für die Feinabstimmung verantwortlich, kann er dem Ingenieur nicht Feedback geben was er genau braucht nützt alles nichts. Die Arbeit in der Box ist Teamsport.
    • _kokolorix 09.08.2020 23:32
      Highlight Highlight Ich bin auch der Meinung, dass Tom zwar ein echt schneller Fahrer ist, aber die Kommunikation mit den Technikern nicht beherrscht. Ein erfahrener Mann in der Box kann das oft ausgleichen, ein Teamkollege der das besser kann auch, ein Neuling hingegen läuft so gnadenlos auf, er ist auf präzise Angaben des Fahrers angewiesen, um die hunderte Parameter eines Rennmotorrades anzupassen, wenn sich die Bedingungen verändern
  • mrgoku 09.08.2020 18:53
    Highlight Highlight tom lüthi ist ganz einfach ein noob. punkt
    • Gulasch 10.08.2020 08:20
      Highlight Highlight Sorry, ich bin schon alt, jetzt fühl ich mich auch so... was ist ein Noob?
    • herrkern (1) 10.08.2020 08:46
      Highlight Highlight Ein Noob ist ein "Newbie", also ein Anfänger, ein Neuling. Das Wort ist hier echt nicht angebracht.
    • mrgoku 10.08.2020 12:14
      Highlight Highlight Ein Noob wird ein Anfänger gennant. Beim.Gaming nennt man jemand ein Noob wenn er schlecht ist :)
  • Meierli 09.08.2020 18:33
    Highlight Highlight Auf der einen Seite Rennfahrer wie Rossi, cSenna oder Schumacher. Auf der anderen, beben vielen anderen, Tom Lüthi. Mehr muss man nicht verstehen. Ein guter Fahrer, aber kein Ausnahmekönner darin.
  • N. Y. P. 09.08.2020 17:17
    Highlight Highlight Was oder wer ist diesmal Schuld ?

    a.) Hinterrad

    b.) Vorderrad

    c.) Zuschauer

    d.) Strecke

    e.) Alain Sutter

    f.) Mike Pompeo

    d.) ich

    e.) Bernie Sanders

    Es liegt klar auf der Hand. Bernie Sanders ist Schuld. Er kümmert sich überhaupt nicht um die Belange von Tom Lüthi.
    • Licorne 09.08.2020 18:32
      Highlight Highlight Ich bin gerade schrecklich enttäuscht von Bernie.. hätte ich echt nicht gedacht.
    • Walter Sahli 09.08.2020 21:37
      Highlight Highlight Also Peter Müller hätte jetzt gesagt, es hatte Öl auf der Piste, aber ich nehme auch Bernie Sanders.
  • Zeit_Genosse 09.08.2020 16:56
    Highlight Highlight Da haben wir die Telemetrie mit unendlich vielen Daten und wir haben das Talent des Fahrers, auf die die Maschine abgestimmt werden muss. Kann der Fahrer übermitteln was er braucht und kann der Techniker damit Maschine optimal auf Fahrer unter Einbezug von Daten abstimmen? Passt das Trio/Quartett Fahrer, Techniker, Maschine und Team?
  • d10 09.08.2020 16:43
    Highlight Highlight Die Schuld für das schlechte Abschneiden soll nur in der fehlenden Erfahrung des Cheftechnikers liegen? Der Fahrer hat ja genug Erfahrung... Könnte es sein, dass der liebe Tom vielleicht einfach doch nicht sooo gut und talentiert ist, wie er in der Schweiz oft dargestellt wurde?
    • Anne Who 10.08.2020 08:51
      Highlight Highlight So ist es. Er ist gut aber nicht gut genug. Ich wurde damals zerrissen, als ich das geschrieben habe. Er ist nicht auf dem Niveau wie z.B. Alex Marquez, der sein Moto2 Kollege war. Er hat den Absprung in die Königsklasse gemeistert. Dazu gehört nicht nur fahrerisches Können sondern auch die Motivation an sich und dem Töff zu schaffen. Tom kann das nicht und liegt daher häufig am Boden.
    • Blocher Jo 10.08.2020 10:03
      Highlight Highlight @d10: Jaja, der Untalentierte wurde ja auch nur einmal Weltmeister nebst einigen WM Podestplätzen und 17 Rennsiegen😉
    • d10 10.08.2020 12:38
      Highlight Highlight @Jo Du hast mich falsch verstanden, Tom ist definitiv sehr talentiert, für Schweizer Verhältnisse wohl sowas wie ein Jahrhundertalent. Aber er ist/war nie auf dem Niveau der allerbesten Fahrer aus den grossen Töff-Nationen und hat den Sprung in die Königsklasse nicht geschafft. Was fehlte ihm dazu, dort mit den Besten mitzufahren?

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