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Olympia 2026: Die Schattenseiten von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry

IOC President Thomas Bach, right, and President-elect Kirsty Coventry pose during the handover ceremony of the IOC Presidency at Olympic House in Lausanne, Switzerland, Monday, June 23, 2025. (AP Phot ...
Am 23. Juni 2025 erhielt Kirsty Coventry von Vorgänger Thomas Bach den symbolischen Schlüssel zum IOC-Hauptsitz in Lausanne.Bild: keystone

Strahlefrau mit Schattenseiten: Das ist IOC-Präsidentin Kirsty Coventry

Die Winterspiele in Mailand und Cortina werden erstmals von Kirsty Coventry eröffnet. Ihre Wahl im letzten Jahr war historisch, doch in ihrer Heimat Simbabwe ist sie umstritten.
03.02.2026, 14:5103.02.2026, 14:51

Als Kirsty Coventry aus Simbabwe letztes Jahr in einem Luxusresort in Griechenland mit 41 Jahren zur neuen Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt wurde, stellte sie mehrere «Rekorde» auf: Sie ist die erste Frau, die bislang jüngste Person und die erste aus Afrika an der Spitze des weltweit mächtigsten Sportverbandes.

Keiner ihrer männlichen Vorgänger konnte zudem ein ähnliches Sportpalmarès vorweisen wie die ehemalige Spitzenschwimmerin. Sie gewann sieben Olympiamedaillen, darunter zweimal Gold in ihrer Paradedisziplin 200 Meter Rücken: 2004 in Athen und 2008 in Peking. Ihre Wahl an die IOC-Spitze kann wahrlich als historisch bezeichnet werden.

FILE - Zimbabwe's Kirsty Coventry smiles after receiving her gold medal after the women's 200-meter backstroke final during the swimming competitions in the National Aquatics Center at the B ...
In Peking wurde Kirsty Coventry 2008 Olympiasiegerin über 200 Meter Rücken.Bild: keystone

Am Freitag wird Coventry in Mailand ihre ersten Spiele als IOC-Chefin eröffnen. Am Sonntag bemühte sie sich vor den Medien, Kontroversen auszuweichen oder sie glattzubügeln. «Die Vorbereitungen laufen sehr gut. Alles ist genauso, wie es sein soll», erklärte sie, obwohl an einigen Wettkampfstätten bis auf den letzten Drücker gebaut werden dürfte.

OK-Chef in den Epstein-Files

Ähnlich hielt sie es mit dem von der US-Regierung geplanten Einsatz von ICE-Agenten in Italien oder der Personalie Casey Wasserman. Der Name des Organisationschefs der Sommerspiele 2028 in Los Angeles ist in den Epstein-Files aufgetaucht. «Alles, was von diesen Spielen ablenkt, ist traurig. Aber so etwas hat es immer schon gegeben», meinte Coventry.

Zu einer Rückkehr Russlands in die «olympische Familie» hielt sie sich ebenfalls bedeckt. Die Fähigkeit, sich im Slalom-Stil an umstrittenen Themen «vorbeizuschlängeln», besassen schon frühere IOC-Präsidenten, nicht zuletzt Kirsty Coventrys Vorgänger Thomas Bach. Die neue Chefin aber konnte sich dies in der Heimat «antrainieren».

Mugabes «Golden Girl»

Die zweifache Mutter wurde 1983 in Harare geboren. Erst drei Jahre zuvor war das frühere Rhodesien offiziell unabhängig geworden, nachdem die bislang regierende weisse Minderheit ihre Macht abgegeben hatte. Zum neuen starken Mann wurde Robert Mugabe, der sich während seiner Langzeit-Herrschaft vom Hoffnungsträger zum Despoten wandelte.

Das bekamen die weissen Simbabwer zu spüren, besonders die Farmer, die teilweise mit roher Gewalt von ihrem Land vertrieben wurden. Kirsty Coventry dagegen war durch ihren Status als Sportheldin faktisch geschützt. Mugabe nannte sie sein «Golden Girl», mehrfach erhielt sie hohe Geldprämien aus der Kasse eines faktisch bankrotten Staates.

Sportministerin ohne Erfahrung

Dies zeigt eine Dokumentation, die am letzten Freitag von der ARD ausgestrahlt wurde (hierzulande wegen Geoblocking auf «normalem» Weg nicht verfügbar). Sie zeigt das Bild einer Sportlerin, die sich geschmeidig an die Machtverhältnisse anzupassen wusste. Denn 2017 wurde Mugabe vom einstigen Verbündeten Emmerson Mnangagwa gestürzt.

Nach anfänglich zaghaftem Optimismus entwickelte sich der neue Machthaber (Übername «das Krokodil») zu einem noch schlimmeren Despoten als sein Vorgänger. Kirsty Coventry aber wurde Sportministerin in Mnangagwas Regierung, und das ohne Führungserfahrung. Ihre Bilanz wird von den noch in Freiheit befindlichen Oppositionellen negativ beurteilt.

Nationalstadion als Baustelle

«Sie ist einer Regierung beigetreten, von der sie wusste, dass sie Blut an den Händen hat», sagte der frühere Finanzminister Tendai Biti der ARD. «Sie wollen Ja-Sager. Wenn man kein Ja-Sager ist, hat man in der Regierung keinen Platz», ergänzte Beatrice Mtetwa, eine Menschenrechtsanwältin. Coventry bezeichnete sie als «schlechteste Sportministerin» des Landes.

epa07010787 Zimbabwean Olympic gold medallist swimmer Kirtsy Coventry (2-R) is congratulated by Zimbabwean President Emmerson Mnangagwa (2-L) after taking the oath of office to be sworn in as the Mini ...
Nach der Ernennung zur Sportministerin 2018 wird Kirsty Coventry von Präsident Emmerson Mnangagwa beglückwünscht.Bild: EPA

Die Realität ist etwas differenzierter. So machte Coventry die sexuellen Übergriffe mehrerer hoher Fussballfunktionäre öffentlich. Gerade der Fussball aber ist ein heikles Thema. Das Nationalstadion in Harare, das als einziges die FIFA-Anforderungen erfüllt, ist seit Jahren eine Baustelle. Die Nationalmannschaft kann deshalb keine Heimspiele austragen.

Die «geschenkte» Farm

Beatrice Mtetwa macht dafür die ehemalige Sportministerin verantwortlich. Und da ist noch die Sache mit der Farm, die Coventry und ihr Mann von der Regierung als «Geschenk» erhielten. Sie hatte zuvor ausgerechnet einem Neffen von Ex-Machthaber Robert Mugabe gehört. Er klagte vergeblich vor Gericht und flüchtete ins Exil nach Sambia.

Der ARD wollte die IOC-Präsidentin kein Interview geben. Nach ihrer Wahl im letzten Sommer äusserte sie sich zur Kritik an ihrer Heimat und ihrer Arbeit als Sportministerin: «Die Dinge verbessern sich, es geht voran. Es braucht Zeit, aber ich weiss, dass die Arbeit, die ich in Simbabwe geleistet habe, dem Wohl der Jugend in Simbabwe zugutekommen wird.»

«Verwischung» von Sportarten

Mit diesem geschmeidigen Opportunismus qualifizierte sich Kirsty Coventry für ihr neues Amt, auch nach Ansicht von Vorgänger Thomas Bach. Sie war seine Wunschnachfolgerin und siegte trotz namhafter Konkurrenz unter anderem von Sebastian Coe, dem Präsidenten des Internationalen Leichtathletikverbands, im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit.

Olympic Committee President Kirsty Coventry meets the media in Milan, Italy, Sunday, Feb. 1, 2026. (Claudio Furlan/LaPresse via AP)
Kirsty Coventry
Bereit für ihre ersten Spiele: Kirsty Coventry am Sonntag an der Medienkonferenz in Mailand.Bild: keystone

Nach ihrer Wahl setzte sie mehrere Arbeitsgruppen ein, die sich mit möglichen Reformen des IOC und der Olympischen Spiele beschäftigen. Dabei geht es um heikle Themen wie den Umgang mit Transmenschen oder der «Verwischung» von Sportarten. So könnten etwa Radquer und Crosslauf künftig ins Programm der Winterspiele aufgenommen werden.

Reformen verspäten sich

Die Vergabe der Spiele steht ebenfalls auf dem Prüfstand, was für die Schweiz und ihre Kandidatur für 2038 interessant sein könnte. Die Reformen dürften an der IOC-Session am Dienstag und Mittwoch in Mailand besprochen werden, doch Coventry bat am Sonntag schon mal um Geduld. Konkrete Ergebnisse werde es wohl erst im zweiten Halbjahr geben.

Reformen sind im IOC ein heikles Thema. Thomas Bachs Vorgänger Jacques Rogge war durch die Reformresistenz des elitären Gremiums zermürbt worden. Der deutsche Fecht-Olympiasieger zeigte in seinen zwölf Amtsjahren entsprechend wenig Willen zur Veränderung. Ob sich dies unter Kirsty Coventry ändern wird? Zweifel sind angebracht.

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quelle: keystone / alessandro trovati
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el cóndor terminado
03.02.2026 15:33registriert Juni 2021
Ja-Sager, "Slalomfahrer" und Windfahnen haben es gut in solchen Institutionen wie dem IOC oder der FIFA, da wird einem jede Verfehlung verziehen.
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James McNew
03.02.2026 16:02registriert Februar 2014
Ah, Schattenseiten?

Korruption und moralfreier Opportunismus gehören doch zu den Kernforderung für einen solchen Posten beim IOC, oder?
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Pantoffelheld
03.02.2026 16:03registriert September 2025
Oh, gut, dann kann sie das IOC ja gleich mit Infantinos FIFA zusamenschliessen. Die beiden werden sich prächtig verstehen.
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