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Veloklau in der Schweiz: Wo am meisten gestohlen wird

Volksseuche Veloklau: Wo am meisten gestohlen wird und was man dagegen tun kann

Velodiebstähle nehmen in der Schweiz stark zu – besonders teure E-Bikes geraten ins Visier organisierter Täter. Polizei und Versicherungen raten zu besserem Schutz.
01.06.2026, 10:5101.06.2026, 11:06
Bruno Knellwolf
Bruno Knellwolf
Solche Schlösser hat ein Fahrraddieb schnell geknackt.
Solche Schlösser hat ein Fahrraddieb schnell geknackt..Bild: Getty

Landauf, landab werden täglich Velos gestohlen. Einer Familie am Bodensee vor zwei Wochen gleich zwei innerhalb von fünf Tagen. Zuerst jenes der Tochter am Bahnhof Wil, nachher jenes der Mutter am Bahnhof Goldach. Es gibt auch dreistere Fälle: Vor der Badi Goldach luden Räuber vor einigen Jahren gleich reihenweise E-Bikes in einen Lieferwagen.

Immer mehr Velodiebstähle in der Schweiz

Velodiebstahl ist in der Schweiz ein zunehmendes Problem, mit deutlich steigenden Fallzahlen in den vergangenen Jahren. Laut Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) wurden 2024 schweizweit 54 308 Velos und E-Bikes als gestohlen gemeldet. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren, im Jahr 2021 wurden noch rund 36 000 Velos und E-Bikes gestohlen.

Diebe sind in allen Landesgegenden unterwegs, am meisten in den Städten. Gemäss der Kriminalstatistik des Kantons St. Gallen wurden im Jahr 2025 insgesamt 2426 Velos und E-Bikes gestohlen. Zehn Jahre zuvor waren es erst 1640 Fälle, darunter lediglich 43 E-Bikes. Heute machen E-Bikes im Kanton St. Gallen deutlich mehr als die Hälfte der entwendeten Fahrräder aus. «Die sind aufgrund ihres relativ hohen Preises lukrativ für Diebe und können gut wiederverkauft werden», sagt Florian Schneider von der Kantonspolizei St. Gallen.

Auch die Kantonspolizei Aargau weist für das Jahr 2025 rund 3300 Fälle aus, bei denen eines oder mehrere Velos entwendet wurden. Sicher ist zudem, dass die Dunkelziffer schweizweit hoch ist, weil nicht alle Betroffenen einen Diebstahl bei der Polizei melden. Besonders häufig werden Velos gemessen an der Einwohnerzahl in Solothurn gestohlen: Dort wurden 2025 rund 24 Diebstähle pro 1000 Einwohner registriert. Dahinter folgen Basel-Stadt mit 15 und Luzern mit 7 – sogar noch vor Zürich.

Zwei Arten von Diebstahl

Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau sagt, man müsse zwischen zwei Arten von Diebstahl unterscheiden. Zum einen ist da der eigentliche Diebstahl, bei dem die Beute später zu Geld gemacht wird. Zum andern nur die blosse Entwendung, weil man das Velo gerade brauchen kann. Irgendwo steht das Velo dann herum.

Oft Täter aus dem Ausland

«Bis vor einiger Zeit gab es auffällig häufig Diebstähle aus Velokellern und Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern, die uns Sorgen machten», sagt Graser. Bevorzugte Beute waren E-Bikes, aber auch hochwertige Mountainbikes und Rennräder. «Gestohlen wurden sie zum einen von ausländischen Tätergruppen, welche die Velos ins Ausland schafften. Zum anderen waren lokale Einzeltäter am Werk, welche die Beute auf Online-Handelsplattformen zu verkaufen suchten», sagt Graser. Solche Einschleich-Diebstähle kommen zwar noch vor, allerdings weniger. Das könne mit dem Abflauen des Velobooms, der mit Corona startete, zu tun haben, sagt Graser.

Aktuell gibt es immer mehr nächtliche Diebe, sogenannte «Fälleler». Die durchsuchen vor allem parkierte Autos. Als Nebenprodukt werden häufig Bikes aus Carports und unverschlossenen Privatgaragen entwendet. Graser erwähnt ein aktuelles Beispiel in Frick im Kanton Aargau. Am Dienstag filmte die Videoüberwachung eines Einfamilienhauses kurz nach Mitternacht einen Unbekannten, der sich an parkierten Autos zu schaffen machte. Die alarmierte Polizei nahm kurz darauf einen 21-jährigen Mann fest, der bei einem Haus in der Nähe mit einer Gartenschere auf seiner Diebestour das Schloss eines E-Bikes aufbrach.

«Es kommt auch vor, dass diese Klientel an Bahnhöfen abgeschlossene Velos entwenden. Teilweise mitten am Tag. Dabei verwenden die Täter Bolzenschneider oder elektrische Trennscheiben, um die oft verwendeten Kabelschlösser zu knacken», sagt Graser. Allzu oft seien junge Nordafrikaner die Täter.

Das zeigt auch die Recherche von SRF Investigativ, das ein gutes Dutzend Velos und E-Bikes mit Trackern ausgestattet und in der Deutschschweiz verteilt hat. Mehrere dieser Velos wurden innert kurzer Zeit gestohlen und ins Ausland gebracht. Getrackte Test-Bikes wurden innerhalb kürzester Zeit entwendet und über den Bahnhof Basel bis nach Frankreich oder Osteuropa nach Rumänien oder Serbien transportiert. Auch die St. Galler Polizei kennt solche Gruppierungen, die gezielt E-Bikes stehlen und sie mutmasslich ins Ausland bringen.

Da moderne E-Bikes oft auch mit GPS ausgerüstet sind, eignen sich auch diese für die Spurensuche. Am Bodensee konnte die Polizei so die Spur eines E-Bikes verfolgen. Das GPS führte die Fahnder zu einem mit zwanzig E-Bikes gefüllten Lastwagen.

Nur wenige Diebe werden gefasst

Die Diebe werden selten gefasst. Im Kanton St.Gallen lag die Aufklärungsquote im Jahr 2025 bei 5 Prozent aller Fälle bei den Fahrrädern und bei 7 Prozent bei den E-Bikes. Das ist allerdings weit besser als im Jahr 2015. Damals wurden nur gerade einmal zwei Prozent der Diebstähle aufgeklärt.

Was mit den gestohlenen Velos geschieht

Die Diebe werden selten gefunden, die gestohlenen E-Bikes und Velos dagegen schon. Nach dem Fund müssen die Geschädigten oder die Versicherungen im Kanton Aargau die Velos zeitnah bei den regionalen Polizeistationen abholen. Verzichten die Eigentümer auf die Rücknahme, treten sie das Velo mit einer Verzichtserklärung ab.

Im Kanton St.Gallen und anderen Kantonen liegt die Zuständigkeit für Fundvelos bei den Gemeinden. Die Kantonspolizei übernimmt die Aufbewahrung und Vermittlung an die Eigentümerinnen und Eigentümer. Wird das Diebesgut nicht abgeholt, kann die Gemeinde über einen Verkauf der Velos entscheiden.

Während Corona waren die Velokeller vieler Polizeistationen mit gestohlenen oder liegen gelassenen Velos überfüllt. Das hat sich etwas entspannt. Der «Velokeller» der Stadtpolizei St. Gallen ist zum Beispiel gut gefüllt, aber nicht überfüllt. «Monatlich lagern wir zwischen 20 bis 30 Velos neu ein», sagt Dionys Widmer von der Stadtpolizei St. Gallen.

Bei Velos, bei welchen eine Anzeige vorliegt, wird mit der Besitzerin oder dem Besitzer Kontakt aufgenommen. Alle anderen Velos werden für drei Monate eingelagert. Meldet sich in dieser Zeit niemand, werden die Velos an eine Projektwerkstatt weitergegeben. «Nur ein kleiner Teil der Velos kann jeweils vermittelt werden, die meisten gehen jedoch an die Projektwerkstatt», sagt Widmer.

Wer den Schaden bezahlt

Fahrraddiebstähle, E-Bikes eingeschlossen, sind über die Hausratversicherung der AXA wie auch der Mobiliar gedeckt. Wird das Velo nicht zuhause, sondern unterwegs gestohlen, so ist die Zusatzdeckung «einfacher Diebstahl auswärts» notwendig.

Beim Versicherer Axa haben Kundinnen und Kunden auf ein bereits entschädigtes Velo ein Vorkaufsrecht und können ihr gestohlenes Velo von der Versicherung zurückkaufen. Sonst wird die Axa Besitzerin. Bei der «Mobiliar» haben Versicherte die Wahl: Entweder das aufgetauchte Velo behalten und die Entschädigung zurückzahlen, oder die Entschädigung behalten und das Velo der Versicherung überlassen.

Verlust wird in der Regel schnell zurückerstattet

Schweizerinnen und Schweizer sind gut versichert, der Veloverlust wird schnell erstattet und ebenso schnell ist ein neues Velo gekauft. Lohnt es sich da überhaupt, das Velo abzuschliessen? Dass sich Versicherte extra unvorsichtig verhalten, denkt Simon Meili von der Axa nicht: «Ein Velodiebstahl ist für Kundinnen und Kunden immer mit Aufwand und Ärgernis verbunden.» Zudem liege es auch finanziell im Interesse aller Versicherten, ihr Hab und Gut möglichst gut zu schützen, denn für entstandene Schäden komme letztlich die Versicherungsgemeinschaft auf. Was sich auf die Prämien auswirkt.

Wie man sein Velo schützt

Besser ist, sich das Velo gar nicht stehlen zu lassen. Urs Bücheler ist Sicherheitsberater bei der Kantonspolizei St. Gallen. Seit der Corona-Pandemie seien viel mehr E-Bikes verkauft worden, die in einer anderen Preisklasse lägen. «Trotzdem stellen viele Leute ihre E-Bikes nach wie vor in unverschlossenen Abstellräumen ab. Oft nur mit billigen Fahrradschlössern gesichert», sagt Bücheler.

Deshalb sollte man ein Fahrrad nicht nur abschliessen, sondern anketten und anschliessen. Ein lediglich abgeschlossenes Velo kann getragen und wegtransportiert werden. «Deshalb muss das Velo über dessen Rahmen mit einem festen Bügelschloss an einem festen Teil angebunden werden, an einen Veloständer, eine Laterne, einen Eisenzaun und Ähnliches», sagt der Sicherheitsberater.

Zudem empfiehlt Bücheler, Rahmennummer, Marke und Farbe zu notieren und die Kaufquittung aufzubewahren. Je nach Wert des E-Bikes sollte die Versicherungssumme angepasst werden. Er verweist auf die Dienstleistungen Velofinder.ch und www.suisse-ePolice.ch. Dort kann, wie bei einem Polizeiposten, die Anzeige erstattet werden.

Eines der anfangs erwähnten gestohlenen Velos der Familie vom Bodensee stand übrigens zwei Tage später wieder am ursprünglichen Ort im Bahnhofs-Veloständer. (aargauerzeitung.ch)

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101 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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maylander
01.06.2026 11:07registriert September 2018
Velodiebstal nicht mehr als Streich oder Kavaliersdelikt behandeln wäre eventuell auch eine Lösung.
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maylander
01.06.2026 11:54registriert September 2018
Um die Polizeiarbeit zu erleichtern müsste man die Gesetzte ändern.

Ködervelos sind eine sehr effektive Strategie. Die Polizei stellt manipulierte Velos ab und wertet dass sie geklaut werden. Danach kann der Dieb geschnappt werden. Das spricht sich dann bei den Profis schnell herum, wenn es eine Stadt so macht.
Das es funktioniert, bedarf es aber Änderungen im Gesetzt, dass dies überhaupt in der Schweiz erlaubt ist und dass die Diebe eine empfindliche Strafe bekommen.
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Flexon
01.06.2026 11:17registriert Februar 2014
Ein Problem ist, dass die Städte viel zu wenig ankettbare Veloständer anbieten. Das wäre einfach zu verbessern.
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