Altersvorsorge
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Der Verband Angestellte Schweiz will das Rentenalter flexibilisieren. (Symbolbild)

Bild: KEYSTONE

Pensionskassen-Reform: Gewerkschafter und Arbeitgeber einigen sich auf Kompromiss



Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben sich auf eine Pensionskassen-Reform geeinigt. Der Umwandlungssatz in der obligatorischen beruflichen Vorsorge (BVG) soll auf 6 Prozent sinken. Im Gegenzug wird die Altersvorsorge von Arbeitnehmenden mit tiefen Einkommen verbessert.

Das gaben Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen am Dienstag bekannt. Nach dem Scheitern der letzten Rentenreform an der Urne hatte der Bundesrat die Sozialpartner beauftragt, einen Kompromiss auszuhandeln. Auch in der abgelehnten Reform war die Senkung des Mindestumwandlungssatzes geplant gewesen. Der Ausgleich hätte in erster Linie bei der AHV stattfinden sollen. Diese Vermischung trug 2017 zum Scheitern der Vorlage an der Urne bei.

Der Bundesrat arbeitet inzwischen an einer neuen AHV-Reform, die er demnächst dem Parlament vorlegen will. Parallel dazu liegt nun auch der Vorschlag der Sozialpartner für die 2. Säule vor. Die Senkung des Mindestumwandlungssatzes von 6.8 auf 6 Prozent führt zu einer Rentenkürzung von 12 Prozent.

Pensionskassen fordern diesen Schritt seit Jahren, weil die Rentenversprechen nicht mit den vorhandenen BVG-Altersguthaben gedeckt werden können. Jedes Jahr müssen daher mehrere Milliarden Franken aus dem überobligatorischen Bereich abgezogen werden.

Frauen profitieren

Die Gewerkschaften haben die Senkung des Mindestumwandlungssatzes jedoch zweimal erfolgreich an der Urne bekämpft. In den vorliegenden Kompromiss eingewilligt haben sie dank umfangreicher Verbesserungen für Teilzeitangestellte, Arbeitnehmende mit tiefen Einkommen und damit insbesondere für Frauen.

Der Koordinationsabzug, der den versicherten Lohn bestimmt, soll halbiert werden, wie es in einer Mitteilung der Sozialpartner heisst. Das führt zu einem höheren versicherten Verdienst, wovon insbesondere Teilzeitbeschäftigte profitieren. Weiter werden die Lohnbeiträge so angepasst, dass die Lohnnebenkosten für ältere Arbeitnehmende deutlich sinken.

Heute betragen die Altersgutschriften 15 Prozent für 45- bis 54-Jährige und 18 Prozent für ältere Arbeitnehmende. Künftig sollen sie sich für beide Altersgruppen auf 14 Prozent des versicherten Lohns belaufen. Für jüngere Arbeitnehmende werden die Beiträge im Gegenzug leicht erhöht. Die Zuschüsse für Arbeitgeber mit ungünstigen Altersstrukturen werden aufgehoben

Abzug für höchste Einkommen

Die Sozialpartner haben sich auch auf einen Rentenzuschlag für künftige Rentnerinnen und Rentner geeinigt. Dieser wird durch einen zusätzlichen Beitrag von 0,5 Prozent auf AHV-pflichtigen Einkommen bis 853‘200 Franken finanziert. Der Rentenzuschlag soll dazu beitragen, das Rentenniveau der Übergangsgeneration zu halten und die Renten für tiefere Einkommen und Teilzeitbeschäftigte sofort zu verbessern, wie es in der Mitteilung heisst.

Auf diese Massnahmen haben sich der Arbeitgeberverband sowie die Arbeitnehmerdachverbände Schweizerischer Gewerkschaftsbund und Travail.Suisse geeinigt. Durch die Kombination von beitrags- und leistungsseitigen Massnahmen seien die Mehrkosten des Kompromisses insgesamt verhältnismässig, schreiben sie. Der Vorschlag sorge für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und sei damit auch KMU-tauglich.

Nun muss der Bundesrat entscheiden, ob er den Kompromiss dem Parlament vorlegen will. Das letzte Wort dürfte das Volk haben. Widerstand ist programmiert: Der Schweizerische Gewerbeverband trägt den BVG-Kompromiss nicht mit. Die Sozialpartner hoffen aber, dass die Reform spätestens 2022 in Kraft gesetzt werden kann. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Thinkdeeper 03.07.2019 11:31
    Highlight Highlight Gebastel aber keine Lösung...
    1. 2te Säule und Assekuranz verstaatlichen.
    2. Freie Wahl der PK und Splitting
    3. Gewinne der Versicherten statt Privaten und Legal Quote für Shareholder
    4. Ab jedem Franken Lohn PK auch bei Teilzeit..d.h. Abschaffung Koordinationsabzug.
    5. PK Pflicht auch für Selbstständige
    6. Erhöhen des freiwilligen Einkaufs..
    7. Wahl. D
    5. PK auch bei ALV / IV
    6. Einheitliche Sätze
  • Rethinking 02.07.2019 17:00
    Highlight Highlight Es braucht keine Reform mit Rentenkürzung und höheren Beiträgen. Die Reserven der Pensionskassen sind so hoch wie noch nie. Im Jahr 2017 verdoppelten sich die Wertschwankungsreserven fast um 47,6% auf 84,8 Mia. Die freien Mittel stiegen um 67,7% auf 7,5 Mia:
    https://www.ktipp.ch/artikel/d/pensionskassen-der-raubzug-auf-die-renten/

    Hingegen gibt es riesiges Sparpotential bei den Verwaltungskosten. Die über 2000 Kassen für obligatorische Versicherungen führen zu sehr hohen Verwaltungskosten von gut 2000.- pro Kopf und Jahr:
    https://www.ktipp.ch/artikel/d/hohe-lohnabzuege-fuer-die-verwaltung/
  • infomann 02.07.2019 14:24
    Highlight Highlight Warum wird darüber so wenig gesprochen?
    Ein riesiges Problem ist dass sich an unseren Pensionskassen Geldern unheimlich viele Banken, Versicherungen Fonds Manager usw extrem bereichern.
    Es gibt Länder die haben bist 10x weniger Kosten für die Verwaltung.
    Die Lobbyisten sitzen vor allem in der FDP und machen ganze Arbeit.
  • messanger 02.07.2019 13:45
    Highlight Highlight "Dieser wird durch einen zusätzlichen Beitrag von 0,5 Prozent auf AHV-pflichtigen Einkommen bis 853‘200 Franken finanziert"

    Moment. Die Gewerkschaften haben zugestimmt, dass die Beiträge für bis 853kCHF erhöht werden, aber nicht darüber? Ich bin kein Experte für PKs, aber sollten die Gewerkschaften nicht dafür sorgen, dass die Beiträge v.a. bei den höchsten Löhnen erhöht werden?
    Diese Erhöhung ist eine regressive Steuer und wäre laut BG nicht erlaubt. Da es sich aber um "Beiträge" handelt...
  • Fairness 02.07.2019 11:48
    Highlight Highlight Ich weiss nicht, woher die 9 % kommen. Ich hatte noch nie ein Reglement oder PK-Info, wo 9% Für die letzten Jahre drin stand. Das kann nicht immer verallgemeinert werden. Ist wohl beim Staat so.
    • ingmarbergman 02.07.2019 11:52
      Highlight Highlight von welchen 9% sprichst du???

      Hier die obligatorischen Spar-Sätze der PK:

      25-34j: 7%
      35-44j: 10%
      45-54j: 15%
      55-65j: 18%
    • ChillDaHood 02.07.2019 13:47
      Highlight Highlight Welche 9%. Falls du die 6.8% Umwandlungssatz meinst, das sind diejenigen, die für das BVG-Minimum gelten. Dein aktuelles PK-Geld wird wohl eher mit weniger umgewandelt, und irgendwo wird angegeben was der BVG-Anteil ist. Der Rest kriegt dann halt fast keinen Umwandlungssatz und gemischt ist es wahrscheinlich 5.x% Weil die Anlage nicht mehr hergibt. Dein PK-Kapital kommt ja aus drei Quellen: Dein Teil, Teil Arbeitgeber und Zins. tja Zins ist gerade wenig...
  • Meiner Einer 02.07.2019 10:56
    Highlight Highlight Endlich sollen auch die Beitragssätze angepasste werden. Damit werden ältere Arbeitnehmer - welche es auf dem Arbeitsmarkt ohnehin nicht so einfach haben - wenigstens bei den Beitragsätzen "preislich" für die Arbeitgeber mit den jüngeren gleichwertig. Und früher mehr einzahlen macht auch Sinn (Zinseszins).
    • FrancoL 02.07.2019 11:31
      Highlight Highlight Naja Zinseszins heut anzuführen ist doch etwas mehr als nur merkwürdig.
    • walsi 02.07.2019 11:55
      Highlight Highlight @Meiner: Der BVG-Satz für ältere könnte tiefer sein als der Satz der jüngeren und sie würden trotzdem nicht eingestellt werden. Es gibt noch viele andere und wichtigere Gründe weshalb ältere keine Stelle mehr finden. Darüber will aber niemand sprechen.
    • Meiner Einer 02.07.2019 12:56
      Highlight Highlight Ja Franco, ganz unrecht hast Du da nicht. Wahrscheinlich wird das bisschen Zins heute bei vielen PK's schon fast von den Verwaltungskosten aufgefressen. Dazu ein erschreckendes Beispiel: Beim Korruptionsskandal bei der BVK (PK Kanton Zürich) hiess es, die Korruption sei u.a. deshalb nicht entdeckt worden, weil die Vermögensverwaltungskosten immer noch im Durchschnitt der PK's lagen. Seither konnte die BVK die Vermögesverwaltungskosten massiv senken. Da darf man gar nicht ausrechnen, wie viel Geld in allen PK's mit besserer Verwaltung gespart werden könnte...
    Weitere Antworten anzeigen
  • FranzXaver 02.07.2019 10:53
    Highlight Highlight Da haben sich die Gewerkschaften mal wieder über den Tisch ziehen lassen. Eine Rentenkürzung ist inakzeptabel.
    Eine Volkspension muss her.
    • ingmarbergman 02.07.2019 11:20
      Highlight Highlight Inwiefern löst eine Volkspension die situation in der 2. Säule?

      In der 2. Säule spart jeder für sich selbst. Wenn wir älter werden, muss das Geld länger reichen. So einfach ist das. Ich will nicht für die zu hohen Renten der alten bezahlen.
    • FrancoL 02.07.2019 11:31
      Highlight Highlight Wie genau finanziert?
    • lucasm 02.07.2019 12:24
      Highlight Highlight Momentan haben wir de facto eine stetige rentenerhöhung, da bei gleich langer einbezahlungszeit immer länger renten bezogen werden, weil der mensch immer älter wird.
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