Wirtschaft
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Der Schweizer Jungunternehmer Patrick Liotard-Vogt anlaesslich der Praesentation des Films

Bild: KEYSTONE

Klammer Visionär

Patrick Liotard-Vogt wird über 4,2 Millionen betrieben

Der Millionenerbe von der Zürcher Goldküste schuldet seiner eigenen Kreditkartenfirma 1,15 Millionen und dem FCB-Spieler David Degen 1,5 Millionen. 

Visionär, Investor, Unternehmer: Mit diesen Attributen schmückt sich Patrick Liotard-Vogt gerne. Und ebenso gerne sprach der heute 30-jährige Enkel eines ehemaligen Nestlé-Generaldirektors, Jetset-Millionenerbe und Betreiber der Edel-Social-Media-Plattform «A Small World» in den Medien über seine Pläne und sein Universalgenie. 

Das tut Liotard-Vogt mittlerweile nicht mehr so gerne. Im September hat er seinen Wohnsitz auf die Karibikinsel-Staat St. Kitts and Nevis verlegt und sich an seinem angestammten Wohnort in Uerikon (ZH) abgemeldet. Auf dem dortigen Betreibungsamt liegen Betreibungen über rund 4,2 Millionen Franken gegen ihn vor. Zu seinen Gläubigern gehört auch die DinersClub AG in Rapperswil. 

Letztere ist der Deutschland-Schweiz-Ableger der internationalen Kreditkartenfirma DinersClub, an dem Liotard-Vogt zu 18 Prozent beteiligt ist und in dessen Verwaltungsrat er sitzt. Verantwortlich für diese Betreibung ist also sein eigener Verwaltungsratspräsident. Dieser bestätigt auf Anfrage von watson.ch, dass sich Liotard auf die Karibikinseln abgemeldet hat und an den letzten zwei Verwaltungsrats-Sitzungen nur noch telefonisch teilnahm. Zur Betreibung sagt er nichts, weil er nicht über Kartenhalter der Firma Auskunft gebe.  

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Liotard-Vogts privater aktueller Betreibungsregister-Auszug vom 22. Januar 2014.

Patrick Liotard-Vogt: 
Enkel des Nestlé-Generaldirektors

Patrick Liotard-Vogts Grossvater war Pierre Liotard-Vogt, VR-Präsident und CEO von Nestlé. Er gehörte zu den bestverdienenden Managern Europas.

Patrick Liotard-Vogt erhielt zum 17. Geburtstag 40 000 Franken für Investments und im Alter von 21 Jahren ein Nestlé-Aktienpaket und Immobilien. Damit beteiligte sich Liotard-Vogt an verschiedenen Projekten.

Die bekanntesten sind DinersClub (Kreditkarten) «Poken» (digitale Visitenkarte), «The Worlds Finest Clubs» (VIP-Lokale weltweit) und «A Small World» (Social-Media-Plattform). Die Projekte waren insgesamt wenig erfolgreich. 

Elf Betreibungen im Jahr 2010

Der DinersClub-Chef ist nicht der einzige, der von Liotard-Vogt noch Geld will. Der Jetsetter, der zwischen Dubai, New York, London, Miami und St. Kitts and Nevis pendelt, ist vergangenes Jahr auch vom FCB-Spieler David Degen über 1,5 Millionen Franken betrieben worden. Dieser war zwischenzeitlich bei Liotard-Vogt investiert und sass mit seinem Bruder Philipp auch im Verwaltungsrat einer von Liotard-Vogts Firmen, die als Geschäftszweck Immobilien-Investments ins Handelsregister eintragen liess. Während Liotard Vogt gegen alle anderen Betreibungen Rechtsvorschlag eingelegt hat, ist die Betreibung von David Degen bereits eingeleitet worden. 

Neben DinersClub und Degen betreibt auch die JCR ASW Holdings in New York Liotard-Vogt. Diese will bei Liotard-Vogt ingesamt rund 1,6 Millionen eintreiben. Das Kürzel ASW deutet auf einen Zusammenhang mit «A Small World» hin, der verantwortliche Rechtsanwalt war innert nützlicher Frist nicht erreichbar. David Degen wollte sich nicht in der Öffentlichkeit zum Fall erklären.

Bereits früher hatte Liotard-Vogt Schwierigkeiten oder war nicht Willens, Ausstände zu begleichen.  2010 hatte er zwei private Betreibungen über rund 7000 Franken, seine Real Estate Projects AG wurde sieben Mal über insgesamt rund 35 000 Franken betrieben (sechs der Rechnungen wurden beglichen) und seine Poken SA in Lausanne wurde ebenfalls zweimal betrieben. Ein Aktionär, der aus einer von Liotard-Vogts ASW Capital AG aussteigen wollte, musste ihn ebenfalls erst betreiben, bevor Liotard-Vogt zahlte.

Mit der ASW Capital AG hatte Liotard-Vogt 2009 den Hollywood-Produzenten Bob und Harvey Weinstein für kolportierte zehn Millionen Dollar «A Small World» abgekauft. Die exklusive Social-Media-Plattform für die Reichen und Schönen, in die man nur auf Einladung reinkommt, hätte Liotard-Vogt zum europäischen Zuckerberg machen sollen. Aber er war zu spät dran im Social-Media-Geschäft, die Firma war schon beim Kauf ein Sanierungsfall und hob nie ab. Ein Verkauf gelingt ebensowenig, wie ein Cross-Selling der reichen «A Small World»-Community bei DinersCard oder den Privatbanken Clariden Leu und Sallfort, denen  Liotard-Vogt seine Community als potentielle Topkunden verkaufen und sich im Gegenzug an den Banken beteiligen wollte. Mittlerweile nutzt sogar Liotard-Vogt selbst Facebook, um der Öffentlichkeit aus seinem Leben zu berichten. 

Film mogul Harvey Weinstein gestures to photographers, left, as actor Joaquin Phoenix speaks to him after the photo call for the film 'The Master' at the 69th edition of the Venice Film Festival in Venice, Italy, Saturday, Sept. 1, 2012. (AP Photo/Andrew Medichini)

Weg damit: Harvey Weinstein (m.) und sein Bruder Bob verkauften «A small World» 2009 an Liotard-Vogt. Im Hintergrund: Schauspieler Joaquin Phoenix  Bild: AP

Kapitalerhöhungen im Wert von 13 Millionen

Worüber Liotard-Vogt auf Facebook nicht berichtet: Seit 2009 musste er in der ASW Capital AG Kapitalerhöhungen im Umfang von fast 13 Millionen Franken vornehmen. Einige Investoren, die Liotard-Vogt am Anfang halfen, sprangen schon früh ab. Liotard-Vogt zahlte sie aus, wie sie auf Anfrage sagten. Es waren vor allem diejenigen, die mit kleineren Summen im sechstelligen Bereich dabei waren. Zwei Grossinvestoren haben je über eine Million Franken investiert. Und bis heute nicht wieder gesehen. 

20 Millionen in die Karibik gezügelt

Mit der Übersiedlung Liotard-Vogts nach St. Kitts and Nevis sind die Chancen seiner Gläubiger, ihr Geld zurück zu erhalten, zusätzlich gesunken. Liotard-Vogt ist, kurz nachdem ihn DinersClub betrieben hat, auf die Karibikinsel übergesiedelt und hat dort Kapital im Umfang von rund 20 Millionen Franken im Tourismus-Projekt Kittitan Hill investiert, wenn lokale Medienberichte zum Anteil, den er von einer staatlichen Stiftung übernommen hat, stimmen. 

Die Hotelanlage Kittitan Hill auf St. Kitts and Nevis. An Weihnachten hätte Eröffnung sein sollen. Noch steht das meiste im Rohbau.  Bild: ZVG

Auch dem Kittitan Hill versucht Liotard-Vogt seine «A Small World»-Community zuzuführen. Sämtliche Mitglieder haben laut Liotard-Vogts Angaben einen Gutschein für eine Gratiswoche Aufenthalt erhalten. Ob seine reichen Freunde der kittitanischen Hotellerie mehr bringen, als DinersClub und den Privatbanken wird sich weisen. Die Eröffnung des Megakomplexes, dessen Errichtung 600 Millionen kosten soll, hätte an Weihnachten stattfinden sollen. Noch steht der grösste Teil der Anlage gemäss lokalen Medienberichten im Rohbau.

In Bezug auf seine Betreibungen in der Schweiz, kann Liotard-Vogt karibisch-entspannt bleiben. Im Gegenzug für sein Investment hat er einen kittitanischen Pass erhalten, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur Spot on the News sagte. Damit ist er für die Schweizer Betreibungsbeamten oder die Justiz nur noch sehr eingeschränkt verfügbar. Und Steuern muss er auch keine zahlen. 

Liotard-Vogt reagierte nicht auf Anfragen von watson.ch.

 



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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Charly Suter 22.01.2014 22:54
    Highlight Highlight Mit der SVC Risikokapital als Geldgeber sollte Poken gut ausgestattet sein, zumindest finanziell. Hinter dem SVC steckt ja die CS und da ist noch fenug Kapital...
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    0 0 Melden
  • Der Mann am Klavier 22.01.2014 22:48
    Highlight Highlight Neiiiin! Schon wieder so einer à la Carli? Real Estate ist voll angesagt unter Erben an der Gold- und Pfnüselküste hab ich gehört. Naja, hauptsache 5min Papi-Geld verschwenden und danach in Koks abstürzen. Who really cares?
    0 0 Melden
  • b.kuonen 22.01.2014 22:14
    Highlight Highlight Las ich das nicht schon irgendwo. Doch in der Handelszeitung!
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