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Ernte in Tbilisskaya, Russland. Exportiert das Land keine Weizen, hat diese einschneidende Folgen für diverse Länder.
Ernte in Tbilisskaya, Russland. Exportiert das Land keine Weizen, hat diese einschneidende Folgen für diverse Länder.Bild: keystone

Diese Länder sind am meisten von ukrainischem und russischem Weizen abhängig

Russland und die Ukraine liefern im grossen Stil Weizen und Gerste rund um die Welt. Exportieren sie weniger Getreide, sind vor allem ärmere Länder betroffen. Eine Übersicht.
03.04.2022, 16:38
Reto Fehr
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Rund ein Drittel des gesamten weltweit gehandelten Weizens stammt aus Russland und der Ukraine. Noch grösser ist der Anteil bei den Sonnenblumen. Keine Frage: Die beiden Länder sind grosse Akteure im Handel mit Landwirtschaftsprodukten.

Der Krieg erschwert aktuell oft nicht nur die Auslieferung, sondern auch die Ansaat der Felder. Wegen des russischen Angriffskriegs könnte in der Ukraine nach Einschätzung der Regierung die Hälfte der jährlichen Ernte ausfallen. Im vergangenen Jahr wurde eine Rekordernte von 106 Millionen Tonnen Getreide eingefahren.

Die Welternährungsorganisation der UNO (FAO) geht davon aus, dass im aktuellen Jahr zwischen 20 und 30 Prozent der Felder im Land nicht bestellt werden.

Das hat schwerwiegende Folgen.

Die Weizenimporte

26 Länder beziehen mehr als 50 Prozent ihrer Weizenimporte aus Russland und/oder der Ukraine, wie Angaben der FAO zeigen. Viele davon gehören zu nach Einteilung der Vereinten Nationen zu den am wenigsten entwickelten Ländern (WEL).

Eritrea beispielsweise bezieht seinen gesamten importierten Weizen aus Russland (53 %) und der Ukraine (47 %). Länder wie Kasachstan, die Mongolei oder Armenien sind zu 99 Protent von Russland abhängig. Die Seychellen beziehen mit 91 Prozent den Löwenanteil ihres Weizens aus der Ukraine.

Alle 109 Länder, die gemäss der FAO Weizen aus der Ukraine und Russland beziehen:

Die Abhängigkeit von den Importen

Soweit die Ausgangslage bei den Importen. Nun produzieren die Länder auch noch selbst Weizen. Kasachstan zum Beispiel importiert knapp neun Prozent seines jährlichen Verbrauchs. Den Rest produziert es selbst, wie Zahlen der FAO von 2019 zeigen, welche für watson ausgewertet wurden.

So zeigt sich: Am abhängigsten vom russischen und ukrainischen Weizen sind die Seychellen. Der Inselstaat baut rund 9 Tonnen selbst an und importiert nochmals die gleiche Menge. Davon stammen 91 Prozent aus der Ukraine.

Total beziehen neun Länder mindestens ein Drittel ihres Weizenverbrauchs aus Russland und der Ukraine. Die folgenden 30 Länder lassen sich normalerweise mindestens einen Fünftel des Weizenbedarfs aus den beiden Ländern liefern:

Und in absoluten Zahlen?

Betrachtet man die absoluten Mengen an Weizen, präsentiert sich die Lage deutlich anders.

46 Prozent der Weizenimporte der Seychellen entsprechen rund acht Tonnen. Die Türkei dagegen importiert rund 1000-mal mehr Weizen – was allerdings nur 28 Prozent des Gesamtverbrauchs des Landes ausmacht.

Zusammen mit der Ägypten nimmt die Türkei den Löwenanteil der Importe aus Russland oder der Ukraine ab. Gemeinsam mit Indonesien und Saudiarabien sind sie gar für rund die Hälfte aller Exporte aus Russland und der Ukraine besorgt. Indonesien fehlt auf unserer Liste unten, weil die 2917 Tonnen importierten Weizen nur knapp 15 Prozent des Gesamtverbrauchs des Landes ausmachen.

Und was macht die Schweiz?

Die Schweiz produziert laut Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) einen Grossteil des Weizens selbst. Im Jahr 2020 produzierte die Schweiz 1000 Tonnen Getreide (Brotweizen, Futterweizen, Roggen, Gerste, Hafer, Körnermais, Triticale und weitere). Importiert hat die Schweiz im gleichen Jahr rund 630 Tonnen Getreide

Nur 1,4 Prozent der Weizenimporte stammen aus der Ukraine, aus Russland wird keiner importiert. Wichtigstes Importland von Hartweizen ist Kanada – mit grossen Abstand.

Weichweizen (Brotweizen) werden hauptsächlich aus Deutschland und Österreich importiert, wie Zahlen des BLW von 2021 aufzeigen. Die Ukraine ist hier zwar sechstgrösster Handelspartner, gemessen am Gesamtimport von Weizen aber trotzdem mit einem sehr kleinen Anteil:

Weizen, Gerste und Sonnenblumen

Russland und die Ukraine gehören weltweit zu den wichtigsten Erzeugern von Agrarrohstoffen. Besonders eindrücklich ist der Marktanteil bei den Sonnenblumen. Im Schnitt kommt seit 2016 mehr als die Hälfte der weltweiten Produktion aus den beiden Kriegsländern.

Schauen wir uns diese drei wichtigsten Produktionsfelder noch genauer an und blicken auf die Exportanteile der Länder. Die Ukraine liefert weltweit rund 38 Prozent aller Sonnenblumenölexporte, Russland folgt auf Rang 2. Die restlichen Länder sind weit abgeschlagen – einzig Argentinien und die Türkei können noch einen einigermassen grossen Anteil für sich beanspruchen:

Der grösste Weizenexporteur der Welt ist Russland. 18 Prozent des weltweiten Handels kommt aus dem Riesenreich. Die Ukraine steht hier noch an fünfter Stelle mit immerhin rund 10 Prozent Anteil:

Bei der Gerste werden die Ukraine und Russland von Australien überboten. Allerdings sind die beiden Staaten für rund jede vierte exportierte Gerste weltweit verantwortlich:

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58 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Solatrix
03.04.2022 16:59registriert November 2021
Ist zwar wahrscheinlich nicht die Botschaft, die ich aus diesem Artikel mitnehmen sollte, aber: unser Hauptanteil an Weizen kommt aus Kanada? Obwohl Weizen auch in der "Nähe" produziert wird? Macht das Sinn?

Ich sehe, ich habe mich bisher viel zu wenig für unsere Importgüter interessiert...
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Wäre Europa bereit für den Krieg? 4 Fragen und Antworten
Anders als bei der Invasion der Krim 2014 will Europa und der Westen umgehend reagieren, wenn Putin angreift. Die Schweiz spricht unterdessen eine Reisewarnung für die Ukraine aus.

Jetzt wird es auch der Schweiz langsam ungemütlich: Nachdem die USA und verschiedene europäische Staaten ihre Landsleute zum Verlassen der Ukraine aufgefordert hatte, warnt auch das Aussendepartement (EDA) vor Reisen in das Land. Die 257 in der Ukraine lebenden Schweizer und Schweizerinnen müssten zwar individuell entscheiden, ob sie ausreisen wollten oder nicht. Das EDA weist jedoch darauf hin, dass es bald keine Flüge mehr geben könnte. «KLM hat die Flüge schon gecancelt – warten Sie nicht», sagte Aussenminister Ignazio Cassis bei einer Veranstaltung im Beisein des österreichischen Bundeskanzlers Karl Nehammer.

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