Basel
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Geschäftsführer Ofir Kroo steht oft auch selber auf der Strasse, um den Verkehr zu regeln.

Geschäftsführer Ofir Kroo steht oft auch selber auf der Strasse, um den Verkehr zu regeln. Bild: ch media / Kenneth Nars

Dumpingpreise bei Staatsaufträgen: Der harte Verdrängungskampf der Basler Security-Firmen

Für Grossaufträge des Staates wollen die Security-Firmen möglichst billig sein, um den Auftrag zu erhalten.

Jonas Hoskyn / ch media



Angesichts der vielen Baustellen gehören sie schon fast zum Basler Stadtbild: Die meist gelb gewandeten Männer und Frauen, die während der Arbeiten den Verkehr regeln – oftmals rund um die Uhr. Doch während die Mitarbeiter der Verkehrsdienste versuchen, möglichst wenig Gedränge aufkommen zu lassen, herrscht hinter den Kulissen ein gnadenloser Verdrängungskampf.

Die Aufträge vom Staat und von staatsnahen Organisationen wie den BVB oder IWB sind finanziell sehr interessante Geschäfte, vom Volumen her meist im sechs- bis siebenstelligen Bereich mit sicherer Auftragslage über Monate hinweg.

Doch mittlerweile unterbieten sich die Bewerber gegenseitig derart, dass die Rechnung für kaum einen noch aufgeht. Wie Recherchen der bz basel zeigen, werden mittlerweile viele Aufträge zu einem Dumpingpreis vergeben, der für die Sicherheitsfirmen unter dem Strich ein Minus bedeutet. Sprich: Sie werden nur aus Prestigegründen angenommen und um Mitbewerber zu schwächen.

Um jeden Rappen wird gekämpft

Offen darüber reden wollen in der Branche nur wenige. Doch die Fakten reichen aus, um sich ein Bild von der Lage zu machen. 22.70 Franken beträgt der Mindestlohn für Sicherheitsangestellte laut dem Gesamtarbeitsvertrag.

Addiert man Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeiten, Sozialabgaben, Kosten für Ausbildung, Ausrüstung und Backoffice dazu, kommt man auf einen Betrag von etwa 40 Franken pro Mannstunde, damit sich ein Auftrag für die Firma rechnet.

Dem entgegen steht die Preisentwicklung bei den Aufträgen. Eine Auswertung der bz zu den grössten Baustellen des Bau- und Verkehrsdepartement und der BVB in den vergangenen Jahren zeigt, wie sich die Preisspirale kontinuierlich nach unten dreht.

Rechnet man die 450'500 Franken, welche die Firma Kroo Securty für den Einsatz während den Bauarbeiten am Centralbahnplatz vom Kanton erhielt, durch die 13'500 Mannstunden, kommt man auf einen Betrag von rund 33 Franken pro Mannstunde.

«Es gibt Aufträge, da kalkuliert man nicht mit einem Gewinn», sagt Geschäftsführer Ofir Kroo dazu. Der Centralbahnplatz sei «ein Prestigeauftrag» gewesen. Seine Firma gehört zu den Gewinnern des Preiskampfes. «Wir sind sehr schlank aufgestellt. Andere Firmen haben einen grösseren Büroapparat», sagt Kroo.

Buchstäblich um jeden Rappen wird gekämpft.

Das grösste Schnäppchen bisher war die Äussere Baselstrasse. Auch Kroo hat solche Erfahrungen gemacht: «Wir haben einmal einen Auftrag von rund 300'000 Franken erhalten, weil wir 120 Franken billiger waren als der Konkurrent.»» Das ist nicht einmal ein halbes Promille.

Der Grund: Für Verkehrsdienste gelten sehr niedrige Anforderungen. Entsprechend wird bei Ausschreibungen in der Regel nur auf den Preis geschaut. Wer am billigsten offeriert, erhält den Zuschlag. Zwar werden teilweise Referenzen oder Ausbildung zur Bedingung gemacht, aber dann nicht gewichtet.

Einige Sicherheitsfirmen verzichten mittlerweile darauf, bei Verkehrsdienstaufträgen mit zu bieten und bauen entsprechend Personal ab. Andere stehen teilweise kurz vor dem Ruin. «In Basel interessiert es niemanden, ob die Leute auf der Strasse richtig ausgebildet und ausgerüstet sind», sagt ein Geschäftsführer anonym.

Mittlerweile wird der Ruf laut, dass bei der Vergabe auch Kriterien wie Referenzen oder Ausbildung der Mitarbeiter berücksichtigt werden. Dieses Anliegen unterstützt auch Kroo. «Der Preis sollte zwischen 50 und 70 Prozent ausmachen und nicht allein entscheiden», sagt er. (bzbasel.ch)

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Cyberpunk 04.11.2019 11:24
    Highlight Highlight Der Beruf als SicherheitsMa reiht sich ein in einer Kette von ähnlichen Berufen mit unterirdischen Arbeitskonditionen (Pflegehelfer/in,Postlieferanten,ProduktionsMa,Raumpfleger/in etc.) bei welchem der Arbeiter solange ausgebeutet wird,bis er/sie die Stelle aufgibt.Bei der daraus hoch resultierenden Fluktuationen,kann dann auch kaum je ein Level an solider Erfahrung im Team/Qualitätssicherung erreicht werden.Nebenbei ist das Privatleben/Sozialleben,dank der Schichtarbeit ebenfalls im Eimer.Aber zum Glück werden diese Büezer bald durch mehr elitäre Grüne in der Politik vertreten *Ironie off*
    • Ritiker K. 04.11.2019 12:12
      Highlight Highlight Wie bitte? Welche Parteien in der Schweiz setzen sich für Lohnschutz, faire Arbeitsbedingungen, Gesamtarbeitsverträge und Mindestlöhne einsetzen. Die 'Volkspartei' ? Die Partei der Wirtschaft?

      Ups, es sind die 'elitären' Linken der SP und der Grünen'

    • Cyberpunk 04.11.2019 12:45
      Highlight Highlight @Ritiker: Wohl kaum die Grünen,oder denkst du die Grünen leben in den Plattenbauten auswärts der Stadt & schicken ihre Kinder in der Staatsschule?..Privatschulen,Steiner,Kunstschulen,Unis.. etc.die Grünen,wirst du ganz selten in einem Schichtbetrieb finden in der Funktion als Arbeiter der Unteren-Mittelklasse.Es sind meist studierte Elitäristen die in einer eigenen Welt leben & sich keinen Deut um die Büezer scherren.Mit ihren Vorstellungen wie sie die Welt retten wollen,z.B mit roadpiecing,ist ihnen scheissegal wie der Arbeiter damit klar kommen soll.Nur auf die Gewerkschaften/SP ist verlass.
  • Joe Smith 04.11.2019 11:14
    Highlight Highlight Willkommen im Kapitalismus und in der schönen neuen Welt der WTO.
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 04.11.2019 10:48
    Highlight Highlight Ist doch hier im Kanton Zürich mit zum Beispiel der Limmattalbahn genau das gleiche. Die Winkemännchen stehen hier doch an jeder Ecke rum.
  • fidget 04.11.2019 09:51
    Highlight Highlight Um ehrlich zu sein, muss man hier nicht wirklich Mitleid aufbringen. Nur billig offerieren, damit man den Zuschlag erhält kann auf Dauer nicht funktionieren. In meinen Augen ist das schlecht gewirtschaftet, wenn man seine Dienstleistung unter Wert verkauft und deswegen immer drauf legt. In gewisser Weise haben sich die Securityfirmen das auch selbst zu zuschreiben, da ja scheinbar alle so offerieren.
    • Cyberpunk 04.11.2019 11:51
      Highlight Highlight Es ist immer sehr einfach zu sagen,„selber Schuld“, „wenn die ihre Standards nicht aufrecht erhalten können“.. „wenn die dort Arbeiten“.. daß „die“ in einer freien Marktwirtschaft auch irgendwie überleben müssen kommt dir wohl nicht in den Sinn..? um eines deutlich zu sagen, wir reden hier nicht von der Mittelschicht! Dein Kommentar zeugt von Naivität. Solltest vielleicht die Prinzipien der freien Marktwirtschaft nochmals überdenken. Da gibt es keine Regeln.. Der Billigste gewinnt immer! Kartelle bei welchem Preislevels unter rivalisierenden Unternehmern vereinbart wären, wäre zudem Illegal..
  • GraveDigger 04.11.2019 09:50
    Highlight Highlight Kenn ich auch vom SRF bzw TPC. Das eigene Personal trägt Löhne raus die jenseits von Gut und Böse. Als "Externer" gabs nur Brosamen. Obs heute noch so schlimm ist weiss ich nicht.
    Aber wir zahlen ja gerne RTV Gebühren in Miliaardenhöhe. Der Staat und Staatsbetriebe wissen ganz genau wie man Lohndumping umgeht mit Subunternehmen.
    Hautsache das Kässeli und die Lohnklasse im leitenden Segement stimmt.
  • En Espresso bitte 04.11.2019 09:28
    Highlight Highlight Beschaffungsrechtlich ist eine 100%-Gewichtung des Preiskriteriums zulässig, wenn es sich bei den zu beschaffenden Gütern um absolut austauschbare -Sachen handelt. Ich würde das beispielsweise beim Kauf von Büroklammern bejahen. Bei doch etwas komplexeren Dienstleistungen wie vorliegend macht eine 100%-Gewichtung schlicht keinen Sinn. Mandatsorganisation, interne Prozesse oder auch Referenzen sind Kriterien, die sich recht gut bewerten lassen - und für vorliegenden Auftrag auch Sinn machen.

    Aber ja, man muss ja immer und überall sparen.
  • beaetel 04.11.2019 08:55
    Highlight Highlight Alles auslagern und privatisieren. So kann man am Besten die Leute ausquetschen. Eine typisch wirtschaftliche Denkweise. Hat dann zwar mit Demokratie nichts mehr zu tun, weil nur noch das Kosteneinsparen und Gewinne machen zählt. Das Leben besteht aber bekanntlich aus mehr als nur haben und soll.
  • John M 04.11.2019 07:52
    Highlight Highlight Da ich relativ lange in diesem Bereich gearbeitet habe kann ich sagen das es je länger je schlimmer wird. Ich musste teilweise leute mitten auf der Strasse ausbilden da sie dies noch nie in dem Bereich gearbeitet haben aber sehr billig arbeiteten.
    Noch schlimmer als im Verkehrsdienst ist es nur noch in der Baustellensicherheit. Da kontrollieren Leute die einhaltung des Mindestlohn die dies selbst nicht bekommen. Teilweise bezahlen die Firmen nicht einmal die Sozialleistungen BVG und AHV, dies alles mit dem wissen der Bauleitung.
    • motzer 04.11.2019 12:55
      Highlight Highlight @John - bevor Sie solchen Stuss schreiben, ersteinmal Wissen um was es geht.
      Fakt ist: ein Bauleiter kontrolliert keine Sozialleistungen anderer!! Zudem hat die Baustellensicherheit nichts mit Sozialleistungen zu tun.
      Nicht eifach über etwas Schreiben, wovon man keine Ahnung hat.
    • John M 05.11.2019 07:25
      Highlight Highlight Ihr Name ist wohl programm oder fühlen sie sich betroffen? Der Bauleiter stellt die Unternehmen die auf der Baustelle arbeiten ein und hat darauf zu achten das die sich am geltendes recht halten, oder sehen sie das anders? Wo habe ich behauptet das die Baustellensicherheit etwas mit Sozialleistungen zu tun hat?
  • Buoenito 04.11.2019 07:26
    Highlight Highlight Die Zeche bezahlen schlussendlich die Angestellten dieser Sicherheitsdienste und schlecht bezahltes Personal fördert nicht gerade die Sicherheit. Das Sicherheitsdienste mitunter die tiefsten Löhne bezahlen ist bekannt und das damit die angebotenen Dienstleistungen mit Sicherheit nicht viel zu tun haben auch.

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