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Das Training der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft, am Montag, 7. April 2014, in der Diners Club Arena in Rapperswil. Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft spielt am kommenden Mittwoch ein Testspiel gegen Schweden. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Schweizer Nationalmannschaft hat mit Raeto Raffainer einen neuen Direktor erhalten. Bild: KEYSTONE

Raffainer bei der Nati

Eismeister Zaugg

Der neue Hockey-General, der sich nicht ängstlich versteckt

Er hat gegen Deutschland nicht gespielt und nicht gecoacht. Aber er hat mehr zu sagen als Nationaltrainer Glen Hanlon. Raeto Raffainer (33) debütiert beim Slowakei-Cup in Banska Bystrica als Nationalmannschafts-General. 



klaus zaugg, banska bystrica

Erstmals steht eine Nationalmannschafts-Expedition unter dem Kommando des neuen Nationalmannschafts-Direktors. So hat die an und für sich nicht so epochale Reise ins Herzen der Slowakei halt doch eine historische Dimension.

Raeto Raffainer sagt, es sei bei seiner Ernennung alles sehr schnell gegangen. Mitte Januar sei er von Verbands-CEO Florian Kohler angefragt worden. Innert weniger Tagen hatte er den Job. Seit dem 1. Februar ist er offiziell im Amt.

Raeto Raffainer

Ist beim Eishockeyverband kein Unbekannter: Raeto Raffainer. bild: twitter/planetehockey

Der neue Nationalmannschafts-Direktor ist allerdings mit den Gängen und Läufen im Fuchsbau des Verbandes längst gut vertraut. Der Engadiner hatte zuletzt intensiv in der Abteilung von Ausbildungschef Markus Graf mitgearbeitet, nebenbei spielte er bei den GCK Lions in der NLB und arbeitete im Klub als Juniorentrainer. «Mir war klar, dass ich mit meinem Stil meine Karriere bald beenden musste und hätte wahrscheinlich so oder so bald zum Verband gewechselt.» Der elffache Nationalspieler unter Ralph Krueger war ein typischer Energiestürmer und Fräser mit hölzernen Händen. Er musste alles erkämpfen und konnte nichts erspielen.

Der sprachgewandte, charismatische Raffainer

Als Nationalmannschaftsdirektor wird er allerdings nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand gehen. Er gibt bei seinem ersten offiziellen Auftritt in Anzug und Krawatte ganz den smarten Businessmann und spricht fliessend fünf Sprachen: Rätoromanisch, Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch. Während sich sein Vorgänger Ueli Schwarz jeweils bei Länderspielen vor den Journalisten versteckte, um ja nicht Red und Antwort stehen zu müssen, ist Raeto Raffainer ein charismatischer Kommunikator und plaudert vor und nach dem Spiel mit den Chronisten. Er kennt sich auf diesem Gebiet aus. Immerhin ist er mit der ehemaligen SCB-Kommunikations-Direktorin und Personalchefin Luisa Weber verheiratet.

ZUR ERNENNUNG VON RAETO RAFFAINER ZUM

Raffainer bei den Lakers, seinem letzten Team als Spieler. Bild: KEYSTONE

Der ehemalige HCD-Junior war 1996 der erste Jahrgang an der Davoser Hockeymittelschule, machte die Matura und studierte ein Semester Psychologie. «Ich wollte eigentlich Sportpsychologe werden. Aber als ich in Ambri spielte, war die Präsenzzeit an der Uni nicht mehr möglich.» So ist er eben nun nach einer rechten NLA-Karriere (577 Spiele/137 Skorerpunkte) bei Davos, beim SCB und den Lakers ein Hockeygeneral und ein bisschen Hockey-Küchenpsychologe geworden. In seiner Funktion obliegt ihm die Führung aller zehn Nationalmannschaftsprogramme (Nationalmannschaften der Männer, der Frauen, der Junioren und der Juniorinnen). Er ist im Verband auch der direkte Vorgesetzte der verschiedenen Nationaltrainer.

Raffainer will nicht zum zweiten Schwarz werden

Bei seiner ersten Expedition mit der Nationalmannschaft ist er noch recht nahe bei der Mannschaft, setzt sich auch in die Teamsitzung. Aber das gelte nur für die «Kennenlernphase». Er werde sich nicht einmischen und nach und nach auf grössere Distanz gehen. So ist er auch davor gefeit, den gleichen Fehler zu machen, der seinem Vorgänger Ueli Schwarz den Nationalmannschafts-Job gekostet hat. Nach der U20-WM hatte sich gezeigt, dass Ueli Schwarz in der Doppelfunktion Liga- und Nationalmannschaftsdirektor überfordert ist. Die U20-WM-Expedition endete beinahe im Abstieg. Die Bevormundung von Nationaltrainer Glen Hanlon – die Aufgebote machte faktisch Ueli Schwarz – führte zu Unmut bei verschiedensten Stellen und beschleunigte die Absetzung des «Schatten-Nationaltrainers». Er kümmert sich jetzt ausschliesslich um die Liga und hat bei den Nationalmannschaften nichts mehr zu sagen.

Einer solchen Analyse stimmt Raeto Raffainer allerdings nicht zu. So sei es nicht gewesen. «Es ging ganz einfach darum, neue Strukturen zu schaffen. Das ist jetzt passiert.» Der neue Nationalmannschaftsdirektor ist ein smarter junger Mann. Er weiss, wie wichtig es ist, in diesem Amte keine Polemik zu entfachen und so zu reden, dass es intern keine Unruhe gibt. 

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