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Liga-Direktor Denis Vaucher (mitte) muss aufgrund der Corona-Krise eine noch zentralere Rolle einnehmen.
Liga-Direktor Denis Vaucher (mitte) muss aufgrund der Corona-Krise eine noch zentralere Rolle einnehmen.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Warum das Eishockey seine sportliche Unschuld verliert

Die Klubgeneräle sind in der Not zusammengerückt und haben einstimmig den Saisonstart auf den 1. Oktober verschoben. Die neue Saison wird sportlich nicht regulär sein – aber sie wird höchsten Unterhaltungswert liefern. Und es ist Zeit, ehrlich zu sein.
14.08.2020, 16:4715.08.2020, 12:30

Zumindest haben sich die Klubgeneräle auf Regeln geeinigt, die in allen Stadien gelten: eine generelle Maskenpflicht, Sitzplatzpflicht, Registrierungspflicht, keine Gästefans und eine Testpflicht drei Tage vor dem ersten Meisterschafts- oder Cupspiel für alle Spieler und Staff-Mitglieder.

Und darüber hinaus müssen die Klubs dafür sorgen, dass es auf dem Stadiongelände nicht zu Personenansammlungen kommt und vor dem Stadioneinlass wird eine Fiebermessung empfohlen. Limite: kein Stadionzutritt ab 37,6 Grad Temperatur. Die Meisterschaft mit 50 Runden plus Playoffs beginnt am 1. Oktober. Die erste Cuprunde wird am 5 und 6. Oktober gespielt.

Solche Bilder soll es nicht mehr geben: Geisterspiele im Schweizer Eishockey.
Solche Bilder soll es nicht mehr geben: Geisterspiele im Schweizer Eishockey.Bild: KEYSTONE

Die Umsetzung aller Schutzmassnahmen, die im Detail ausgearbeitet sind, aber von den kantonalen Behörden noch abgesegnet werden müssen, ist eine grosse Herausforderung für die Klubs. Das grosse Problem der neuen Saison ist jedoch der vorübergehende Verlust der Unabhängigkeit und Unschuld des Sportes und damit der sportlichen Regularität. Ein Problem, das die Klubgeneräle unterschätzen und für viel Gesprächsstoff sorgen wird.

Aus zwei macht vier

Um es etwas polemisch zu erklären: Bisher war der Spielbetrieb nur zwei unberechenbaren Mächten ausgeliefert: den Schiedsrichtern und dem Einzelrichter. Sie waren die einzigen, die direkten Einfluss auf das Spiel hatten. Durch die Entscheidungsgewalt auf dem Eis (Strafe? Tor?) und im Nachgang der Partien (Sperre?). Nun kommen dazu zwei weitere Institutionen. Es wird also sein wie einst bei den Beatles: Vier machen die Musik.

Neben den Schiedsrichtern und dem Einzelrichter beeinflussen neu auch die kantonalen Gesundheitsämter und Liga-Manager Denis Vaucher den Spielbetrieb. Die kantonalen Gesundheitsbehörden legen nicht nur fest, wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer ins Stadion dürfen (angestrebt wird mindestens eine 50-prozentige Auslastung).

Denis Vaucher hat gemeinsam mit Willi Vögtlin die Macht über den Spielplan.
Denis Vaucher hat gemeinsam mit Willi Vögtlin die Macht über den Spielplan.Bild: KEYSTONE

Sie haben auch die Macht, ein Spiel je nach Umständen ganz abzusagen. Und die neue vierte Macht ist Liga-Manager Denis Vaucher. Er darf in Zusammenarbeit mit Spielplanchef Willi Vögtlin entscheiden, ob eine Mannschaft ein Spiel verschieben darf und gleich auch noch, wann ein Spiel nachgeholt werden muss. Als Grundregel gilt: Wenn 12 Feldspieler und ein Torhüter zur Verfügung stehen, muss gespielt werden.

«Noch nie waren wir uns alle so einig wie jetzt.»
Marc Lüthi

Unter diesen Umständen ist die Chancengleichheit als Voraussetzung für eine sportlich reguläre Meisterschaft nicht gegeben. Klugerweise ist der Abstieg erst einmal ausgesetzt worden. Der Unterhaltungswert wird trotz allem grandios sein. Für Gesprächsstoff, Verschwörungstheorien und Polemik ist gesorgt, wenn ein Advokat aus einem alten Stadtberner Burgergeschlecht (Denis Vaucher) und ein ehemaliger SCB-Manager (Willi Vögtlin), beaufsichtigt von einem ehemaligen SCB-Verwaltungsrat (Verbandspräisent Michael Rindlisbacher) ein Spiel verschieben.

Es herrscht Frieden – wie lange noch?

Die Klubvertreter sind eng wie nie zusammengerückt und haben sich einstimmig auf die Verschiebung und die Rahmenbedingungen geeinigt. Die Erfahrung lehrt uns allerdings, dass der «Burgfrieden» nur im Sommer hält. Wenn es wieder um Sieg und Niederlage geht, haben die Eigeninteressen wieder das Primat über das Gemeinwohl. Allerdings sagt SCB-Manager Marc Lüthi: «Noch nie waren wir uns alle so einig wie jetzt und das wird auch während der Saison so sein.» Seine Worte in Gottes Ohr.

Marc Lüthi bestätigt: Die Klubs haben einen gemeinsamen Plan.
Marc Lüthi bestätigt: Die Klubs haben einen gemeinsamen Plan.Bild: keystone

Die Klubgeneräle haben noch ein Problem zu lösen. Ein Topf mit 150 Millionen Bundesgeldern steht für das Profi-Hockey bereit. Das Geld soll allerdings nur in Form von Krediten ausbezahlt werden, für die alle haften. Wenn also Ambri den Kredit nicht zurückzahlen kann, werden auch der SCB, die ZSC Lionos etc. zur Kasse gebeten. Die gleiche Regelung gilt für die Vergabe der Hilfsgelder im Profifussball.

Das Geld wird knapp

Die Zeit ist gekommen, um ehrlich sein. Selbst wenn es boomt, rockt und rollt und die Stadien voll sind, schreiben alle Klubs rote Zahlen und die Defizite werden durch Quersubventionierungen und milliardenschwere Klubbesitzerinnen und Klubbesitzer ausgeglichen. Weder im Fussball noch im Hockey werden die Proficlubs je dazu in der Lage sein, einen Kredit zurückzuzahlen. Nicht einmal bei einer Kreditlaufzeit von 100 Jahren.

Deshalb ist es Zeit, ehrlich zu sein. Die Kredite sind in Subventionen umzuwandeln. Aber mit klarer Zweckbestimmung wie die Subventionen in der Landwirtschaft. Das heisst: Alimentiert werden die Nachwuchsorganisationen (wobei sichergestellt werden muss, dass das Geld nicht für die Löhne der Profis abgezweigt wird). Die Kosten für die Infrastruktur (Stadionmieten) können übernommen werden und allenfalls ist eine Entschädigung für den Ausfall der Zuschauereinnahmen denkbar.

Aber kein Steuerfranken für Spielerlöhne.

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