Italiens letzte WM-Hoffnung könnte eine Absenz des Iran sein
Bosnien-Herzegowina und nicht Italien löst das Ticket für die WM-Gruppe mit der Schweiz. Schon wieder sind die Azzurri gescheitert, sie fehlen in diesem Sommer bereits zum dritten Mal in Folge an einer Weltmeisterschaft.
Oder doch nicht? Womöglich gibt es eine Hintertür für den vierfachen Weltmeister, um doch noch nach Nordamerika zu reisen. Den Schlüssel zu dieser Tür halten keine Sportler in den Händen, sondern Politiker und Funktionäre. Denn beschriftet ist die Tür mit «Iran» und vielleicht geht sie für Italien auf, wenn sich die islamische Republik und der WM-Co-Gastgeber USA weiterhin im Krieg miteinander befinden.
Keine klare FIFA-Regel
Zwar bekräftigte FIFA-Präsident Gianni Infantino erst am Dienstag, er wolle, dass der Iran an der WM spiele. «Es gibt keinen Plan B, C oder D – es gibt Plan A», sagte Infantino. Doch in dieser Frage hat der allmächtige Fussballherrscher für einmal nicht das Sagen. Das haben sein Buddy, US-Präsident Donald Trump, und das Regime im Iran. Der eine könnte den Fussballern die Einreise verweigern, die anderen ihnen die Teilnahme verbieten.
Wer sollte den Iran bei einem Ausschluss oder einem Boykott ersetzen? Die für viele Beobachter logische Lösung wäre, stattdessen ein anderes Team aus dem asiatischen Verband (AFC) zu nominieren.
Doch sicher ist das nicht. Im FIFA-Regularium zur WM 2026 finden wir unter Punkt 6.7 diese Passage:
Eine «Lex Italia» liesse sich sportlich begründen
Es ist also nicht festgehalten, dass eine dem Turnier fern bleibende Mannschaft durch eine aus dem gleichen Kontinentalverband ersetzt wird. Womit wir dann doch bei Gianni Infantino sind. Der FIFA-Präsident aus dem Wallis ist nicht nur gebürtiger Italiener, sondern auch ein Geschäftsmann durch und durch. Er weiss natürlich um die Strahlkraft des vierfachen Weltmeisters in seinen azurblauen Trikots.
Wer die Entscheidungen des Weltverbands in den letzten Jahren mitverfolgt hat, der hält eine «Lex Italia» für absolut möglich. Die FIFA könnte es erst noch sportlich begründen, weshalb Italien der Nachrücker des Irans ist. Die Squadra Azzurra belegt in der Weltrangliste die Position 12 und ist damit das höchstklassierte Team, das sich nicht für die WM qualifiziert hat.
Italien wie einst Dänemark?
Noch ist der Iran einer der 48 Teilnehmer dieser Rekord-WM. Doch sollte er es nicht mehr sein, ist es nicht ausgeschlossen, dass Italien zum Handkuss kommt.
Und dann ist plötzlich wieder alles möglich, wie uns die Geschichte von Dänemark lehrt, das 1992 als kurzfristig für Jugoslawien nachgerücktes Team sensationell Europameister wurde. Sportlich ist Italien zwar ein weiteres Mal gescheitert. Politisch besteht aber immer noch ein kleines bisschen Hoffnung.
