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«Unerfreuliche Trendwende»: Bankerinnen verdienen im Schnitt 23,6 % weniger als Banker

11.06.2019, 10:0811.06.2019, 11:00
Bild: shutterstock

Bankangestellte verdienen heute mehr als noch vor zwei Jahren. Von Lohn- und Boni-Erhöhungen profitierten Männer allerdings stärker als Frauen. Das verstärkt die ohnehin schon hohe Lohnungleichheit bei den Banken weiter.

Im Median erhielten Bankangestellte 2019 eine Jahresvergütung inklusive Boni von 115'000 Franken. Das sind im Schnitt 3250 Franken mehr als bei der letzten Umfrage 2017.

Seit 2009 bis heute sei ein klarer Aufwärtstrend erkennbar - und das über verschiedene Hierarchiestufen, Regionen und Bankengruppen hinweg, stellte der Schweizerische Bankpersonalverband SBPV in seiner Lohnumfrage 2019 unter 4'725 Personen fest, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Allerdings zeigen sich beim Lohn grosse Unterschiede zwischen Frauen und Männern: So verdienen Frauen im Schnitt 23,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. «Der Lohnunterschied bei den Banken liegt damit fast 10 Prozentpunkte über dem schweizerischen Durchschnitt», sagte SBPV-Geschäftsführerin Denise Chervet an einer Medienveranstaltung.

Individuelle Lohnerhöhungen

Bei den Fixlöhnen stieg die Differenz auf 22,2 von 20,7 Prozent. Das sei eine unerfreuliche Trendwende, so Chervet weiter. 2017 war die Lohnungleichheit noch zurückgegangen.

Insgesamt kletterten die Fixlöhne zwischen 2017 und 2019 um 2,9 Prozent oder 3'000 Franken. Ob eine Person in den Genuss einer Lohnerhöhung kam, war allerdings sehr individuell. Fast zwei von drei Angestellten gaben an, dass sich ihr Fixlohn nicht verändert habe.

Neben höheren Fixlöhnen wurden 2019 im Schnitt auch höhere Boni bezahlt. Allerdings wurden auch diese sehr individuell verteilt. 31,8 Prozent der Befragten erhielten höhere, 28,2 Prozent tiefere Boni. Die Verteilung sei für viele Mitarbeitende unverständlich, führte Chervet weiter aus.

Unterschiede erklären

Besonders stark geht bei den Boni zudem auch die Schere zwischen Männern und Frauen auseinander. Männer erhalten im Schnitt 36 Prozent mehr als Frauen. 2017 betrug der Unterschied noch 30,8 Prozent.

Die Ergebnisse der Lohnumfrage ermöglichten zwar keinen wissenschaftlichen Nachweis von diskriminierenden Lohnunterschieden, hielt Chervet fest. Dennoch seien klare Tendenzen zu erkennen, die sich mit anderen Untersuchungen deckten, so etwa mit den Befunden des Bundesamts für Statistik (BFS). «Die Vermutung liegt nahe, dass es bei den Banken eben doch geschlechtsspezifische Kriterien bei der Bewertung der Entlöhnung gibt», ergänzte Chervet.

Die Lohndifferenzen bei den Banken entstünden mit zunehmendem Alter und der Dauer der Dienstjahre, hiess es weiter. Männer mit über 20 Jahren beim selben Arbeitgeber erhielten beinahe 40 Prozent mehr Bonus als Frauen mit der gleichen Erfahrung.

Die Banken stünden in der Verantwortung zu erklären, warum es zu solchen Unterschieden komme, so die BSPV-Geschäftsführerin. Die Lohnanalysen, zu welchen die Unternehmen ab dem kommenden Jahr gesetzlich verpflichtet sind, sollten nachvollziehbar und transparent sein.

Der Bankpersonalverband führt die Lohnumfrage alle zwei Jahre in Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut onlineumfragen.com durch. Die Umfrage wird vor allem von Mitarbeitenden und Kader-Angestellten dominiert. Mitglieder der Direktion oder Geschäftsleitung machen 12 Prozent aus, Lernende 1 Prozent. (awp/sda)

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