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Nestle-CEO Ulf Mark Schneider an einer Medienkonferenz.
Nestle-CEO Ulf Mark Schneider an einer Medienkonferenz.
Bild: KEYSTONE

Trotz Coronakrise: So viel Geld zahlten die grössten Schweizer Firmen an ihre Aktionäre

25 der 30 grössten börsenkotierten Unternehmen schütten gleich viel oder gar mehr Geld an die Aktionäre aus als im Jahr zuvor. Das sind die Hintergründe.
20.03.2021, 11:04
Daniel Zulauf / ch media

Den Aktionären der Schweizer Grossunternehmen fliessen auch nach dem Coronajahr üppige Dividenden zu. Das zeigt eine Auswertung der «Schweiz am Wochenende» der Zahlen der 30 wertvollsten Konzerne im «Swiss Leader Index» der Schweizer Börse. Die Firmen schütten heuer 39,5 Milliarden Franken in Form von Dividenden an ihre Eigentümer aus. Das sind zwar gut zwei Milliarden Franken oder etwas mehr als fünf Prozent weniger als im Jahr davor. Doch in anderen Ländern erleben die Investoren eine viel schärfere Zäsur.

Janus Henderson, ein amerikanischer Investment Manager, der sich auf Anlagen in dividendenstarke Aktien spezialisiert, geht unter Bezugnahme auf seinen globalen Dividendenindex von einem weltweiten Rückgang der Ausschüttungen um über 12 Prozent auf 1,26 Billionen Dollar aus. Das ist viel besser als das, was die Experten von Janus Henderson noch vor wenigen Wochen befürchtet hatten. Aber es ist bei weitem nicht so gut wie das, was die Schweizer Börsen-Multis gerade zeigen.

Schweiz hängt Deutschland ab

«Die Schweiz ist halt eine Insel der Glückseligen», scherzt Thomas Meier, Aktienfondsverwalter beim Assetmanager Mainfirst in Frankfurt. Seit fünf Jahren betreut er Anlagefonds, die weltweit nach Aktien dividendenstarker Firmen suchen. Meier schätzt, dass die Aktionäre der 30 grössten Unternehmen an der Deutschen Börse, den sogenannten Dax-Konzernen, heuer rund 2 Prozent mehr bekommen, nach 12 Prozent Rückgang im Vorjahr.

Für den Fondsmanager kommt auch das schon einem kleinen Wunder gleich, denn vor zwölf Monaten sah es in der Börsenwelt zappenduster aus. «Bei vielen Firmen stellten sich bange Fragen über die Zukunft», erinnert sich Meier. «Es war ein grosser Schock, den wir erst noch ganz überwinden müssen.»

«Die Schweizer Firmen zahlen traditionell viel Dividende, weil sie in der Regel gesunde Bilanzen haben.»
Anastassios Frangulidis, Chefökonom der Genfer Privatbank Pictet

Für die überdurchschnittliche Stabilität der Schweizer Grossunternehmen gibt es mehrere Gründe, erklärt Anstassios Frangulidis, Chefökonom der Genfer Privatbank Pictet: «Die Schweizer Firmen zahlen traditionell viel Dividende, weil sie in der Regel gesunde Bilanzen haben und in ihren Märkten oft global führende Stellungen einnehmen.» Zudem hätten die in der Pandemie stark exponierten Branchen wie Luftfahrt, Tourismus oder Detailhandel an der Schweizer Börse ein relativ geringes Gewicht.

Hinzu kommt, dass die mächtigsten Schweizer Konzerne einigermassen immun gegen konjunkturelle Schwankungen sind. Das gilt insbesondere für die drei mit Abstand grössten Konzerne Nestlé, Roche und Novartis, die heuer insgesamt 22,7 Milliarden Franken an ihre Aktionäre auszahlen und damit etwa die Hälfte des ganzen Dividendentopfs aller rund 200 börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz auffüllen.

«Dividendenkürzungen sind sehr unbeliebt»

Allerdings zeigt gerade das Beispiel Novartis, dass sich auch erfolgsverwöhnte Grosskonzerne gelegentlich strecken müssen, um die hohen Dividendenerwartungen ihrer Eigentümer zu erfüllen. Novartis schüttet heuer über 90 Prozent des Jahresgewinns aus. 2019 führte die Abspaltung des Augenheilmittelkonzerns Alcon zu einer Aufblähung des Novartis-Gewinns, der sich 2020 quasi normalisiert hat.

Ähnlich wie der Basler Pharmamulti versuchen die meisten Unternehmen mit einem stark internationalisierten Aktionariat ihre Ausschüttungen möglichst unabhängig von den Schwankungen des Jahresgewinns festzulegen und im Idealfall jährlich zu erhöhen. Dazu passt die durch unsere Statistik belegte Tatsache, dass 17 der 30 beobachteten Firmen 2020 zwar weniger verdient aber nur deren fünf die Dividende gekürzt haben.

«Die Schweiz ist halt eine Insel der Glückseligen.»
Thomas Meier, Aktienfondsverwalter bei Mainfirst in Frankfurt

Swiss Re schüttet trotz eines Verlustes von fast 900 Millionen Franken unverändert 1,7 Milliarden Franken aus. Richemont und Swatch Group haben ihre Dividenden nach scharfen Ergebniseinbrüchen zwar gekürzt aber nicht ganz gestrichen. Zu diesem radikalen Schritt konnte sich einzig der Hörgerätehersteller Sonova durchringen.

Freilich kann sich die Ausschüttung längerfristig nicht gänzlich vom Ertrag abkoppeln. Zur Wahrung einer grösseren Flexibilität in der Ausschüttungspolitik setzen Konzerne deshalb in zunehmendem Mass auf Aktienrückkäufe. Wenn Unternehmen den Rückkauf eigener Aktien aus der Firmenkasse finanzieren, um die Titel danach von der Generalversammlung annullieren zu lassen, dann kommt dies im Prinzip einer Gewinnausschüttung gleich. Die Aktionäre profitieren indirekt, indem sich die Gewinne der Firma auf weniger Titel verteilen.

Der Elektrotechnikkonzern ABB führt derzeit gerade ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm durch, mit dem er den Erlös aus der Veräusserung der Stromübertragungssparte an die Eigentümer weitergibt. Nestlé ist derzeit schon am zweiten Aktienrückkauf im Umfang von sage und schreibe 20 Milliarden Franken. Auch bei Novartis läuft ein milliardenschweres Rückkaufprogramm. Und UBS hat den Aktionären heuer zwar eine Dividendenkürzung zugemutet, gleichzeitig aber ein Rückkaufprogramm gestartet.

Immer mehr Aktienrückkäufe

Über alles gerechnet dürften die Eigentümer der 30 grössten Schweizer Börsenfirmen heuer deshalb über 50 Milliarden Franken oder mehr als 80 Prozent der 2020 erwirtschafteten Gewinne erhalten. Der Trend zu immer höheren Gewinnausschüttungsquoten ist weder neu noch auf die Schweiz beschränkt. «Natürlich könnten die Firmen mit ihren Gewinnen auch Schulden zurückzahlen. Aber bei diesen tiefen Zinssätzen ist die Motivation dazu an einem kleinen Ort», konstatierte die Bankerlegender Oswald Grübel vor zwei Jahren im Gespräch mit dieser Zeitung.

Am stärksten verbreitet sind Aktienrückkäufe in den USA. Das hat auch damit zu tun, dass in diesem Markt Dividendenkürzungen kaum hingenommen werden. «Die Dividende ist in den USA eine heilige Kuh», sagt Thomas Meier. Ein CEO, der die Ausschüttung kürze, bleibe in der Regel nicht mehr lange auf seinem Posten, weiss der Fondsmanager.

Die starken Daten zum Wirtschaftswachstum in den USA lassen erwarten, dass die Dividenden in diesem Jahr weltweit wieder steigen werden. Für die Schweizer Unternehmen erwartet der Markt für das laufende und das kommende Jahr ein Gewinnwachstum von 13 Prozent bzw. 11 Prozent. Bankökonom Frangulidis erwartet deshalb schon jetzt «ein gutes Dividendenjahr».

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