Schreiben die USA ein «Soccer-Märchen»? Dem WM-Gastgeber stehen alle Wege offen
Das hat doch richtig Spass gemacht beim Zuschauen! Die USA beeindruckten bei ihrem ersten Auftritt an der Heim-WM mit einem 4:1-Sieg gegen Paraguay. Dabei spielte das Team von Trainer Mauricio Pochettino teils begeisternden Offensivfussball, bewies Kreativität, gute Übersicht und Treffsicherheit gleichermassen. Schon zur Pause führten die US-Boys dank eines (erzwungenen) Eigentors und eines Doppelpacks von Folarin Balogun 3:0.
Nach einer hervorragenden ersten Halbzeit schalteten die USA in den Verwaltungsmodus, kamen aber trotzdem noch zu vereinzelten Chancen. Defensiv liessen sie kaum etwas anbrennen und wurden auch nach dem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:3 der Gäste höchstens kurzzeitig nervös. Am Ende setzte Giovanni Reyna in Los Angeles mit dem Aussenrist den sehenswerten Schlusspunkt.
Dank des erfolgreichen Auftakts konnte auch die Euphorie beim Publikum entfacht werden. Sowohl im Stadion in LA als auch landesweit bei Fanfesten zeigte sich die Anhängerschaft begeistert – und dürfte nun ins Träumen kommen. Völlig vermessen ist das nicht.
So sagte selbst Fussballerlegende Thierry Henry bei Fox: «Ich glaube an Wunder!» Damit spielte er auf die Aussage von TV-Kommentator Al Michaels beim «Miracle On Ice» bei den Olympischen Spielen 1980 an, als die USA die übermächtige Sowjetunion bezwangen. Die Frage «Glaubt ihr an Wunder?» ist auch Teil einer Werbung zur WM in den USA. Henry fügte an, dass das Fussball-Nationalteam mit diesem Auftritt eine Euphorie im eigentlich fussballskeptischen Land ausgelöst habe. Nun sei vieles möglich, was auch am Turnierpfad liege.
Ein Blick darauf zeigt, dass den USA alle Wege offenstehen – zumindest bis in den WM-Viertelfinal, den sie letztmals 2002 erreichten. In der Gruppe D sind neben Paraguay auch die Türkei und Australien dabei. Mit den Türken werden die US-Boys um den Gruppensieg konkurrieren. Die Entscheidung wird wohl im Direktduell im letzten Gruppenspiel fallen.
Setzen sich die USA dort durch, treffen sie im Sechzehntelfinal auf einen Gruppendritten. Im Achtelfinal käme es dann zum Duell mit dem Sieger der Gruppe G (Belgien, Ägypten, Iran und Neuseeland) oder einem weiteren Gruppendritten. Der stärkste potenzielle Gegner scheint Belgien zu sein, das die USA im März in einem Testspiel 5:2 geschlagen hat. Dennoch dürfte sich das Team von Trainer Mauricio Pochettino Chancen ausrechnen – sind die Roten Teufel doch nicht mehr ganz so stark einzuschätzen wie bei vergangenen Turnieren.
Im Viertelfinal würde voraussichtlich Mitfavorit Spanien warten. Doch wenn die USA tatsächlich zum erst dritten Mal einen WM-Viertelfinal erreichen, wäre dies längst die US-Version des Sommermärchens – also ein «Soccer-Märchen».
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