Bundesrat will Schweizer Weinbranche aus Krise helfen – Vorschlag stösst auf Kritik
Weniger Auswahl zu höheren Preisen: Für Weinhändler geht die Rechnung hinter der vom Bundesrat geplanten Neuverteilung der Importkontingente auf Wein aus dem Ausland nicht auf. Anders sehen das Winzer und Produzenten, die das Vorhaben in der Vernehmlassung unterstützen.
Das sagt der Bundesrat
Er will künftig Unternehmen bevorzugen, die Schweizer Trauben ankaufen und keltern. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) schlug deshalb eine Änderung der Weinverordnung vor, die vorsieht, die Zollkontingente für Weinimporte neu zu verteilen.
Am 18. August 2025 hatte Bundesrat Guy Parmelin wichtige Vertreter der Weinbranche zu einem Runden Tisch eingeladen, um gemeinsam über die Herausforderungen im Schweizer Weinbau zu diskutieren. Am 11. März 2026 eröffnete das Wirtschaftsdepartement dann eine Vernehmlassung zu der erarbeiteten Verordnungsänderung.
Seit Donnerstag ist die Frist abgelaufen. Gestützt auf die Ergebnisse will der Bundesrat im Herbst 2026 eine Entscheidung fällen.
Das sagen die Händler
Sie finden, dass die Neuregelung den Wettbewerb verzerre, zu einer Konzentration auf wenige grosse Produzenten führe und den Wein für Konsumentinnen und Konsumenten verteuere ohne dabei einen Mehrwert zu schaffen. Die Massnahme benachteilige Weinimporteure, Handels- und Gastronomieunternehmen.
Wirtschaftsverbände wie Economiesuisse, die Swiss Retail Federation und die Vereinigung Schweizer Weinhandel (VSW) lehnten den Vorschlag deshalb entschieden ab. Economiesuisse und die VSW argumentierten zudem, die Regelung sei nicht mit den WTO-Verpflichtungen der Schweiz kompatibel, da sie ein nichttarifäres Handelshemmnis darstelle.
Das sagen die Weinbauern
Ihrer Meinung nach, sei eine Änderung der Weinverordnung zugunsten des Schweizer Weinbaus angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage nötig. Vom Schweizer Bauernverband (SBV) und dem Schweizerischen Weinbauernverband Vignoblesuisse wird der Vorschlag unterstützt. Sie kritisierten jedoch, dass die Vorschläge des Bundes keine konkreten Angaben zur Umsetzung enthielten.
In einer gemeinsamen Stellungnahme stimmten der Vorlage über 1000 Schweizer Winzerinnen und Winzer zu. Heute lägen die wirtschaftlichen Anreize vielfach bei Importprodukten, während die einheimische Produktion immer stärker unter Druck gerate, schrieben sie.
Eine differenzierte Haltung nahm die Schweizerische Vereinigung der Selbsteinkellernden Weinbauern (SVSW) ein. Sie unterstützte zwar das Ziel, die einheimische Produktion zu schützen, lehnte den konkreten Vorschlag aber ab. Die Lösung begünstige Traubenproduzenten und Grosseinkellerer, schliesse selbsteinkellernde Weinbauern jedoch aus. (hkl/sda)
