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Mitglieder des Vereins Abfalltaucher füllen eine Abfallmulde. bild: instagram/abfalltaucher

Der unsichtbare Müll in Schweizer Gewässern



Schweizer Gewässer gleichen unter Wasser stellenweise einer Müllhalde. Flaschen, Gartenstühle, sogar Skis und Tonnen von Plastikmüll liegen am Grund von Seen und Flüssen. Freiwillige, zum Beispiel des Vereins Abfalltaucher Schweiz, holen den Müll an die Oberfläche. Pro Einsatz sammeln die Taucher zwischen 500 Kilogramm und sieben Tonnen Müll.

Am vergangenen Samstag führten 16 Taucher im Wasser und 12 Helfer an Land einen «Cleanup» am Hallwilersee bei Mosen LU durch. Während rund drei Stunden sammelten die Freiwilligen insgesamt 600 Kilogramm Abfall. «Es liegt noch viel mehr da unten» sagte Vereinspräsident Matthias Ardizzon zu Keystone-SDA, «jedoch war die Sichtweite unter Wasser eine Katastrophe.» Wegen Plankton und anderen Schwebstoffen im Wasser betrug die Sichtweite zum Teil weniger als einen Meter.

Besonders schlimm sei die Müllbelastung im Zürcher Seebecken. Bis zu sieben Tonnen Abfall werden dort pro Einsatz durch die Taucher aus dem Wasser gefischt. Bei drei Einsätzen pro Jahr an dieser Stelle entspricht das einer Abfallmenge von 21 Tonnen.

«Man weiss nie, was man finden wird. Das macht für viele Taucher auch den Reiz aus, mitzuhelfen.»

Matthias Ardizzon

Unter den «Fundstücken» in Zürich seien auffällig viele teure Gegenstände wie Smartphones, E-Trottinette, Markenvelos, Motorräder und Portemonnaies. Matthias Ardizzon hat ausgerechnet, dass der geborgene Müll bei ihrem letzten Einsatz einen Wert von rund 60'000 Franken hatte. «Jeder Mülltauchgang ist auch ein wenig eine Schatzsuche» sagt Ardizzon. «Man weiss nie, was man finden wird. Das macht für viele Taucher auch den Reiz aus, mitzuhelfen.»

115 Tonnen Plastik pro Jahr in Gewässern

Der Swiss Litter Report untersuchte 2018 den Zustand der Abfallverschmutzung an den Ufern der Schweizer Gewässer. Er kam zum Ergebnis, dass in Sommermonaten durchschnittlich auf jedem Quadratmeter Ufer ein Stück Müll liegt. In Schweizer Gewässern landen jährlich 115 Tonnen Plastikmüll, so eine im Juli 2019 erschienene Untersuchung der Empa im Auftrag des Bundes.

Erst langsam wachse das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass Umweltschutz nicht an der Wasseroberfläche aufhört, sagen Umweltschützer, Fischer und Taucher seit längerem. Die Mitglieder des Vereins Abfalltaucher Schweiz wissen, dass ihre Arbeit nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Jedoch, so sagen sie optimistisch, «steter Tropfen höhlt den Stein.» Nichts zu unternehmen, sei auch keine Lösung.

Die Schweizer Abfalltaucher existieren seit rund zehn Jahren. Die Taucher und Helfer arbeiten ohne Entlohnung. Auch die teure Tauchausrüstung stellen die Freiwilligen selbst. Der Verein finanziert sich über Mitgliederbeiträge und Spenden.

Die Entsorgung des Mülls bezahlen die «Verursacher», was in der Praxis bedeutet, dass oft die Seeanrainergemeinden, Hafenbetreiber oder Betreiber von Strandbädern für die Kosten aufkommen. Die Taucher sind bis zu zweimal pro Monat in verschiedenen Gewässern der Schweiz im Einsatz. (sda/jaw)

Mehr Informationen zu den Abfalltauchern findest du auf ihrer Website, und zwar hier.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Noach 13.08.2019 18:21
    Highlight Highlight Als Ehemaliger Taucher ,gesundheitlich nicht mehr möglich,danke ich Allen für Ihren tollen Einsatz!
  • Rethinking 13.08.2019 15:48
    Highlight Highlight Dazu kann mann nur eines sagen: Ein „Sauhund“ ein jeder der Abfall auf den Boden, in den See oder sonst wohin wirft, wo er nicht hin gehört...
  • virus.exe 13.08.2019 10:43
    Highlight Highlight Ist doch cool wenn man sein Hobby mit etwas so nützlichem verbinden kann.
    Ein grosses Dankeschön an all die Freiwilligen die dafür Ihre Zeit opfern!!
  • Pat the Rat, einfach nur Pat the Rat 13.08.2019 10:37
    Highlight Highlight Danke für den Artikel und ein grosses DANKE an all die engagierten Helfer!

    Ich werde gleich heute Abend Ihre Website besuchen (ist vom Arbeitsplatz aus leider nicht möglich) und mich erkundigen wie ich Sie unterstützen kann.
  • Merida 13.08.2019 06:48
    Highlight Highlight Danke an die Taucher und Helfer!
    Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Grossteil der gefundenen Gegenstände im Zürcher Seebecken Diebesgut ist, welches sich nicht verschachern liess. 🤔
  • Allion88 12.08.2019 22:24
    Highlight Highlight Gerade in der schweiz, wo man überall jeglichen abfall gratis oder für wenig geld entsorgen kann.
  • Oigen 12.08.2019 22:09
    Highlight Highlight Merci😍
  • Nik G. 12.08.2019 21:09
    Highlight Highlight Und dann gibt es die die Sagen das Abfallproblem sei nicht bei uns sondern den Andern.... Littering muss in der Schweiz härter bestraft werden!
  • JonnyBravo 12.08.2019 21:00
    Highlight Highlight Aber wieso...? 😢
    Benutzer Bildabspielen
  • Wurst Hans 12.08.2019 20:53
    Highlight Highlight Besten Dank an alle Taucher, welche sich daran beteiligen 👍.

    Bei der Aktion im Hallwilersee, wurde da kein Gummi-Kaiman gefunden?
    Nur so, würde dann das Rätsel um das Monster aus Loch Hallwil endgültig lösen 🤣.
  • Bündn0r 12.08.2019 20:21
    Highlight Highlight Und unter dem Streetparade Artikel behaupteten einige voller Ernst, es entstände gar keine zusätzliche Verschmutzung durch den Anlass. Der Müll würde einfach nicht zuhause entsorgt...

    Vielen Dank an die ganzen Freiwilligen die unsere Gewässer sauber halten!
    • dä dingsbums 12.08.2019 21:51
      Highlight Highlight 3x im Jahr 7 Tonnen. Die Streetparade findet 1x im Jahr statt.

      "Smartphones, E-Trottinette, Markenvelos, Motorräder und Portemonnaies" sind auch nicht gerade Dinge die Raver so dabei haben und in den See geworfen werden.

      Es ist doch viel eher so, dass sich das ganze Jahr über immer wieder Idioten am Zürcher Seebecken aufhalten und Dinge in den See werfen.
    • dä dingsbums 13.08.2019 09:37
      Highlight Highlight @Aurum: Ich bestreite nicht, dass an der Streetparade nicht such mehr als genug Bierdosen und solche Dinge im See landen, gerade im Bereich Quaibrücke.
      Über das ganze Jahr sammelt sich aber noch viel mal mehr Müll im See an, als an diesem einen Tag.
    • Resistance 13.08.2019 12:51
      Highlight Highlight Warum müssen das freiwillige tun?!? Hat die schweiz zu wenig geld?
  • Coffeetime ☕ 12.08.2019 20:18
    Highlight Highlight Ach und dann gibt es die, die behaupten, in der schönen Schweiz gäbe es kein Plastik in den Flüssen und Seen... 🤔
    • ConcernedCitizen 12.08.2019 20:45
      Highlight Highlight Genau. Und man solle ja keine Massnahmen dagegen treffen, weil China und Indien sowieso mehr müllen.
    • GurMadh 12.08.2019 20:58
      Highlight Highlight Sogar in den Alpengewässer hat es auch sehr viel Mikroplastik aufgrund den vielen Wanderer und ihrer Ausrüstung.
    • El Vals del Obrero 12.08.2019 22:10
      Highlight Highlight Die ganze Hightech-"Outdoor"-Industrie ist ja sowas von überflüssig (ausser vielleicht für wirkliche Extrem-Expeditionen) und widersprüchlich, aber wohl ein Symptom von Marketing und Marktwirtschaft. Wenn etwas speziell für etwas Bestimmes sei, verkauft es sich besser.

      Wenn ich auf eine Bergwanderung gehe, suche ich mir im Wald einen Ast als Stock. Beim (seltenen) Skifahren ziehe ich einen dicken Pullover unter einer gewöhnlichen Lederjacke an. Da fällt sicher weniger Plastikabrieb an.

      Lustig ist es auch immer, wenn man in Alltagskleidung auf dem Velo Velofahrer in "Velokleidung" überholt.
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