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Erneut Ausschreitungen an der Euro: In Lille geraten deutsche und ukrainische Fans aneinander



Vor dem EM-Spiel Deutschland–Ukraine lieferten sich am Sonntagabend Fans beider Länder am Austragungsort Lille in Nordfrankreich gewaltsame Auseinandersetzungen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP beobachtete, wie dutzende Fans einige Minuten lang Flaschen warfen und sich mit Fausthieben und Tritten traktierten.

Die französischen Sicherheitskräfte teilten mit, es habe einen Verletzten gegeben, der sich nicht ins Spital bringen lassen wollte. Nach Informationen deutscher Polizeikräfte in Lille waren rund 50 Deutsche an den Krawallen beteiligt.

Die deutsche Bundespolizei hinderte vor dem Spiel 21 Hooligans an der Ausreise nach Frankreich. In der Nacht zum Sonntag seien in der Nähe von Trier 18 «gewaltbereite Fussballfans festgestellt» worden, teilte die Bundespolizei mit. Im Laufe des Tages sei dann drei weiteren gewaltbereiten Fussballanhängern die Ausreise untersagt worden.

Alkoholverbot und 116 Festnahmen

Nach den Krawallen in den letzten Tagen zwischen russischen und englischen Fans drohte der Verband UEFA England und Russland am Sonntag den Ausschluss von dem Turnier an, sollten Hooligans aus diesen Ländern erneut Krawalle lostreten. Die Drohung mit einer Disqualifizierung sei «äusserst ernst» zu nehmen, sagte der Chef des englischen Fussballverbands FA, Martin Glenn. Er appellierte an die Fans, sich in Frankreich «verantwortungsvoll und respektvoll» zu benehmen.

Zugleich kündigte die UEFA an, die Sicherheitsmassnahmen in den Stadien würden verbessert. Am Mittwoch spielen beide Mannschaften in nur 40 Kilometern Entfernung in Lille und Lens; wegen der räumlichen Nähe werden neue Zusammenstösse befürchtet.

Innenminister Bernard Cazeneuve gab am Sonntagabend eine Anordnung zum Verbot des Alkoholverkaufs im Umfeld von EM-Spielen heraus. Er habe diese Massnahme ergriffen, um an Spieltagen, den Tagen davor und bei Öffnung von Fanmeilen in den «sensiblen Bereichen» den Kauf, den Konsum und den Transport alkoholischer Getränke zu verhindern. Er begründete den Schritt mit den gewaltsamen Vorfällen von Marseille, bei denen viel Alkohol im Spiel war.

Das Innenministerium in Paris veröffentlichte am Abend eine Zwischenbilanz: Seit Beginn des Turniers am Freitag seien 116 Menschen festgenommen worden, 63 von ihnen seien in Polizeigewahrsam. Drei Fans seien wegen Gewalttätigkeiten aus Frankreich ausgewiesen worden. Gegen fünf Hooligans sei ein Einreiseverbot wegen des Risikos für die öffentliche Ordnung verhängt worden. (cma/sda/afp)

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