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A man is arrested by police officers in downtown Marseille, France, Saturday, June 11, 2016. Riot police have thrown tear gas canisters at soccer fans Saturday in Marseille's Old Port in a third straight day of violence in the city.  (AP Photo/Darko Bandic)

Die Französische Polizei führt einen blutverschmierten Hooligan ab.
Bild: Darko Bandic/AP/KEYSTONE

Hooligan-Terror in Frankreich: «Jetzt bringen sich die Idioten selber um»

Die ganze Welt schaut in diesen Wochen nach Frankreich und hofft, dass es keinen Terror-Anschlag gibt. Gestern waren es in Marseille jedoch die Fussballfans selber, die sich gegenseitig terrorisierten. Gegen den russischen Verband hat die Uefa ein Disziplinarverfahren eingeleitet. 



Keine 48 Stunden ist die EM alt und schon rückt der Sport in den Hintergrund. Grund dafür: Wüste Schlägereien in Südfrankreich. Russen prügeln sich in Marseille mit Engländern, wenige Kilometer entfernt kämpfen Nordiren und Polen. Die Strassenschlachten von Nizza werden angezettelt durch französische Jugendgangs. 

Wie handelt die UEFA?

Der europäische Fussballverband bestätigte am Sonntagmorgen, dass die Disziplinarkommission Ermittlungen aufgenommen hat. Sie wirft den russischen Fans Störungen auf den Tribünen, rassistisches Verhalten und das Abbrennen von Rauchpetarden vor. Die Uefa kann die Vorfälle in den Innenstädten ahnden weil in ihrer Rechtspflegeordung «Verstösse gegen Ordnung und Disziplin, die im und um das Stadion beobachtet werden» festgehalten sind. Das Strafmass reicht von einer Ermahnung bis zum Turnier-Ausschluss. Ein Urteil soll bereits am Dienstag gefällt werden.
Russlands Verband RFS rechnet mit Konsequenzen. «Wir werden von der UEFA bestraft werden, so verstehe ich es. Wir haben uns falsch benommen», betonte Russlands Sportminister Witali Mutko, der auch RFS-Präsident ist, in Moskau in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur R-Sport. Gleichzeitig kündigte er Untersuchungen der Vorfälle auch von russischer Seite an. Gegen den englischen Verband wurden vorerst keine Massnahmen ergriffen.

Es sind keine fairen Kämpfe zwischen Gleichgesinnten. Die Chaoten prügeln sich im Stadion, Unschuldige finden sich plötzlich mitten in einer Massenschlägerei wieder. Aus der russischen Kurve wird gar eine Fackel in den gegnerischen Fan-Sektor abgefeuert.

Ein Vorfall der das Sicherheitskonzept der Stadien grundsätzlich in Frage stellt. Wie konnte das pyrotechnische Material ins Stadion geschmuggelt werden? Was kann man sonst noch alles an den Sicherheitskräften vorbeischleusen?

«Ein kriegerischer Akt»: Aus dem russischen Sektor wird pyrotechnisches Material abgefeuert.

Das traurige Resultat der Ausschreitungen des zweiten EM-Tages: Ein England-Fan schwebt in Lebensgefahr, über 30 Personen werden verletzt.

Von einem Ehren-Kodex, an den sich die Hooligans halten sollten, ist an diesem Samstagnachmittag nichts zu sehen. Es ist kein Spiel für erwachsene Männer, die etwas Dampf ablassen wollen. Es geht um Leben und Tod. Unbeteiligte werden bewusstlos geschlagen, ein Engländer wird mit Fusstritten gegen den Kopf eingedeckt, obwohl er schon längst wehrlos am Boden liegt.

Der Mann mit dem blauen Hut

Ein Mann mit einer auffallenden blauen Fischermütze geht dabei besonders brutal vor. Videoaufnahmen zeigen, wie er ohne Rücksicht auf Leib und Leben ins Gesicht und in den Körper des Fans tritt.

Erst als die Polizei mit Tränengas anrückt, lässt der Angreifer von seinem Opfer ab. Dieses wird so übel getroffen, dass es auf offener Strasse von der Polizei wiederbelebt werden muss.

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Der Mann mit der blauen Mütze tritt rücksichtslos auf sein Opfer ein. bild: zdf

Szenenwechsel: 21 Uhr, Stade Vélodrome in Marseille, Anpfiff zwischen England und Russland. Die Stimmung ist jetzt ausgezeichnet, der hässliche Nachmittag in den Gassen Marseilles scheint weit weg. Es ist alles hergerichtet für ein Fussballfest. 

Mittendrin: Der Mann mit dem blauen Hut. Wie die «Welt» schreibt, soll es sich dabei um die selbe Person handeln, die am Nachmittag, einen Fan halbtot prügelte. Gemütlich schaut er sich an, wie sich die Russen und Engländer in einem packenden Spiel mit 1:1 trennen. Nicht einmal die Mütze hat er gewechselt, nur ein anderes T-Shirt hat er an.

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Vier Stunden später taucht die blaue Mütze wieder im Stadion auf.
bild: zdf

Nach der Partie ist es dann jedoch wieder vorbei mit einem fairen Nebeneinander. Russische Fans stürmen den Fanblock der Engländer und wollen deren Fahnen klauen. Wieder fliegen die Fäuste. Und wer ist wohl wieder an vorderster Front mit dabei? Genau, die blaue Mütze.  

epa05358465 Supporters clash in the stands after the UEFA EURO 2016 group B preliminary round match between England and Russia at Stade Velodrome in Marseille, France, 11 June 2016.

(RESTRICTIONS APPLY: For editorial news reporting purposes only. Not used for commercial or marketing purposes without prior written approval of UEFA. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications (whether via the Internet or otherwise) shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)  EPA/DANIEL DAL ZENNARO   EDITORIAL USE ONLY

Hat noch nicht genug: Nach dem Spiel ist der Mann mit der blauen Mütze erneut in eine Schlägerei verwickelt.
Bild: EPA/ANSA

Wiederholt sich der Terror heute Sonntag?

«Die ganze Welt betet, dass es keine Anschläge während der Euro gibt und diese Idioten bringen sich nun gegenseitig um», analysiert ein Twitter-User treffend. Der Terror – lateinisch für Schrecken – ist an der Euro 2016 angekommen.

Russen, Engländer und Franzosen sind an diesem denkwürdigen Samstag die grossen Aggressoren. Welche Länder haben sich in Syrien den Anti-Terrorkampf am dicksten auf die Fahnen geschrieben? Nun sind sie es selber, die sich terrorisieren. 

Heute Sonntag greifen unter anderem die Türkei, Kroatien, Deutschland und Polen ins Turnier-Geschehen ein. Fan-Gruppen, die in der Vergangenheit auch schon für negative Schlagzeilen sorgten. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Szenen vom Samstag nicht wiederholen werden.

Russische Anhänger stürmen den englischen Fanblock

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