DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Dieses System ist doch krank» – Basler Arbeitslose sollen sich in Deutschland umschauen

Das Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit sorgt mit einer Einladung zu einem Informationsanlass über Möglichkeiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt für Ärger bei Arbeitslosen.
07.05.2019, 12:18
Franziska Zambach / ch media
Bild: KEYSTONE

Das Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) lädt Basler Arbeitslose zum Informationsanlass in die Räumlichkeiten des RAV (Regionales Arbeitsvermittlungs-Zentrum) Basel-Stadt. Das Amt will Arbeitssuchenden den Markt in Deutschland schmackhaft machen. Unter dem Titel «Wohnen in der Schweiz – Arbeiten als GrenzgängerIn in Deutschland» sollen im Speziellen über 50-Jährige angesprochen werden.

«Ich sehe keinen Grund, warum ich nach Deutschland arbeiten gehen soll.»

Über die Einladung freut sich aber nicht jeder. Der 53-jährige Christian Schaub ärgert sich über die Post vom AWA. Er sucht seit knapp vier Jahren nach einer Festanstellung. In einem Post auf Facebook schreibt der gelernte Speditionskaufmann: «Nun sollen also die Schweizer in Deutschland arbeiten, da die Deutschen aufgrund der besseren Löhne in die Schweiz kommen und somit eine Lücke im deutschen Arbeitsmarkt hinterlassen.»

Schaub will die Öffentlichkeit auf den Umstand aufmerksam machen. Dafür wendete er sich an verschiedene Medien. «Es ist grotesk, Basel wird von Grenzgängern überflutet. Schweizer Arbeitslose wie mich schickt man dafür zum Arbeiten nach Deutschland. Dieses System ist doch krank», sagt er zum «Blick». Er weigere sich, in Deutschland Arbeit zu suchen und fühle sich «abgeschoben». «Ich sehe keinen Grund, warum ich nach Deutschland arbeiten gehen soll.»

Eines der Probleme verortet Schaub auf Seite der Arbeitgeber. Er verlangt, dass diese mehr in die Pflicht genommen werden, zuerst Schweizer Arbeiter anzustellen und erst dann Grenzgänger zu berücksichtigen. Auch die Politik habe versagt. Massnahmen wie die Zuwanderungsinitiative würden nicht greifen. «Wer in der Schweiz lebt – egal, ob Schweizer oder Ausländer –, der soll auch in der Schweiz arbeiten können», sagt er.

Das Amt relativiert die Situation gegenüber «Blick»: «Es handelt sich um einen Informationsanlass, der sich an freiwillig interessierte Stellensuchende richtet, die ihre Kenntnisse über den deutschen Arbeitsmarkt erweitern wollen. Es findet keine Stellenvermittlung statt. Eine Verpflichtung besteht nicht.»

Das mindert den Ärger bei Christian Schaub aber nicht. Die Einladung hat seine frustrierende Situation noch schlimmer gemacht. Er werde wohl nicht am Informationsanlass teilnehmen. «Ich würde mich an dieser Veranstaltung nur zu sehr aufregen.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

55 Perfektionisten bei der Arbeit: Besser geht nicht

1 / 57
55 Perfektionisten bei der Arbeit: Besser geht nicht
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So macht Pendeln Spass

Video: srf

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

61 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Chriguchris
07.05.2019 12:23registriert November 2018
Auch wenn es "freiwillig" ist, sehr ungeschickt!
26441
Melden
Zum Kommentar
avatar
Zivi
07.05.2019 13:39registriert April 2019
Und dann soll mit dem Lohn aus Deutschland in der Schweiz gelebt werden? Ist wohl nicht einmal annährend gleich viel für gleiche Arbeit...
1146
Melden
Zum Kommentar
avatar
Asmodeus
07.05.2019 13:36registriert Dezember 2014
«Wohnen in der Schweiz – Arbeiten als GrenzgängerIn in Deutschland»

Absolut hirnlose Idee.

In Deutschland verdient man einen Bruchteil dessen was man in der Schweiz verdient. Mit einem Job in Deutschland kann man in der Schweiz gar nicht die Lebenshaltungskosten bezahlen.

Gerade für Menschen im Altersbereich 50+ würde sich da sogar noch eher lohnen Frührente zu beziehen und in Deutschland oder Frankreicht zu wohnen.
10510
Melden
Zum Kommentar
61
In diesen Gemeinden wurde am meisten Natur mit Strassen zugepflastert
Was gehört zu einer Gemeinde? Natur, Menschen, Häuser – und Strassen! Ohne kommt keine Ortschaft in der Schweiz aus. Doch wo gibt es besonders viele davon?

Strassen, Geleise, Plätze: Rund ein Drittel der Siedlungsfläche in der Schweiz wird durch die Verkehrsinfrastruktur eingenommen. Insgesamt 84'675 Kilometer Strassen führen 2022 durch das Land – das Eisenbahnnetz mass bei der letzten Erhebung 2020 nur gerade 5317 Kilometer.

Zur Story