Donald Trump
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Thursday, March 28, 2019, file photo, Brad Parscale, manager of President Donald Trump's reelection campaign, throws

Brad Parscale setzte sich gerne selbst in Szene, nicht zur Freude von Donald Trump. Bild: keystone

Tulsa war sein Verhängnis: Warum Trump seinen Wahlkampfchef absetzt

Brad Parscale hatte mit einer brillanten Social-Media-Strategie wesentlich zu Donald Trumps Wahlsieg 2016 beigetragen. Im «klassischen» Wahlkampf aber agierte er glücklos.



Mit seinen zwei Metern Körpergrösse, dem roten Bart und dem kahlen Schädel gibt Brad Parscale eine mehr als eindrückliche Figur ab. Er könnte als Wrestler durchgehen, doch die Kernkompetenz des 44-Jährigen aus Kansas ist der digitale Wahlkampf. 2016 organisierte er diesen Bereich für Donald Trump und setzte vor allem auf Facebook-Werbung.

Mit durchschlagendem Erfolg. Ein führender Manager des Social-Media-Giganten bezeichnete Parscales Strategie zu Beginn dieses Jahres als beste digitale Kampagne, die er je von einem Werbekunden gesehen habe. Der anfangs skeptische Donald Trump belohnte Brad Parscale, indem er ihn bereits im Februar 2018 zum Manager seiner Wiederwahl-Kampagne 2020 beförderte.

Diese Werbespots machen Trump wahnsinnig

Video: watson/Emily Engkent

Parscale wollte dabei noch stärker als vor vier Jahren auf digitale Kanäle setzen. Mehr noch als soziale Medien sollten Textnachrichten im Zentrum stehen. Dann kam die Coronakrise. Sie offenbarte Trumps Inkompetenz. Sein Rückstand in den Umfragen auf den Demokraten Joe Biden liegt mittlerweile im zweistelligen Bereich. Brad Parscale fand gegen den Abwärtstrend kein Rezept.

Der Public-Viewing-Flop

Schon im Frühjahr habe sich sein Verhältnis zum Präsidenten eingetrübt, berichtet die «Washington Post» mit Berufung auf Personen aus Trumps Umfeld. Nun zog dieser die Konsequenzen. Am Mittwoch wurde Parscale als Wahlkampfleiter abgesetzt und faktisch auf seine frühere Funktion als Verantwortlicher für Daten und digitale Strategien zurückgestuft.

Denn im «klassischen» Wahlkampf erwies sich Parscale als glücklos. Das zeigte sich besonders deutlich bei Trumps Auftritt in Tulsa (Oklahoma) am 20. Juni. Was als triumphales Comeback gedacht war, endete mit einem Debakel. Dabei hatte Parscale im Vorfeld posaunt, es seien fast eine Million Anfragen für Tickets eingegangen.

Vor der Halle in Tulsa wurde ein Public Viewing eingerichtet, zu dem Zehntausende Fans erwartet wurden. Als die Air Force One sich im Anflug befand, erhielt der Wahlkampfchef den Bescheid, dass sich gerade mal ein paar Dutzend Leute vor dem Grossbildschirm eingefunden hatten. Darauf wurde die Vorführung eilends abgesagt.

President Donald Trump speaks during a campaign rally at the BOK Center, Saturday, June 20, 2020, in Tulsa, Okla. (AP Photo/Evan Vucci)
Donald Trump

Ein Auftritt vor leeren Rängen: Donald Trump in Tulsa. Bild: keystone

Die knapp 20’000 Zuschauer fassende Halle war nicht einmal zu einem Drittel gefüllt – eine Demütigung für einen geltungssüchtigen Menschen wie Donald Trump. Die Hauptschuld gab er seinem Wahlkampfleiter, der vor seinem Engagement bei Trump über keinerlei politische Erfahrung verfügte, was in Krisenzeiten nicht gerade von Vorteil ist.

Luxuriöser Lebensstil

Berichte über seinen luxuriösen Lebensstil in Florida, wo er sich häufiger aufhalten soll als im Wahlkampf-Hauptquartier in Virginia, sorgten in Trumps Umfeld für Unmut. Ebenso die Tatsache, dass Parscale sich oft und gerne selbst in Szene setzte. Das passt nur bedingt zur Funktion eines Wahlkampfleiters, der in der Regel aus dem Hintergrund agiert.

Sein am Mittwoch ernannter Nachfolger Bill Stepien erfüllt diese Voraussetzung. Er gilt als zurückhaltend und hat einen politischen Background als ehemaliger Berater von Chris Christie, dem Ex-Gouverneur von New Jersey. Ausserdem steht er Jared Kushner nahe, dem Schwiegersohn und laut «New York Times» De-facto-Wahlkampfchef des Präsidenten.

Bill Stepien, , left, former campaign manager for Governor Chris Christie and his attorney Kevin Marino, leave the State House during a lunch break after listening to the testimony of Kevin O'Dowd, Governor Christie's chief of staff, before the New Jersey Select Commission on Investigation looking into the closure of lanes on the George Washington Bridge, Trenton, N.J., Monday, June 9, 2014. (AP Photo/The Record of Bergen County, Amy Newman)

Bill Stepien gilt als zurückhaltend. Bild: AP/The Record of Bergen County

Letztlich sind es Trump und Kushner, die in der Kampagne die Richtung vorgeben. Stepien droht, zum nächsten Sündenbock zu werden, denn die Aufgabe ist schwieriger denn je. So behauptete Trump in seiner Mitteilung vom Mittwoch, seine Umfragewerte würden steigen. Das Gegenteil ist der Fall. Sogar in Texas liegt er in einzelnen Polls hinter Biden.

Am letzten Samstag wollte Donald Trump einen weiteren Wahlkampf-Event durchführen, unter freiem Himmel im Bundesstaat New Hampshire. Er wurde abgesagt, offiziell wegen eines aufziehenden Sturms (der nie erschien). Einen Ersatztermin gibt es nicht, denn Trumps Umfeld fürchtet gemäss Politico ein weiteres Tulsa-Debakel.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

So fertig hast du Trump noch nie gesehen

«Eine Nachricht an dich, Trump: Halte für einmal deine verf***** Klappe»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

24
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Stefan Sowieso 17.07.2020 19:58
    Highlight Highlight Ich bin kein Rassist. Mir ist egal wer Trump entmachtet. Hauptsache weg! Märsi
  • Dirk Leinher 17.07.2020 06:24
    Highlight Highlight Bisher wurde doch immer gesagt er habe 2016 die Wahl wegen der Wahleinmischung Russlands gewonnen. Ist das eventuell gar nicht wahr? Zumindest hier wird behauptet dass der 2 Meter Mann der Grund war.
    Das mit der Russland Einmischung sollte aber im Hinblick auf das Lincoln-Projekt der Republikaner schon nochmals genauer recherchiert werden.
  • Bambusbjörn aka Planet Escoria 16.07.2020 20:50
    Highlight Highlight Bisschen OT:
    Ist euch eigentlich aufgefallen, wie Still die Trumpisten plötzlich sind?
    Auch das permanente Geheul von wegen Obama-Gate hat aufgehört.
  • TanookiStormtrooper 16.07.2020 18:10
    Highlight Highlight Wieviele Leute hat Donnie jetzt eigentlich in seiner Amtszeit gefeuert? Ernsthaft, ich hab den Überblick verloren. 🤷‍♂️
    • Joe 'Barack America' Biden 16.07.2020 18:52
      Highlight Highlight Endlos viele.

      Brad Parscale wurde aber nicht gefeuert. Er hat nun genau wieder den Job, den er letztes Mal so gut machte.

      Zitat Blunschi: "Brad Parscale hatte mit einer brillanten Social-Media-Strategie wesentlich zu Donald Trumps Wahlsieg 2016 beigetragen."
  • Pana 16.07.2020 14:23
    Highlight Highlight "Am letzten Samstag wollte Donald Trump einen weiteren Wahlkampf-Event durchführen, unter freiem Himmel im Bundesstaat New Hampshire. Er wurde abgesagt, offiziell wegen eines aufziehenden Sturms (der nie erschien). "

    Wozu auch, der Event wurde ja abgesagt.

    Benutzer Bild
  • Jaklar 16.07.2020 13:52
    Highlight Highlight Trump wird nicht mehr gewählt. Sein versagen ist jetzt dermassen klar den amis gezeigt worden.
    Nur noch taub und blinde trumpfans wählen ihn nochmals.
    Da kann man auch mit wahlkampf nicht mehr punkten.
    • Oigen 16.07.2020 14:31
      Highlight Highlight und ein grossteil der bernie wähler werden auch dieses jahr (genau wie vor 4 jahren) nicht wählen weil sie sich von den dems veräppelt fühlen...


      ...leider, und somit steigen trumps chancen wieder
    • Democracy Now 16.07.2020 15:47
      Highlight Highlight @Oigen: Ein Grossteil? Nur ein sehr kleiner Teil der Bernie Anhänger ging 2016 nicht wählen - der Anteil der Hillary Supporter, die nicht Obama wählten, war sehr viel höher...
    • Magnum 16.07.2020 15:49
      Highlight Highlight Bernie-Fanboys, die aus Trotz der Wahl fern bleiben, unterstützen faktisch den Amtsinhaber und werden ihrer staatsbürgerlichen Verantwortung nicht gerecht.

      Vor solchen Trotzbuben habe ich null Respekt - die verdienen sich nur meine Verachtung. Die letzten vier Jahre haben gezeigt, was die Folgen solchen Trotzverhaltens sein können.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Füürtüfäli 16.07.2020 13:30
    Highlight Highlight Also der Typ, der nicht mitbekommen hat, dass es ein tiktok-Initiative war, die die Millionen Reservierungen in Tulsa veranlasst hat, die dann nicht erschienen sind, soll also die digitale und social media Kampagne leiten.
    Good choice Mr President, tremendous
    • bbelser 16.07.2020 15:33
      Highlight Highlight Immerhin bleibt sich dieser Präsident treu...
      ... in der Dummheit und Untauglichkeit seiner Entscheidungen.
  • Don Alejandro 16.07.2020 13:18
    Highlight Highlight Bald sind es dann die Demokraten, die Corona produziert haben und ihn um seine geliebten Rallies bringt.
    • Raeffu 16.07.2020 14:55
      Highlight Highlight Hat eric trump schon fast gesagt
    • Ninha 16.07.2020 17:10
      Highlight Highlight Und Obama hat mit den Tests aufgehört... 😂
    • petrolleis 16.07.2020 19:50
      Highlight Highlight Und Obama hat ihm leere schränke hinterlassen. Man stelle sich das vor - leere schränke... vor 4 Jahren 😂😂😂
  • homo sapiens melior 16.07.2020 13:16
    Highlight Highlight Trump braucht immer irgendwelche Sündenböcke, die er für alles verantwortlich machen kann. Aus demselben Grund kann er auch nicht mit Kritik umgehen. Es würde sein Selbstbild ankratzen und damit könnte er nicht umgehen. Er würde durchdrehen.
    • Hans Jürg 16.07.2020 13:35
      Highlight Highlight Richtig. Statt dieses Artikels hätte man viel kürzer halten können:


      "Warum Trump seinen Wahlkampfchef absetzt:
      Weil der beste und perfekteste Präsident aller Zeiten keine Schuld an den schlechten Umfrageergebnisse haben kann, muss es am Wahlkampfleiter liegen. So he's fired."
  • Magnum 16.07.2020 12:57
    Highlight Highlight So much winning - ist auch ganz normal, dass in einer Siegesserie quasi der Tätschmeister ausgewechselt wird. Dass der neue Kampagnenleiter eine Marionette von Jared Kushner ist, zeigt einmal mehr: Im Trump-Lager wird die Wagenburg der Aufrechten immer kleiner.

    Es sei nochmals daran erinnert: Präsidentschaftswahlen werden durch parteiungebundene Wechselwähler der Mitte entschieden und nicht durch den harten Kern der Anhänger eines Kandidaten, der sich sehr weit von der Mitte entfernt hat.
  • südfüessler 16.07.2020 12:27
    Highlight Highlight Trump kann parscale,dem wetter und wohl bald auch stepien die schuld geben dass seine geliebten rallys nicht funktionieren.
    Dass es dieses jahr einfach nichts wird mit klassischem wahlkampf will er einfach nicht wahr haben.
    Was will man da noch dazu sagen.
    "Yeah mr. trump,go for it!"
  • swisskiss 16.07.2020 12:14
    Highlight Highlight Nun hat Brad dieselbe Position inne, Leiter soziale Medien, digitaler Wahlkampf, die er in der Kampagne 2016 hatte. Die Frage ist nur, ob gleich viel Geld in Parscales Firmen fliessn, wie bis anhin, rund 4,2 Millionen Dollar in den letzten 3 Jahren, die ihm den luxuriösen Lebensstil ermöglichten. Das könnte schmerzhafter werden als den Verlust der Position.
  • Pafeld 16.07.2020 12:08
    Highlight Highlight Trump hat Angst. Gut so.

Influencer will gratis essen – Restaurant macht interessanten Gegenvorschlag

Es ist nicht die erste Geschichte dieser Art und wird es wohl auch nicht bleiben: Influencer, die Restaurants um kostenloses Essen bitten. Im Gegenzug versprechen sie, die Gaststätte positiv gegenüber ihrer Anhängerschaft zu erwähnen. Das kann sich für ein Etablissement durchaus lohnen und wird daher auch oft gemacht.

Manchmal aber gibt es auch Restaurants, die keine Lust auf diese moderne Art der Werbung haben. Jüngstes Beispiel dafür ist ein Restaurant aus Griechenland. Auf Twitter berichtet …

Artikel lesen
Link zum Artikel