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US-Schulden explodieren – Trump will Problem in die Zukunft verschieben

epa12767500 US President Donald Trump turns to talk to the press pool during the Governors Dinner in the East Room of the White House in Washington, DC, USA, 21 February 2026. EPA/Samuel Corum / POOL
Donald Trump mischt sich in die Geldpolitik der US-Notenbank ein.Bild: keystone

US-Schulden explodieren – Trump will das Problem in die Zukunft verschieben

Amerikas Schulden wachsen – und mit ihnen die Zinslast. Genau dort liegt das eigentliche Risiko. Können niedrigere Leitzinsen die Krise entschärfen?
22.02.2026, 06:1622.02.2026, 06:16
Leon Bensch / t-online
Ein Artikel von
t-online

Die Vereinigten Staaten sitzen auf einem Schuldenberg von rund 38,56 Billionen US-Dollar. Allein binnen eines Jahres stieg die Bruttoverschuldung um 2,35 Billionen Dollar. Pro Tag kommen rund 6,43 Milliarden Dollar hinzu. Das sind Summen, die selbst für die grösste Volkswirtschaft der Welt gewaltig sind.

US-Präsident Donald Trump fordert deshalb niedrigere Zinsen. Er argumentiert öffentlich, das «amerikanische Volk» müsse entlastet werden. Niedrigere Zinsen bedeuten günstigere Kredite für Unternehmen und Verbraucher. Das kann Investitionen ankurbeln und den Konsum stützen.

Doch Zinssenkungen haben noch einen zweiten Effekt: Sie verbilligen die Finanzierung der Staatsschulden. Je niedriger der Leitzins, desto günstiger kann sich der Staat neues Geld leihen – zumindest theoretisch. Trump erwartet mit einem neuen Chef an der Spitze der US-Notenbank deutlich sinkende Zinsen. Doch können Zinssenkungen den gewaltigen Schuldenberg wirklich entschärfen – oder verschieben sie das Problem nur in die Zukunft?

Trump setzt auf neuen Fed-Chef

Trump verbindet seine Zinserwartungen klar mit der Personalie an der Spitze der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Die Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell endet im Mai. Trump hatte bereits im vergangenen Monat angekündigt, den Finanzexperten Kevin Warsh als Nachfolger zu nominieren.

Der US-Präsident griff am vergangenen Freitag Fed-Chef Jerome Powell erneut scharf an. «Wir haben einen sehr inkompetenten Fed-Vorsitzenden, der hohe Zinsen mag – und zwar aus politischen Gründen», sagte er vor der Presse. Mit neuem Personal würden die Zinsen jedoch «sehr deutlich» sinken.

epa12688688 Federal Reserve Board Chairman Jerome Powell responds to a question from the news media during a press conference at the Federal Reserve in Washington, DC, USA, USA, 28 January 2026. For t ...
Trump unterstellt Jerome Powell politische Motive – tatsächlich dürfte es anders herum sein.Bild: keystone

Ende Januar liess die Fed den Leitzins nach drei Senkungen in Folge unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Anleger rechnen derzeit frühestens ab Juni mit einer weiteren Lockerung.

Fed ringt um den Kurs – Hoffnung auf Lockerung

Innerhalb der Fed herrscht derzeit keine Einigkeit über den weiteren Kurs. Die Protokolle der Zinssitzung Ende Januar zeigen: Die Diskussion verlief kontrovers. Zwei Direktoren, Christopher Waller und Stephen Miran, votierten für eine weitere Zinssenkung. Die Mehrheit entschied sich jedoch für eine Pause.

Auch Austan Goolsbee, Chef des Notenbankbezirks Chicago, nährte Hoffnungen auf Lockerungen. Die Notenbank könne in diesem Jahr mehrere Zinsschritte beschliessen, falls sich die Inflation weiter in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels bewege, sagte er dem Sender CNBC. Allerdings müsse man zunächst die eingehenden Daten abwarten.

Inflation bedeutet, dass die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen. Zuletzt ging sie in den USA spürbar zurück: Im Januar lagen die Verbraucherpreise 2,4 Prozent über dem Vorjahresniveau, nach 2,7 Prozent im Dezember.

Gleichzeitig gewann der Arbeitsmarkt wieder an Schwung. Die Fed steht deshalb aktuell nicht unter akutem Druck, die Zinsen rasch zu senken. Ihr gesetzlicher Auftrag lautet: Vollbeschäftigung sichern und stabile Preise gewährleisten.

Schuldenblase: Warum niedrigere Zinsen nicht automatisch helfen

Die entscheidende Frage lautet jedoch: Reichen niedrigere Zinsen aus, um die Schuldenprobleme der USA zu lösen? Ökonomen zweifeln daran. Die Verschuldung ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen – und sie wächst weiter. Das Haushaltsdefizit, also die jährliche Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben, liegt derzeit bei rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das BIP misst die gesamte Wirtschaftsleistung eines Landes.

Laut Brett Ryan, leitender US-Volkswirt der Deutschen Bank, dürfte das Defizit bis zur Mitte der 2050er-Jahre in den zweistelligen Bereich klettern. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: In den 80er- und 90er-Jahren waren die Schuldenstände niedriger, die Zinsen jedoch höher. Heute ist es umgekehrt. Die Zinsen liegen moderat, doch der Schuldenberg ist so gewaltig, dass selbst normale Zinsniveaus den Haushalt stark belasten.

Eine Senkung des Leitzinses erleichtert nicht automatisch die Rückzahlung der bestehenden Schulden. Zwar könnten neue Kredite günstiger werden. Doch die Gesamtschulden bleiben bestehen – und der Staat muss weiterhin Zinsen zahlen.

Hinzu kommt ein Risiko: Billigere Kredite können die Nachfrage anheizen. Steigt die Nachfrage stärker als das Angebot, ziehen die Preise wieder an. Die Inflation würde steigen – und die Fed müsste die Zinsen womöglich erneut erhöhen. Damit wäre der kurzfristige Entlastungseffekt schnell verpufft – und es könnte gar zu einem Bumerang-Effekt kommen.

Kaum Spielraum für künftige Regierungen

Bleiben Zinsen und Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren auf ähnlichem Niveau, gewinnt der Staat kaum Spielraum, um Schulden abzubauen. Hohe Zinszahlungen binden immer grössere Teile des Haushalts. Geld, das für Zinsen verwendet wird, fehlt für Investitionen, Infrastruktur oder soziale Programme. Der Staat gerät in eine Art Zinsfalle: Er muss immer neue Schulden aufnehmen, um alte Verpflichtungen zu bedienen.

Künftige US-Regierungen könnten dadurch in Krisenzeiten weniger handlungsfähig sein. Konjunkturprogramme oder Hilfspakete lassen sich schwerer finanzieren, wenn der Haushalt bereits stark belastet ist. Langfristig steigt zudem das Inflationsrisiko, wenn Staaten dauerhaft mehr ausgeben, als sie einnehmen. Zinssenkungen können kurzfristig entlasten. Doch ohne strukturelle Reformen und eine nachhaltige Haushaltspolitik lösen sie das Grundproblem nicht. (t-online/con)

Verwendete Quellen:

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Auster N
22.02.2026 06:30registriert Januar 2022
Wie schon oft gesagt, Trump ruiniert Amerika auf Jahrzehnte wenn nicht Jahrhunderte hinaus. Daran werden wir uns immer erinnern. Weltmacht, das war einmal.
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Rethinking
22.02.2026 06:39registriert Oktober 2018
Trump hat noch nie irgendetwas gelöst…

Sein Nachfolger wird den ganzen Mist ausbaden können…

Seit Jahrzehnten verursachen republikanische Präsidenten Schulden und Wirtschaftsflauten und die demokratischen Präsidenten, die jeweils folgen, müssen den Mist wieder gerade Rücken…

Danacch folgt ein Republikaner, der sich auf den Lorbeeren des Demokraten ausrut und wieder Mist baut…
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JBV
22.02.2026 06:47registriert September 2021
Trump sieht die Staatsverschuldung als grosse Gefahr für die USA. Sein einfaches Rezept, über Zölle die Staatseinnahmen erhöhen und über Zinssenkungen die Zinszahlungslast des Staates zu senken. Beides trifft die Masse der Menschen in den USA, die es über höhere Preise zu finanzieren haben.

Über 50% der Wähler haben Trump gewählt und wollen es offenbar so. Jetzt bekommen sie es. Verstehe einer diese Amis....
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