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Carlo Janka vermutet scherzhaft eine Abkürzung, welche Marcel Hirscher gefunden habe.
Carlo Janka vermutet scherzhaft eine Abkürzung, welche Marcel Hirscher gefunden habe.Bild: LEONHARD FOEGER/REUTERS
Janka staunt über Hirscher

«Keine Ahnung, wie er das macht. Er findet offenbar Abkürzungen, die wir nicht kennen»

36 Jahre lang hatte kein Skifahrer mehr einen Riesenslalom mit so einem grossen Abstand gewonnen, wie Marcel Hirscher in Garmisch-Partenkirchen. Das lässt Fragen aufkommen. Beim Sieger und der Konkurrenz.
01.03.2015, 16:0901.03.2015, 16:11

Marcel Hirscher hatte sich schon zuvor mehrmals in einer eigenen Sphäre bewegt. Doch was der Salzburger einen Tag vor seinem 26. Geburtstag auf die Piste zauberte, stellte selbst für den Erfolgsverwöhnten etwas Aussergewöhnliches dar. Zur grossen Show hatte Hirscher schon im ersten Durchgang angesetzt, in dem er die Konkurrenten im Minimum um 1,99 Sekunden hinter sich gelassen hatte. Weltmeister Ted Ligety war um 2,84 Sekunden distanziert – um eine Dimension also, mit der der Amerikaner vor noch nicht allzu langer Zeit seinerseits seine Gegnerschaft oft gedemütigt hatte.

In der Endabrechnung blieb dem einstigen Sparten-König mit 3,56 Sekunden Rückstand hinter dem Einheimischen Felix Neureuther und Hirschers Teamkollege Benjamin Raich, der tags zuvor 37-jährig geworden war, Platz 4.

Marcel Hirscher fährt in einer eigenen Liga.
Marcel Hirscher fährt in einer eigenen Liga.Bild: EPA/DPA

Nur Stenmark hatte zweimal noch deutlicher dominiert

Das gigantische zeitliche Polster liess Hirscher im Finale nicht von seiner Linie abbringen. Keine Gedanken an Verwaltung des Vorsprungs und eine auf Sicherheit bedachte Fahrt, keine Gedanken an Disziplin-Weltcup oder Gesamtwertung. Der Salzburger liess Taktik Taktik sein und fuhr noch einmal Laufbestzeit, am Ende stand der drittgrösste Vorsprung in einem Weltcup-Riesenslalom zu Buch.

Noch deutlicher hatte einzig Ingemar Stenmark zweimal dominiert. Im Februar 1979 hatte der legendäre Schwede in Jasna (Tsch) 4,06 Sekunden vor dem Slowenen Bojan Krizaj gewonnen, einen Monat zuvor in Courchevel (Fr) mit der Marge von 3,73 Sekunden vor dem Romanshorner Peter Lüscher. 

Ingemar Stenmark distanzierte seine Konkurrenten zweimal noch deutlicher. 
Ingemar Stenmark distanzierte seine Konkurrenten zweimal noch deutlicher. Bild: AP NY

Hirscher greift nach viertem Gesamtweltcup-Triumph

«Kalt lässt auch mich ein solches Ergebnis natürlich nicht», sagte Hirscher nach dem historischen Triumph. Den gewaltigen Vorsprung könne er allerdings nicht erklären. «Wir haben am Material einige kleine Veränderungen vorgenommen. Offenbar hat die Abstimmung optimal zu den heutigen Verhältnissen gepasst.» Im sechsten Weltcup-Riesenslalom des Winters siegte Hirscher zum fünften Mal.

Mit seinem insgesamt 30. Weltcup-Triumph tat er einen grossen Schritt Richtung Sieg in der Disziplin-Wertung, seinen zweiten nach jenem von 2012. Vor den letzten zwei Riesenslaloms des Winters führt er das Klassement mit 188 Punkten Vorsprung vor Ligety an. Mit dem gleichen Abstand liegt Hirscher nunmehr auch in der Gesamtwertung vorne und erhöhte damit seine Chance weiter, als erster Alpiner die grosse Kristall-Kugel viermal in Serie zu gewinnen. Hirschers norwegischer Rivale Kjetil Jansrud wurde im Riesenslalom in Garmisch Fünfzehnter. 

Hirscher greift nach dem 4. Gesamtweltcup-Sieg in Serie. Das gelang noch niemandem zuvor. 
Hirscher greift nach dem 4. Gesamtweltcup-Sieg in Serie. Das gelang noch niemandem zuvor. Bild: EPA/DPA

Fragen bei Janka und Co. 

Bei der Konkurrenz hinterliess Hirscher selbstredend Fragen und das grosse Staunen. «Keine Ahnung, wie er das macht», sagte Janka wohl stellvertretend. Und scherzend fügte er an: «Er findet offenbar Abkürzungen, die wir nicht kennen.» Seine eigene Leistung stellte Janka lediglich rangmässig zufrieden – verständlich bei einem Rückstand von 4,29 Sekunden. Ausgenommen die Plätze 6 und 7 in den letzten zwei Riesenslaloms auf seinem Lieblingshang in Beaver Creek, war der Bündner in den vergangenen drei Wintern in dieser Disziplin nie mehr so gut klassiert. 

Carlo Janka ist sprachlos.
Carlo Janka ist sprachlos.Bild: Erich Spiess/freshfocus

Von der zweiten Schweizer Garde, die zuletzt bei Nor-Am-Rennen in Kanada am Start war, war Manuel Pleisch der Beste. Der 24-Jährige aus Pany schaffte mit Rang 17 seine zweitbeste Klassierung im Weltcup, nachdem er im vergangenen Oktober in Sölden Platz 16 belegt hatte. Der zwei Jahre jüngere Kantonskollege Gino Caviezel, der wegen einer Magen-Darm-Grippe zuletzt während fünf Tagen das Bett gehütet hatte, schaffte trotz der körperlichen Schwächung Rang 22. 

Die restlichen drei Schweizer verpassten die Qualifikation für den zweiten Lauf. Thomas Tumler (32.) fehlte dazu ein Hundertstel, Justin Murisier (34.) war zwölf Hundertstel zu langsam. Elia Zurbriggen stürzte nach einem Einfädler. (si) 

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