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Chinesische Soldaten steigen in einem Propaganda-Video aus dem Meer.
Chinesische Soldaten steigen in einem Propaganda-Video aus dem Meer. screenshot: weibo

So unverfroren droht China jetzt mit einer Invasion Taiwans

China veröffentlicht ein Video, in dem der Angriff auf Taiwan simuliert wird. China-Experte Brian Carlson sagt gegenüber watson, ob das Video nur ein Bluff ist oder ob eine Invasion tatsächlich bevorstehen könnte.
02.08.2022, 14:1603.08.2022, 11:28

Kampfjets steigen in den Himmel, Kriegsschiffe feuern auf einen Strand, bewaffnete Taucher und Fallschirmjäger betreten feindliches Territorium. Die chinesischen Streitkräfte – offiziell «Volksbefreiungsarmee» genannt – haben am Sonntag auf der Social-Media-Plattform Weibo ein Video veröffentlicht, das unmissverständlich die Invasion einer Insel zeigen soll.

Sie schreiben dazu: «Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet. Wir kämpfen auf Befehl, begraben jeden Eindringling und streben eine gemeinsame und erfolgreiche Operation an!» Auch wenn die Insel nicht namentlich genannt wird, ist klar, dass im Propaganda-Video Taiwan dargestellt wird.

Propaganda-Video: So will China Taiwan einnehmen

Video: watson

Der Zeitpunkt der Publikation ist kein Zufall. Zum einen feierte die chinesische Volksbefreiungsarmee am Sonntag ihren 95. Geburtstag. Zum anderen wird seit Tagen über einen möglichen Taiwan-Besuch von Nancy Pelosi spekuliert. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses und damit dritthöchste US-Amerikanerin hatte Taiwan zwar nicht als offiziellen Stopp auf ihrer Asien-Reise angegeben. Doch in den vergangenen Stunden bahnte sich der Besuch immer mehr an.

Hacker legen Webseite der taiwanischen Präsidentin lahm
Kurz vor dem erwarteten Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan haben unbekannte Hacker die Webseite der taiwanischen Präsidentin Tsai Ing-wen lahmgelegt.

Das Präsidialamt in der Hauptstadt Taipeh bestätigte einen Ausfall für rund 20 Minuten am Dienstagnachmittag. Es seien Gegenmassnahmen ergriffen worden, so dass die Webseite nun wieder normal funktioniere.

Alle Regierungsstellen hätten ihre Wachsamkeit und Schutzmassnahmen gegen die Cyber-Attacken verstärkt, sagte ein Sprecher des Präsidialamts in Taipeh. Woher die Angriffe kamen, wurde nicht gesagt. (sda/dpa)

China droht mit militärischer Intervention

Das ist für China absolut inakzeptabel. Denn China sieht Taiwan als «untrennbaren Teil» der Volksrepublik an. Wäre ein Besuch von Pelosi gar ein «Casus Belli», ein Grund für einen Kriegseintritt? Glaubt man der chinesischen Rhetorik, sind militärische Schläge oder gar eine Invasion nicht auszuschliessen.

Nachfolgend einige Zitate aus den vergangenen Tagen:

«Die Volksbefreiungsarmee wird nicht tatenlos zusehen, und die chinesische Seite wird sicher energische und entschiedene Massnahmen ergreifen, um unsere Souveränität und territoriale Integrität zu schützen.»
Zhao Lijian, Aussenamtssprecher
«Sollte sie es wagen, in Taiwan anzuhalten, wäre dies der Moment, in dem das Pulverfass in der Strasse von Taiwan entzündet würde.»
Hu Xijin, ehemaliger Chefredaktor der staatlich kontrollierten «Global Times»
«Die Gegenmassnahmen, die das Oberkommando für Pelosis möglichen Taiwan-Besuch vorsieht, müssen um ein Vielfaches rigoroser und umfassender sein, als man es sich vorstellen kann. Chinas Warnung an die USA ist kein leeres Gerede.»
«Global Times»
«Diejenigen, die mit dem Feuer spielen, werden daran zugrunde gehen.»
Der chinesische Präsident Xi Jinping im Telefonat mit US-Präsident Joe Biden

Das chinesische Militär kündigte an, dass man für die nächsten vier Tage Übungen im Südchinesischen Meer abhalten werde. Das taiwanische Militär erhöhte darauf die Kampfbereitschaft.

Wie realistisch ist eine Invasion?

Wie ist das Invasions-Video der Chinesen einzuschätzen? Solche Propaganda-Videos seien eigentlich nichts Aussergewöhnliches, sagt Brian Carlson, China-Experte der ETH, gegenüber watson. «Die Volksbefreiungsarmee veröffentlicht immer wieder solche Videos.»

«Interessant ist aber, dass China dieses Video genau jetzt inmitten grosser Spannungen publiziert hat», meint Carlson. China versuche, ein möglichst deutliches Signal zu senden, dass es den Besuch Pelosis nicht akzeptiere. Dazu gehörten nicht nur die Propaganda, sondern auch die Militär-Übungen und allfällige Interventionen bei Pelosis Stopp in Taiwan.

Brian Carlson ist Leiter des Global Security Team des Think Tanks am Center for Security Studies (CSS) der ETH. Er promovierte in internationalen Beziehungen an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies (SAIS) in Washington D.C.
Brian Carlson ist Leiter des Global Security Team des Think Tanks am Center for Security Studies (CSS) der ETH. Er promovierte in internationalen Beziehungen an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies (SAIS) in Washington D.C.bild: zvg

Der chinesische Präsident Xi Jinping müsse nicht nur aus internationalen Gründen die Muskeln spielen lassen. «Auch gegen innen muss er Stärke signalisieren», so Carlson. Xis Hauptaugenmerk liege momentan auf der Innenpolitik, denn im Herbst dieses Jahres wolle er sich beim Parteikongress seine dritte Amtszeit sichern, erklärt Carlson.

«Ich glaube nicht, dass Xi vor den Wahlen eine internationale Krise riskieren will.»

Dies sei ein Grund, weshalb es wohl noch nicht zu einer Invasion komme. «Ich glaube nicht, dass Xi vor den Wahlen eine internationale Krise riskieren will.» Militärische Signale seien im Rahmen von Pelosis Besuch möglich, so Carlson, eine Invasion dagegen eher unwahrscheinlich.

Ist das Video also nur ein Bluff? «Das würde ich nicht sagen», so Carlson. China werde Taiwan vielleicht nicht jetzt angreifen, aber es habe bereits seit Jahrzehnten angekündigt, dass es Taiwan allenfalls militärisch einnehmen werde.

Carlson geht davon aus, dass China noch einige Jahre mit einer Invasion zuwarten werde. Denn das militärische Gleichgewicht habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr zugunsten Pekings verschoben. Gleichzeitig dürfe man aber nicht vergessen, dass sich auch Taiwan weiter aufrüste, was eher für ein baldiges Handeln der Chinesen spreche.

Am Ende werde Xi entscheiden, wie er mit Taiwan verfahren werde, so Carlson. Er dürfte aber wohl eher agieren als auf einen Besuch reagieren wollen. «Falls China angreift, dann wird es den Zeitpunkt selber bestimmen», so Carlson.

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Welcome to China – das denkt das Internet über China

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Welcome to China – das denkt das Internet über China
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296 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Maurice1
02.08.2022 14:33registriert November 2021
Wir täten gut daran, alle Produktionsstätten aus China zurückzuziehen, um mal selber wieder zu arbeiten und Waren herzustellen. Ich brauche nicht jedes Jahr ein neues Mobile und das know how haben wir. Nur keine Lust zu bezahlen. Aber vielleicht wäre das die Lösung für eine bessere Welt. Und ja, TV, Mobile, Auto sind keine Menschenrechte.
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En Espresso bitte
02.08.2022 14:27registriert Januar 2019
Jetzt, wo Russland und die EU in der Ukraine und China und die USA in Taiwan beschäftigt sind, könnte die Schweiz mit dem Trend der Zeit gehen und sich nochmals mit der Invasion eines Nachbarlandes befassen. Eine solche "militärische Spezialoperation" ist notwendig, weil die Gefahr wächst, dass sich das FL unserer Nemesis Österreich zuwendet. Da die Schweiz das FL seit jeher als integralen Bestandteil ihres Landes betrachtet und eine Hinwendung an Österreich unverzeihlich wäre, wäre jetzt der optimale Zeitpunkt, dies klarzustellen.
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YvesM
02.08.2022 14:57registriert Januar 2016
Wir sind gut beraten, China als Bedrohung zu sehen. Die Ziele sind klar formuliert und China betrachtet Taiwan als Teil des Reiches. Muss man mehr wissen? Wann wachen wir auf und lösen uns von der unsäglichen Abhängigkeit?
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